Darum gehts
- Lawinenunglücke erfordern schnelle Reaktion: Verhalten entscheidet über Überleben.
- 90 Prozent der Verschütteten überleben die ersten 15 Minuten.
- LVS, Airbag und Training verbessern Chancen auf Rettung erheblich.
Stell dir vor, es wird schlagartig still. Kein Grollen mehr. Kein Wind mehr. Nur Druck von allen Seiten. Du willst die Arme bewegen – einer reagiert nicht. Ein Bein steckt fest, irgendwo im Schnee. Du weisst nicht, wo oben und unten ist. Schnee presst gegen dein Gesicht. Dann öffnest du den Mund und versuchst zu atmen. Und du merkst, die Luft wird weniger.
Unter einer Lawine stirbt man selten an der Kälte – sondern an der Zeit. Die ersten Minuten sind entscheidend. Hier die wichtigsten Tipps, die deine Überlebenschancen erhöhen:
Die wichtigste Überlebensstrategie beginnt lange bevor die Schneelawine abgeht. Informiere dich vor jedem Skitag über das aktuelle Lawinenbulletin des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) zu Wetter, Wind und Schneeverhältnissen. Besonders kritisch sind Hänge zwischen 30 und 45 Grad. Gehe niemals allein ins freie Gelände – Gruppen erhöhen die Sicherheit. Jeder sollte stets ein LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), eine Sonde und eine Schaufel bei sich haben. Wer Freeride oder Touren plant, sollte einen Airbag-Rucksack, ein Erste-Hilfe-Set und ein geladenes Mobiltelefon mit den wichtigsten Notrufnummern dabei haben.
Wenn du verschüttet wirst
Wenn eine Lawine abgeht, versuche sofort, dich seitlich in Sicherheit zu bringen – fahre oder renne schräg weg, statt direkt bergab. Behalte den Hang im Blick und präge dir Verschwindepunkt und Verlauf ein – diese Sekunden sind später entscheidend für die Suche. Alarmiere sofort die Rettung über die Rega (1414 oder App). Die Rega koordiniert Helikopter, Lawinensuchhunde und Bergretter der Alpine Rettung Schweiz ARS, um Verschüttete schnell zu lokalisieren und medizinisch zu versorgen.
- Während des Mitreissens: Airbag sofort auslösen, Skistöcke loslassen, Bindungen öffnen – alles, was wie ein Anker wirkt, zieht dich nach unten. Versuche, mit Schwimmbewegungen möglichst an der Oberfläche zu bleiben. Mund geschlossen halten, Gesicht mit Unterarmen schützen.
- Vor dem Stillstand: Forme vor Mund und Nase einen Hohlraum – die Atemhöhle. Halte die Atemwege frei. Sobald der Schnee stillsteht, wird er hart wie Beton;
- Nach dem Stillstand: Atme ruhig, kurze kontrollierte Züge, um Sauerstoff zu sparen. Prüfe vorsichtig, ob Gliedmassen beweglich sind, und erweitere die Atemhöhle nur schrittweise. Schreie nur bei klar erkennbaren Rettern – die Stimme dringt kaum durch den Schnee. Kleine Tests wie Spucken helfen, oben und unten zu erkennen. Studien zeigen: Wer Atemhöhle und freie Atemwege hat, überlebt deutlich länger.
Wie sind die Überlebenschancen
Die ersten Minuten sind entscheidend: Rund 90 Prozent der Verschütteten leben in den ersten 15 Minuten nach dem Lawinenabgang noch. Danach sinken die Chancen drastisch: nach 30 Minuten auf rund 30 Prozent. Eine sofortige Rettung steigert die Überlebenschance deutlich – wer von Kollegen gefunden und ausgegraben wird, überlebt dreimal häufiger. Besonders kritisch ist die Verschüttung von Kopf oder Oberkörper. Weitere Faktoren sind: Dauer und Tiefe der Verschüttung, Verletzungen, Atemwege, Temperatur und schnelles medizinisches Eingreifen.
Wenn du dich selbst in Sicherheit bringen konntest, aber andere verschüttet wurden, solltest du zuerst an deine eigene Sicherheit denken. Nur wer selbst sicher ist, kann helfen. Alarmiere umgehend die Rettungskräfte und starte gleichzeitig mit der Rettung deiner Mitmenschen: LVS suchen, Signale prüfen, ausgraben. Nach dem Auffinden: Mit der «V»-Technik hangabwärts graben, Kopf und Brust des Verschütteten zuerst freilegen. Jede Minute zählt!