Die Jungen haben das CO2-Gesetz besonders deutlich abgeschmettert. Zu diesem Schluss kommt eine Nachwahlbefragung von Tamedia mit rund 16'000 Teilnehmenden. Demnach sagten die 18- bis 34-Jährigen mit 58 Prozent am deutlichsten Nein. Wie kommt das?
Einerseits vergesse man oft, dass das Klima nicht das einzige Problem sei, mit dem sich junge Menschen konfrontiert sehen, sagt Cloé Jans, Politologin vom Forschungsinstitut GFS Bern. «Gerade die unter 30-Jährigen sind in relativ unsicheren Zeiten gross geworden und machen sich auch Sorgen um die Altersvorsorge, die ökonomische Sicherheit oder den eigenen Lebensstandard.»
«Benzin ist schon genug teuer»
Frühere Studien der Uni Zürich zeigen: Gerade 18- bis 29-Jährige wünschen sich eine griffigere Klimapolitik. Dass die Jungen weniger klimaaffin sind als angenommen, glaubt Cloé Jans darum nicht. «Die meisten unterstützen die Klimabewegung.» Nur: Sobald es um Einschränkungen oder konkrete Lösungen gehe, die das eigene Portemonnaie betreffen, bröckele diese Koalition.
Eine nicht repräsentative Umfrage von SonntagsBlick bei Deutschschweizer Jugendlichen illustriert diese Aussage. Da ist etwa Marco Joren (18), Elektroinstallateur-Lehrling aus dem Bündner Prättigau. Er sagt: «Für mich waren die zwölf Rappen mehr pro Liter Benzin ausschlaggebend für das Nein zum CO2-Gesetz.» Joren hat die Rechnung gemacht: «Mit dem neuen Gesetz hätte ich pro Tank zehn bis 15 Franken mehr bezahlt – das summiert sich. Zudem finde ich, dass das Benzin schon genug teuer ist.» Er wohne in den Bergen, wo die ÖV-Verbindungen nicht gut seien und man auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sei. Zugleich betont Marco Joren: «Natürlich finde ich es wichtig, dass die Luft gut ist. Aber dann sollten nicht wir hier in Europa anfangen, sondern zum Beispiel China.»
Junge könnten ihre Jobs verlieren
Ähnlich argumentiert Joel Wirz (21): «Die Schweiz ist sowieso schon sauber. Zuerst sollten anderswo strengere Richtlinien eingeführt werden. Etwa im Bereich der grossen Tanker auf dem Meer.» Als Automobilfachmann machte sich Wirz auch Sorgen um seine berufliche Zukunft: «Ich habe gegen das CO2-Gesetz gestimmt, weil damit Elektrofahrzeuge gefördert würden und sich das drastisch auf meinen Beruf auswirken würde. Im schlimmsten Fall könnte ich meinen Job verlieren – weil man bei Elektroautos keinen Service wie den Ölwechsel mehr machen muss.»
Inwiefern die Jungen am letzten Sonntag tatsächlich matchentscheidend waren, geht aus der Tamedia-Umfrage nicht hervor. Die Wahlbeteiligung der Jungen wird darin nicht genau analysiert. Politologin Cloé Jans sagt: «Vielleicht sind sie gar nicht so stark an die Urne gegangen, als dass sie als relevante Kraft hätten wirken können.»
«Ich bin überzeugt, dass die freie Marktwirtschaft bessere und kostengünstigere Lösungen gegen den Klimawandel parat hat als ein staatliches Gesetz. Ich fahre zum Beispiel einen Tesla – weil ich einerseits nicht die Umwelt verpesten will, aber auch wegen der Kosten. Mit dem Tesla habe ich keine Wartungskosten und muss nicht in den Service. Der Markt entwickelt sich also sowieso schon in die richtige Richtung. Alle vier Jahre halbieren sich die Kosten von Akkus, die E-Mobilität wird effizienter. Es wird zwangsläufig weniger Diesler und Benziner geben – da musst du als Staat nicht jene bestrafen, die noch welche fahren. Zudem war für mich der Klimafonds eine Blackbox: Es war nicht so richtig klar, wo das Geld aus den vielen Abgaben dann am Ende genau hinfliesst. Gerade für uns Junge wäre ein Ja aber auch einfach unfair gewesen. Wir haben sowieso generell weniger Vermögen, höhere Kosten treffen uns also stärker. Warum sollten wir bestraft werden dafür, dass man es bisher nicht zustande gebracht hat, saubere Lösungen für die Umwelt zu finden?»
«Ich bin überzeugt, dass die freie Marktwirtschaft bessere und kostengünstigere Lösungen gegen den Klimawandel parat hat als ein staatliches Gesetz. Ich fahre zum Beispiel einen Tesla – weil ich einerseits nicht die Umwelt verpesten will, aber auch wegen der Kosten. Mit dem Tesla habe ich keine Wartungskosten und muss nicht in den Service. Der Markt entwickelt sich also sowieso schon in die richtige Richtung. Alle vier Jahre halbieren sich die Kosten von Akkus, die E-Mobilität wird effizienter. Es wird zwangsläufig weniger Diesler und Benziner geben – da musst du als Staat nicht jene bestrafen, die noch welche fahren. Zudem war für mich der Klimafonds eine Blackbox: Es war nicht so richtig klar, wo das Geld aus den vielen Abgaben dann am Ende genau hinfliesst. Gerade für uns Junge wäre ein Ja aber auch einfach unfair gewesen. Wir haben sowieso generell weniger Vermögen, höhere Kosten treffen uns also stärker. Warum sollten wir bestraft werden dafür, dass man es bisher nicht zustande gebracht hat, saubere Lösungen für die Umwelt zu finden?»