Darum gehts
- Schweizer Gletscher verlieren 2026 massiv Eis durch Hitzewellen und Schneemangel
- Bella-Tola-Gletscher vollständig verschwunden, Rhonegletscher verliert 19 Milliarden Liter Wasser
- Tägliche Schmelzrate Rhonegletscher: 10 cm Eis an tieferen Stellen seit Juni
Die Schweizer Gletscher erleben einen Sommer, der ihnen besonders stark zusetzt. Die frühe Schneeschmelze hat vielerorts das Eis freigelegt, anschliessende Hitzewellen beschleunigen den Rückzug zusätzlich. Für einige kleinere Gletscher kommt die Entwicklung bereits einem endgültigen Verschwinden gleich. Doch auch grössere Eisriesen verlieren rapide an Masse.
Welche Gletscher besonders stark betroffen sind – und wo das Eis bereits ganz verschwunden ist, zeigt der Überblick:
Bella-Tola-Gletscher Saint-Luc VS
Der Bella-Tola-Gletscher ist Geschichte. Die Hitzewellen des Sommers 2026 haben ihn endgültig dahinschmelzen lassen, wie «Le Nouvelliste» berichtet. Am Nordhang des 3025 Meter hohen Bella Tola bleiben nur spärliche Firnfelder zurück, wie aktuelle Bilder zeigen.
Schneeexperte Robert Bolognesi bestätigt gegenüber der Zeitung: «Das Katastrophenjahr, das wir Ende Mai befürchtet hatten, ist eingetroffen.» Nach dem verfrühten Abschmelzen der Schneedecke sei das Eis ungeschützt der Sonne ausgesetzt gewesen. Die anschliessenden Hitzewellen besiegelten das Schicksal endgültig. Doch nicht nur kleine Gletscher sind betroffen. Laut Bolognesi schmelzen auch Giganten wie der Aletschgletscher derzeit «im Eiltempo».
Urirotstock-Gletscher
Zu den Opfern des Sommers zählt auch der Urirotstock-Gletscher in den Urner Alpen. Laut «Bote der Urschweiz» wurde sein Verschwinden weit über den Schwyzer Talkessel hinaus wahrgenommen. Wo sich einst eine geschlossene Eisfläche befand, kommt heute der Fels zum Vorschein. Es sind nur noch vereinzelte Schnee- und Firnreste übrig.
Glärnischfirn, Glarus
Der Glärnischfirn hat in diesem Sommer deutlich an Eis verloren. Nicht nur seine Länge, sondern auch seine Dicke ist geschrumpft. Hüttenwart Fridli Riegg beobachtet, dass das Eis zunehmend verschwindet, wie er im Gespräch mit «Südostschweiz» Ende Juli verriet. Er gebe dem Gletscher nur noch wenige Jahre zu leben.
Die bisherigen Beispiele sind Teil einer schweizweit angespannten Situation. Laut Matthias Huss von der ETH Zürich ist die Entwicklung dramatisch. Der Glaziologe und Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes Glamos erklärt, dass der schneearme Winter schon im Frühsommer für einen schlechten Schutz der Gletscher sorgte. Danach folgten mehrere Hitzewellen. Diese Kombination sei der «Worst Case» für die Gletscher. Wie sich die hohen Temperaturen konkret auswirken, zeigt das Beispiel des Rhonegletschers.
Rhonegletscher
Wie stark die Gletscher derzeit an Masse verlieren, lässt sich am Rhonegletscher besonders gut zeigen. Sein Zustand wird täglich berechnet, und die jeweils verfügbaren Daten fliessen in die Bilanz ein. Seit Mitte Mai verliert der Gletscher zwar kontinuierlich an Masse. Bis in die erste Juli-Hälfte ging dabei jedoch vor allem der im Winter angesammelte Schnee verloren, wie Huss beschreibt. «Dieser sollte die Gletscher eigentlich durch den Sommer bringen.» Seither verliert der Rhonegletscher zusätzlich Wasser aus seiner langfristigen Eisspeicherung. Bei einer Fläche von 13,5 Quadratkilometern entspricht das also bis jetzt rund 19 Milliarden Litern Wasser, die dem Gletscher als langfristige Wasserreserve verloren gingen.
«Gemäss unseren Messungen auf der Gletscherzunge gingen seit Mitte Juni bis jetzt fast durchgehend rund 10 Zentimeter Eis pro Tag verloren. Im Mittel über den ganzen Gletscher, mit höheren Lagen, ist es etwas weniger. Wir sind da bei rund 5 Zentimeter pro Tag», erklärt Huss.
Trotz der vielen Hitzewellen sei die Schmelze des Rekordjahres 2022 noch nicht egalisiert. «Es ist unwahrscheinlich, dass wir dies noch einholen, aber 2026 ist – Stand jetzt – klar auf Rang 2.» Die Schlussbilanz könne aber erst Ende September gezogen werden.