ebfc819cb1e0a9_poster.jpg
2:25
Hausarzt Reto Rechsteiner (55) arbeitet und berät im Akkord:«Wir kennen das Risiko»

Hausarzt Reto Rechsteiner (55) arbeitet und berät im Akkord
«Wir kennen das Risiko»

Täglich rufen die Menschen bei ihm an, erzählen ihm ihre Sorgen wegen des Coronavirus. Hausarzt Reto Rechsteiner (55) berät und organisiert im Notfall auch Tests zu Hause.
Kommentieren
1/4
Hausarzt Reto Rechsteiner (55) sagt: «Niemand darf unangemeldet in die Praxis kommen.»
Foto: Anian Heierli
Anian Heierli

Am Wochenende klingelte sein Notfalltelefon ununterbrochen. Verunsicherte Personen, die über Husten und Halsweh klagten. Andere hatten Kontakt mit positiv getesteten Patienten. Hausarzt Reto Rechsteiner (55) aus Altdorf UR nimmt dann den Hörer ab, berät und beruhigt.

Für ihn und sein Team bedeutet die Corona-Krise viel Arbeit. Trotzdem sagt der Mediziner gelassen zu BLICK: «Die Hälfte unserer Arbeit besteht aus dringlichen Notfällen! Wir sind uns das gewohnt.»

«Wir kennen das Risiko und tun es trotzdem»

Doch die Situation ist ernst. Pfleger, Ärzte und Assistenten setzen sich täglich dem Risiko einer Ansteckung aus. Für Rechsteiner gehört die Gefahr zum Job. «Als ich anfing, war es Hepatitis. Nun ist es Corona. Wir kennen das Risiko und machen es trotzdem.»

Erst kürzlich testete er einen Pfleger im Altersheim positiv auf Covid-19. Sauer ist er deshalb auf Personen, die die Situation unterschätzen. «Nach allen Warnungen im Fernsehen, Radio und in den Zeitungen haben wir Patienten, die wegen Lappalien in die Praxis kommen», sagt er. «Manche husten dort in die Hände, und wenn man sie darauf aufmerksam macht, lachen sie nur.»

Der Mediziner spricht Klartext: «Das ist verantwortungslos!» So holte ein Herz-und-Lungen-Patient in der Praxis seine Medikamente unangemeldet selbst ab – auch dafür hat Hausarzt Rechsteiner kein Verständnis.

Hausarzt würde in Spital aushelfen

Sein Rat: «Es wäre nützlich, wenn man die schlimmen Bilder aus der Lombardei öfters zeigt. Aufnahmen von Menschen, die auf Feldbetten ersticken, weil die Spitäler voll sind und es nicht genügend Beatmungsgeräte und Personal gibt.»

Falls es in Schweizer Spitälern zu Engpässen kommt, wollen Rechsteiner und seine Angestellten auch dort helfen. Wichtig sei im Moment, dass niemand unangemeldet ins Spital oder die Arztpraxis geht. «Wer Erkältungssymptome hat, soll sich vom Hausarzt telefonisch beraten lassen», sagt er. In solchen Fällen biete man die Spitex auf, die dann zu Hause Abstriche für Tests durchführe.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen