Darum gehts
- Zürich tötet Tauben öffentlich am Bahnhof Stadelhofen, Aktivisten empört
- 80 Tonnen Taubenkot jährlich führen zu Gesundheitsproblemen, sagt die Stadt
- Demo erwartet 200 bis 300 Personen, fordert Augsburger Modell für Taubenschläge
Zwischen dem Morgengetümmel beim Zürcher Bahnhof Stadelhofen stehen schwarze Abfallsäcke auf dem Kiesplatz. Der Inhalt: gekeulte Tauben. Kurz zuvor haben Wildhüter der Stadt Zürich die Tiere mit einer Grossfalle eingefangen und «unsanft» in Transportboxen verladen, wie eine Leserin gegenüber «20 Minuten» berichtet.
Wenig später wird die Box mit einer Blache abgedeckt – zurück bleiben ein leerer Käfig und zwei schwarze Säcke. Die Stadt bestätigt die Tötung der Tiere in der Öffentlichkeit.
Öffentliche Kundgebung findet Anklang
Aktivisten und Tierschutzvereine sind fassungslos: «Der Vorfall, bei dem eine grössere Anzahl Tiere durch Wildhüter der Stadt Zürich gekeult wurde, hat über die Landesgrenzen hinaus für grosse Empörung gesorgt», erklärt Nina Bachellerie, Vizepräsidentin des Vereins Stadttaube.ch. Der Verein organisiert daher am Samstag in Zürich eine Kundgebung und erwartet 200 bis 300 Personen.
Die Taubendemo ruft konkret dazu auf, dass betreute Taubenschläge nach dem Augsburger Modell umgesetzt werden. «Wir empfehlen die Einrichtung von Taubenschlägen an sogenannten Hotspots – also überall dort, wo Tauben bereits ansässig sind.»
«Da es sich um domestizierte Tiere handelt, die die Städte aufgrund ihrer angezüchteten Standorttreue nicht verlassen können, bleiben sie dauerhaft auf den Menschen angewiesen», erklärt Bachellerie und fordert zum grundsätzlichen Umdenken im Umgang mit Stadttauben auf.
Was war das Ziel der Stadt Zürich?
Tatsächlich verfolgt die Stadt Zürich das Ziel, einen kleinen und gesunden Taubenbestand zu pflegen, wie Mediensprecher Markus Gamper von Grün Stadt Zürich bestätigt. Das sei nur möglich, wenn die Tauben nicht gefüttert werden. «Wir stellen fest, dass die verwilderten Haustauben trotz des kantonalen Verbots weiter gefüttert werden. So lassen sich diese im Stadtraum nur schwer an einen der drei Taubenschläge binden», sagt Gamper.
Die Stadt Zürich berichtet von 80 Tonnen Taubenkot jährlich, deren Verschmutzung zu gesundheitlichen Problemen bei Kindern, kranken und älteren Menschen führen kann.
Eine deutsche Stadt zeigt, wie es funktionieren kann
Die deutsche Stadt Augsburg legte 1995 ein Paradebeispiel dafür, wie man die Stadtvögel kontrollieren kann. Zehn betreute Taubenschläge und Türme stellt die Stadt den Vögeln zur Verfügung, wie die Stadt kommuniziert. Die Taubenherbergen helfen bei den grössten Problemen: dem Kot und der Überpopulation. «Städte wie Winterthur und Bern zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert», sagt die Vizepräsidentin.
Der Mediensprecher sieht das Problem darin, dass die Tauben trotz Verbot gefüttert werden. Das ist hinderlich. «So lassen sich diese im Stadtraum nur schwer an einen der drei Taubenschläge binden», sagt der Sprecher. «Bei lokalen Grosspopulationen, wie zum Beispiel am Bahnhof Stadelhofen, wird der Bestand daher gezielt reguliert.»
Was will die Stadt unternehmen?
Der Vorschlag, das Augsburger Modell einzuführen, scheint realistisch: «Wir stehen im Austausch mit anderen Städten wie Augsburg, Bern oder Luzern und setzen uns seit längerer Zeit mit unterschiedlichen Ansätzen zur Regulierung der Taubenpopulation auseinander. So auch mit dem Augsburger Modell», sagt Gamper.
Die Stadt Zürich habe 2024 ein Monitoring zu den Beständen der verwilderten Haustaube durchgeführt, führt Gamper aus. «Anschliessend werden verschiedene Ansätze zur Regulierung der Population geprüft und zudem soll ein Konzept erarbeitet werden, das sich mit möglichen Massnahmen zur Verbesserung der Gesamtsituation beschäftigt. Dabei werden sowohl tierschutzrelevante Aspekte als auch stadtökologische und organisatorische Faktoren berücksichtigt.»