Darum gehts
- Japankäfer breitet sich in der Schweiz aus, Massnahmen in Bern beschlossen
- Winzerinnen warnen vor Ernteausfällen, Plage erreicht «biblisches Ausmass»
- 2025: Sechs neue Befallsherde, erste Sichtung im Tessin bereits 2017
«S'Bärner Oberland isch schön.» Das weiss in der Schweiz jedes Kind. Mittlerweile scheint diese musikalische Weisheit aber auch bei invasiven Insekten angekommen zu sein.
Im Sommer 2025 wurde der Japankäfer zum ersten Mal in Spiez BE gefangen. Auch im Oberaargau haben sich die Insekten eingenistet. Jetzt hat sich die Population derart vergrössert, dass der Kanton Bern Massnahmen ergreifen muss.
Besonders die Winzer der Region haben Angst vor dem invasiven Käfer aus Asien. Die Insekten haben nämlich einen gewaltigen Appetit und können im Weinbau komplette Ernten zerstören. Ursula Irion, Betriebsleiterin der Rebbaugenossenschaft Spiez, spricht gegenüber der «Berner Zeitung» gar von einer «Plage von fast biblischem Ausmass».
Japankäfer in der Schweiz
Die Berner sind nicht die Einzigen, die den Japankäfer auf die Abschussliste gesetzt haben. Das invasive Insekt breitet sich seit Jahren in der Schweiz aus. Besonders der Süden des Tessins und der Osten des Wallis sind betroffen, wie eine Karte des Bundesamtes für Landwirtschaft zeigt. Die neuen Befallsherde im Kanton Bern sind auf der Karte noch nicht vorhanden.
Im Tessin wurde das Insekt 2017 zum ersten Mal gefangen. Der Käfer kommt aber mittlerweile auch im Rest des Landes vor. Erst 2025 wurden sechs neue Befallsherde in den Kantonen Genf, Waadt, Solothurn und Luzern abgegrenzt, heisst es auf der Webseite des Bundesamtes.
Massnahmen im ganzen Land
In der Region rund um die Gemeinde Simplon VS, die besonders stark betroffen ist, gelten scharfe Schutzmassnahmen. Die Region gilt als Befallszone des Japankäfers, die höchste Gefahrenstufe in der Schweiz. So ist der Transport von Kompost oder Pflanzenmaterial aus dieser Befallszone im Sommer fast komplett verboten.
Besonders Bauarbeiten in diesem Gebiet sind von den Massnahmen betroffen. So darf die Oberflächenschicht des Bodens, bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern, etwa nicht aus der betroffenen Region abtransportiert werden. Auch müssen Fahrzeuge und Geräte, die zur Bodenbearbeitung oder für Arbeiten mit Erde genutzt wurden, beim Verlassen des Bereichs gründlich gereinigt werden.
Bern prüft Bewässerungsverbot
Ähnliche Massnahmen will jetzt auch der Kanton Bern umsetzen. In den Befallsherden ist beispielsweise ab sofort der Transport von Grüngut, Kompost und Oberboden eingeschränkt.
In Teilen von Spiez gilt im kommenden Sommer ausserdem ein Bewässerungsverbot von Grünflächen. Dies wird laut der «Berner Zeitung» auch im Kanton Tessin umgesetzt. Der Bruterfolg des Japankäfers sinkt in unbewässerten Grünflächen, weil sich die Larven schlechter entwickeln können. Von diesem Verbot ausgenommen sind aber beispielsweise Sportplätze oder touristische Zonen wie das Freibad.