Darum gehts
- Samsung-Update verursacht weltweit Probleme, Geräte frieren ein, Daten gehen verloren
- Herta Stalder ist eine der Betroffenen, kann ihr E-Banking nicht mehr verwenden
- Die Bernerin hofft, dass ein nächstes Update das Problem beheben wird
«Es ist ein Super-Gau, eine Katastrophe. So viel, was ich im Alltag brauche, ist auf diesem Handy. Und jetzt ist alles nutzlos», sagt Herta Stalder (67) zu Blick. Wie viele andere Samsung-Galaxy-Nutzer ist auch die Bernerin von einer Störung nach dem jüngsten Sicherheitsupdate betroffen. E-Banking, Hunderte Kontakte, wichtige Termine – alles ist defekt oder von ihrem Smartphone verschwunden.
Digitalplattformen wie Android Police und Piunika Web berichten von einem weltweiten Problem. User auf Reddit schildern, dass sie seit dem Update in einer Endlosschleife gefangen bleiben – das Smartphone komplett eingefroren. Selbst das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen helfe nicht. Bei manchen Nutzern habe es geholfen, die Firmware manuell über den PC neu aufzuspielen, in seltenen Fällen habe auch ein erzwungener Neustart geholfen.
«Ein Viertel meiner Kontakte wurde einfach gelöscht»
Betroffen scheinen hauptsächlich Geräte aus der S22-Reihe zu sein. Was dahintersteckt? Laut Android Police könnten Installationsfehler, alternde Hardware oder ein Bug im Firmware-Update mögliche Fehlerquellen sein. Für die betroffenen Nutzer hat das tiefreichende Folgen.
Herta Stalder ist verzweifelt. Ihr Samsung Galaxy S21FE ist zwei Jahre alt. Doch seit dem neusten Sicherheitsupdate geht gar nichts mehr. Offenbar scheinen nicht nur Geräte der S-22-Reihe betroffen zu sein. «Etwa ein Viertel meiner Kontakte wurde einfach gelöscht. Auch mein Terminkalender ist weg. Mein E-Banking, Twint – alles nicht mehr nutzbar.» Seit sechs Tagen sei das schon so, eine Lösung sei nicht in Sicht.
Sie landete auf einer gefälschten Service-Seite
Für die Rentnerin, die leidenschaftlich am Theater Orchester Biel Solothurn singt, eine Katastrophe. «Ich bin auf all diese Daten angewiesen», sagt sie. Besonders hart trifft es die Sängerin auch, dass sie die App Spotify nicht mehr benutzen kann. «Über Spotify habe ich alle meine Stücke geübt, ich brauche die Musik.» Denn zu Hause in ihrer Wohnung darf sie nicht singen. Stattdessen fährt sie immer mit ihrem Auto weg und übt dabei, begleitet durch Spotify, ihre Stücke. Mit dem defekten Handy gehe das nun nicht mehr.
Belastend sei aber auch der fehlende Zugang zum E-Banking. In ihrer Verzweiflung wurde Herta Stalder direkt mit dem nächsten Problem konfrontiert. Als sie bei der Samsung-Hotline anrief, verwies sie die automatische Ansage auf eine spezielle Service-Website. Die Rentnerin suchte nach der Seite und wählte das erste Ergebnis aus. Was sie nicht wusste: Sie landete damit auf einer Fake-Seite.
Ein Chatbot forderte sie nach Schilderung ihres Problems auf, fünf Franken zu bezahlen, damit ihr die Lösung geschickt werde. «Da ich Twint nicht mehr benutzen konnte, gab ich meine Kreditkartennummern an. Bei der zweiten klappte es.» Sie erhielt daraufhin ein ellenlanges Dokument mit technischen Erklärungen, die sie nicht verstand.
«Ein Super-Gau, der allein auf die Kosten der Nutzer geht»
Am Montag erhielt sie einen Anruf von ihrem Karten-Betreiber. «Man sagte mir, dass ich auf einer Fake-Seite gelandet sei und mir nun in Form eines Abos jeden Monat fünf Franken abgehoben werden würden.» Stalder liess sofort beide Karten sperren. Auch ihr Smartphone hatte sie zum Handydoktor gebracht, der ihr jedoch nicht weiterhelfen konnte. «Es ist wirklich ein Super-Gau, der allein auf Kosten der Nutzer geht», findet Herta Stalder.
Gänzlich neu ist das Problem bei Samsung nicht. Bereits ein früheres Update sorgte ab Ende 2024 bei Teilen der S22-Reihe für Endlosschleifen (Bootloops). In den USA konfrontieren Verbraucher Samsung mit einer Sammelklage, wie Android Headlines berichtet. Sie werfen dem Hersteller vor, die fehlerhafte Aktualisierung trotz bekannter Risiken verteilt und zugesagte erweiterte Garantien nicht eingehalten zu haben.
Herta Stalder hofft nun auf ein weiteres Update, welches den Fehler beheben könnte. «Zumindest kann ich noch telefonieren und habe meine Kontakte wieder herstellen können. In Zukunft werde ich mir aber kein Samsung mehr kaufen», sagt die Bernerin.