Darum gehts
- Familie aus Manchester erhält nach Marrakesch-Ferien Handyrechnung über 43'000 Franken
- Tochter nutzte Tiktok acht Stunden, Roaming-Klausel ohne Obergrenzen war schuld
- O2 erliess die Gebühren nach zweimonatiger Beschwerde-Odyssee des Vaters
Diese Ferien in Marrakesch wird Familie Alty aus Manchester in Grossbritannien nicht so schnell vergessen. Beinahe hätte Andrew Alty sein Geschäft verloren.
Denn nach dem Trip flatterte eine Handyrechnung ins Haus, die es in sich hatte. 42'000 Pfund (43'000 Franken)! Doch wofür? Der Grund: die Tochter. Sie hatte insgesamt acht Stunden lang Tiktok genutzt. Der Vater ist aber nicht sauer auf seine Tochter, sondern auf den Anbieter O2. «Es ist unvorstellbar, dass sie so etwas berechnen können», sagte er zur britischen Zeitung «The Telegraph».
«Grossen Teil meines Lebens in Anspruch genommen»
Alty dachte zunächst an einen Irrtum. Die Rechnung resultierte aus einem Businessvertrag mit O2. Was der Brite aber nicht wusste: Der Vertrag enthielt eine Klausel, die Datenroaming ausserhalb Europas von jeglichen Obergrenzen ausnahm. Alty war sich dessen nicht bewusst. Die hohen Gebühren wurden ihm erst klar, als er die Monster-Rechnung sah.
Der Vater beschwerte sich. Eine Odyssee begann. «Es hat in den vergangenen zwei Monaten einen so grossen Teil meines Lebens in Anspruch genommen. Es ist absurd.» Der Kundendienst habe nicht helfen können. Am Ende sei er verzweifelt gewesen. Schliesslich gab es doch ein Einlenken. Die Gebühren wurden erlassen.
Die 143'000-Dollar-Rechnung
Hohe Internetkosten in den Ferien sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Vor zwei Jahren erhielt US-Tourist Rene Remund die Horror-Handyrechnung über 143'000 Dollar!
Um die malerischen Berge mit seiner Familie in den USA zu teilen, informierte sich ein Mann aus Florida vor einem Trip in die Schweiz über einen passenden Handyvertrag – was später zu einer bösen Überraschung führte. Er hatte sich vorher über einen entsprechenden Tarif erkundigt, umso grösser war die Wut, als er plötzlich die Rechnung bekam. Der Ami holte sich einen Anwalt und wehrte sich – mit Erfolg. Am Ende musste er die Rechnung nicht zahlen.
315 Franken für ein paar Minuten Youtube
Ähnlich erging es Jens Goldberg aus Stein AG. Er hatte in Serbien für kurze Zeit das Internet auf seinem Handy nicht deaktiviert. Salt wollte für die dabei gebrauchten 20 Megabyte 315 Franken haben. «Abzocke!», sagt Goldberg.
Schweiz-Falle beschert Deutschen hohe Handyrechnungen
Der Datenverkehr im Ausland läuft über Roaming. Wer die automatische Netzauswahl auf dem Smartphone eingeschaltet hat, riskiert in Grenznähe, dass sich das Gerät bei der stärksten Antenne einwählt – und die steht manchmal drüben, auf Schweizer Boden. Das Problem dabei: Die Schweiz ist nicht Teil des EU-Roaming-Abkommens. Während innerhalb der Union die Gebühren weitgehend abgeschafft sind, gelten sie zwischen der Schweiz und der EU weiterhin.