Aargauer Firma verkauft Geister-Wohnungen – Opfer verlieren Zehntausende
«Wir wurden über den Tisch gezogen, unser Traum ist geplatzt»

Gregory T. aus Graubünden reserviert eine Wohnung, die nicht zum Verkauf steht. Und die Aargauer Peter und Marianne B. zahlten für Eigenheim, für das keine Baubewilligung existiert. Hinter diesen Abzockermaschen steckt eine Aargauer Immo-Firma. Die Polizei ermittelt.
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Peter B. (70) und seine Frau Marianne B. (65) aus dem Kanton Aargau waren überzeugt, dass sie durch die Firma eine altersgerechte Eigentumswohnung finden würden.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bündner Gregory T. verlor 27'000 Franken an Aargauer Immobilienfirma
  • Firma nutzte falsche Bilder in Inseraten, verlangte Anzahlungen ohne echte Kaufoptionen
  • Betreibungsregister zeigt Schulden von über 120'000 Franken zwischen August 2025 und April 2026
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Gregory T.s* (58) Lohn ist tief. Er arbeitet im öffentlichen Verkehr und in der Gastronomie im Kanton Graubünden. Was Ende Monat auf seinem Konto übrig bleibt, das spart Gregory T. für eine Eigentumswohnung. Fast hätte er das Ziel erreicht. Doch dann die Enttäuschung: «Ausser hohen Kosten nichts», sagt der Bündner. Gregory T. verliert 27'000 Franken an eine dubiose Aargauer Immobilienfirma. 

Diese Firma taucht immer wieder in Zusammenhang mit Fällen von mutmasslicher Immobilien-Abzocke auf. Mehrere Fälle zeigen einen immer ähnlichen Verlauf. Kaufinteresse, Reservation, dann folgen Anzahlung und schlussendlich die Probleme – zum Schaden der Interessenten. 

Gregory T. fällt im Sommer 2025 ein Inserat der Aargauer Immobilienfirma auf. Sie gehört Luan F.*. Das Inserat zeigt eine ältere, hübsche 2½-Zimmer-Wohnung in einem Luzerner Vorort. Kaufpreis: 477'000 Franken. 

Der Bündner bekundet Interesse und besichtigt letzten Sommer die Wohnung. Luan F.s Vertreterin Bleona F.* begleitet ihn. «Das wäre eine gute Wohnung», schwärmt Gregory T. Aber etwas wirkte auf ihn suspekt. «Die Bilder aus den Inseraten stimmten nicht überein. Die Küche sah ganz anders aus», erinnert sich Gregory T. Nach Rückfragen erklärte die Händlerin, sie verkaufe mehrere Wohnungen und nutze dafür immer dieselben Bilder. 

Rabatt versprochen

Trotz allem: «Die Wohnung gefiel mir», erinnert sich Gregory T. Die Händlerin fordert innert 24 Stunden eine erste Anzahlung für die Wohnung. Dafür stellt sie ihm einen Rabatt in Aussicht. Gregory T. bezahlt 27'000 Franken. 

Dann herrschte plötzlich Funkstille seitens der Immobilienfirma. Als Grund gibt die Händlerin an, dass der Eigentümer der Wohnung ein «vielbeschäftigter» Mann sei, der schlecht zu erreichen sei. Später wird sich zeigen: Das ist eine Lüge – Gregory T. wird hingehalten.

Haus ohne Bewilligung

Szenenwechsel: Im Kanton Aargau übergeben Peter B.** (70) und seine Frau Marianne B.** (65) ihr Einfamilienhaus den Kindern. Sie selbst wollen in eine Wohnung ziehen. Bei Luan F. finden sie ein Bijou zwischen Brugg AG und Aarau AG – auf dem Papier. Das Mehrfamilienhaus steht noch nicht. Eine Reservations-Anzahlung von 65'000 Franken leisten sie trotzdem. «Wir waren überzeugt, dass wir damit eine gute Lösung gefunden haben», sagen sie zu Blick.

Was das Käufer-Ehepaar zum Zeitpunkt nicht weiss: Für den Neubau existiert keine Baubewilligung. Von den potenziell neuen Nachbarn erfährt Peter B., dass Einsprachen gegen den Neubau hängig sind. «Die Verzögerungen kommunizierte Luan F. aber nicht transparent – das ist unprofessionell», kritisiert Peter B. Dass die Bauverzögerung Monate dauern wird, verschweigen ihre Immobilienhändler. 

Nach einem halben Jahr zieht das Interessenten-Paar seine Reservation zurück. Auf die Forderung nach einer Rückzahlung gehen die Händler nur widerwillig ein. Sie ziehen ihre Aufwände ab und bezahlen den Rest zurück. Diese Beratungs- und Administrationsaufwände in der Höhe von 9000 Franken fordert Peter B. nun mittels Betreibung zurück. Das bittere Fazit von Marianne B.: «Wir wurden über den Tisch gezogen, unser Traum ist geplatzt.»

Betreibungsregister offenbart Schuldenberg

Auch Gregory T. leitete rechtliche Schritte gegen Luan F. ein. Der Bündner fand heraus: «Meine reservierte Wohnung stand gar nie zum Verkauf – das ist Abzocke!»

Gregory T. kündigt die Reservation und verlangt sein Geld zurück – bis heute ohne Erfolg. Er meint: «Die Mitarbeiterin schob das Problem wochenlang auf die Bank und vertröstete mich so lange, bis es mir den Nuggi heraushaute.» Die Konsequenz: eine Betreibung mehr für die Immobilienfirma.

Dass nicht nur Gregory T. und Familie B. betroffen sind, zeigt das Betreibungsregister des Unternehmens. Ein Auszug von Anfang Mai liegt Blick vor. Mehrere Gläubiger, darunter auch die Steuerverwaltung des Bundes, forderten zwischen August 2025 und April 2026 über 120'000 Franken von der Firma. 

Auf Blick-Anfrage weist Luan F. die Vorwürfe zurück. Auf die Details will er nicht eingehen, da sie Gegenstand einer hängigen Strafanzeige sind. Die Kantonspolizei Aargau bestätigt gegenüber Blick die laufenden Ermittlungen gegen die beschuldigte Immobilienfirma.

* Namen geändert
** Namen bekannt
 

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