«Crans-Montana-Opfer sind benachteiligt gegenüber normalen Opfern»
1:50
Jans zu Crans-Montana-Opfern:«Sind benachteiligt gegenüber normalen Opfern»

56 Millionen für eine Familie – das sagt der Experte
Wie realistisch sind die Mega-Forderungen der Opfer von Crans-Montana?

Fabienne und Gilles I. wurden beim Brand in Crans-Montana schwer verletzt. Jetzt fordert die ganze Familie insgesamt 56 Millionen Franken Schadensersatz von den Verantwortlichen. Ist das realistisch? Ein Experte ordnet ein und sagt: teuer wird es allemal.
Kommentieren
1/7
Fabienne und Gilles I. überlebten das Inferno in Crans-Montana.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Geschwister fordern 56 Mio. CHF Schadensersatz nach Brand in Crans-Montana
  • Experte hält Forderung für überhöht: Realistisch wären 6 bis 7 Mio Franken pro Person
  • Gesamtkosten für alle Geschädigten könnten 800 Mio. bis 1 Mrd. Franken betragen
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
file84ffk6dsspw143hiisfr.jpg
Devin SchürchReporter News

Die Geschwister Fabienne und Gilles I. werden an Neujahr beim Brand in Crans-Montana schwer verletzt. Mit Verbrennungen kommen sie ins Spital – sie überleben nur knapp.

Für die körperlichen Folgen und die traumatischen Erlebnisse, die sie bis heute verfolgen, fordern die beiden nun je 25 Millionen Franken Schadensersatz von den Verantwortlichen. Auch die Eltern und ein weiterer Bruder wollen zusammen zusätzliche 6 Millionen. Insgesamt beläuft sich die Forderung der Familie I. auf 56 Millionen Franken! Eine gewaltige Summe, die Frage aufwirft: Ist so etwas in der Schweiz überhaupt denkbar?

Jeder Fall ist anders

Die Sache ist wie so oft kompliziert. «Es kommt auf den Einzelfall an», sagt Pascal Pichonnaz (58), Professor für Privatrecht an der Universität Freiburg. «Ob eine Forderung realistisch ist, lässt sich nicht pauschalisieren, weil jede Person individuell betrachtet wird.»

Zunächst fallen laut Pichonnaz die unmittelbaren Kosten an: «Rettung, Transport – etwa mit dem Helikopter – und medizinische Behandlung durch Spezialisten. Das wird schnell sehr teuer», sagt er. Bei schweren Verbrennungen mit monatelangem Spitalaufenthalt Krankenhausaufenthalt, und dann weitere Behandlung während Jahren, können sich diese Kosten auf 650'000 bis 1,6 Millionen Franken pro Person belaufen.

Hinzu kommt der Erwerbsausfall. Dieser variiert stark je nach Lebenssituation. «Bei einem jungen Menschen, der gerade dabei ist, Arzt zu werden oder einen anderen gut bezahlten Beruf ausübt, wird der Erwerbsausfall sehr hoch sein», erklärt Pichonnaz. «Wenn man von einem Jahreseinkommensverlust von 100'000 Franken ausgeht und die Person noch 40 Jahre gearbeitet hätte, wären das alleine 2,5 bis 3 Millionen Franken.»

Forderung scheint unrealistisch, aber

Vor diesem Hintergrund hält Pichonnaz die Forderung der Familie I. von 56 Millionen für überhöht: «Das ist meiner Meinung nach zu viel. Realistisch dürften für viele direkt Geschädigte von Crans-Montana aber 6 bis 7 Millionen Franken sein.»

Derweil verlangen auch die Eltern der Geschwister I. je 2,5 Millionen Franken wegen der psychischen Belastung für die Familie, den Reisekosten und die beruflichen Ausfälle. Ein weiterer Bruder will eine Million, wegen der Folgen des Dramas für die Familie und für sein Studium. «Auch hier sind die Forderungen zu hoch», so Pichonnaz. «Im Fall der Eltern rechne ich nicht mit mehr als 50'000 Franken Schadensersatz und Schmerzensgeld. Beim Bruder höchstens 10'000 Franken.» 

Dass die Familie den Fall, wenn nötig, auch vor internationale Gerichte ziehen will, schätzt Pichonnaz als kaum möglich ein. «Dies müsste vor dem Europäischen Gerichtshof in Strassburg geschehen. Das kann aber nur dann passieren, wenn bei den Gerichten in der Schweiz Bestimmungen der
europäischen Menschenrechtskonvention verletzt werden.»

Wer zahlt?

Weil es noch Jahre dauern kann, bis alle Verfahren rund um Crans-Montana abgeschlossen sind, kann aktuell nur grob eingeschätzt werden, wie viel Schadensersatz Familie I. zugesprochen bekommt. Dennoch lassen sich die Gesamtkosten für alle Geschädigten bereits grob einschätzen. «Ich rechne damit, dass die Gesamtsumme zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Franken liegt, inklusiv was von den Sozialversicherungen (KVG und SUVA) bezahlt wird», so Pichonnaz.

Fordern können die Geschädigten das Geld von verschiedenen Parteien, wenn diese als verantwortlich für das Inferno verurteilt werden. Darunter der Staat Wallis, die Gemeinde Crans-Montana und deren Gemeindepräsidenten und die Familie Moretti.

Wer am Ende welchen Teil der Kosten tragen muss, wird im Laufe der Verfahren bestimmt. Dort wird entschieden, wie gross die Schuld oder die Haftung der einzelnen Parteien am Inferno ist.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen