Wie nahe steht er der rechtsextremen Szene?
SVP-Ortspräsident besuchte Neonazi-Hochzeit

Aufnahmen zeigen den Co-Chef der SVP Ebikon auf einer Hochzeitsfeier eines langjährigen Hammerskins. Huber beteuert aber, weder Teil der Hammerskins noch anderer ähnlicher Gruppierungen zu sein.
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Christian Huber (r.), Co-Chef der SVP Ebikon, zusammen mit Neonazis an der Hochzeit in Sempach.
Foto: Exif-Recherche

Darum gehts

  • Co-Präsident der SVP Ebikon besuchte die Hochzeit eines führenden Hammerskin-Mitglieds
  • Der SVP-Politiker war früher selbst Mitglied der rechtsextremen Pnos
  • An der Feier beim Winkelrieddenkmal in Sempach LU nahmen zahlreiche Neonazis teil
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Braune Hose, braunes Hemd, dunkle Sonnenbrille: Was sucht Christian Huber an der Hochzeitsfeier eines führenden Neonazis? Huber ist Co-Präsident der SVP Ebikon LU, der Bräutigam langjähriger Hammerskin. Unter den Gästen befanden sich Szenegrössen aus der ganzen Schweiz.

Die Feier fand Mitte Mai statt. Blick liegen Fotos des Anlasses vor, aufgenommen von der deutschen Recherche-Plattform Exif. Sie zeigen, wie sich der SVP-Ortschef unter die Rechtsextremen mischt.

Bräutigam war der knapp 50-jährige T. W.*. Der Innerschweizer Landwirt ist seit mehr als 20 Jahren aktives Mitglied der rechtsextremen Bruderschaft Hammerskins. Das gewaltbereite Netzwerk, das vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) beobachtet wird, propagiert rechten Terror und kämpft für die Vorherrschaft der «weissen Rasse». Vor wenigen Wochen besuchte W. ein Neonazi-Geheimtreffen in Italien – Blick berichtete.

Jawort am Winkelrieddenkmal

Die Hochzeitsfeier glich denn auch einem Aufmarsch der rechtsextremen Szene. Neben Familie und Verwandtschaft des Hochzeitspaars nahmen ein Dutzend Mitglieder der Hammerskins sowie zahlreiche weitere Neonazis teil. Viele von ihnen trugen ihre Gesinnung offen zur Schau – in Form von Pins, Tattoos oder Symbolen auf T-Shirts.

An der Hochzeit mit dabei war auch der Berner M. F.*, der Kontakte ins direkte Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) pflegte – jener Terrorzelle um Beate Zschäpe, die in Deutschland zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete.

Kaum Zufall dürfte sein, dass sich das Brautpaar das Jawort am Sempacher Winkelrieddenkmal gab. Dort, wo Jahr für Jahr Rechtsextreme zu einer Gedenkfeier für die Schlacht von Sempach aufmarschieren.

SVP-Politiker rechtfertigt sich

Durch die Trauung führte A. S.*, der seit rund 30 Jahren führende Funktionen in der Schweizer Neonazi-Szene ausübt, unter anderem bei der völkischen Avalon-Gemeinschaft oder der mittlerweile aufgelösten Partei National Orientierter Schweizer (Pnos).

Warum nahm SVP-Politiker Christian Huber an der Feier in Sempach teil? Der Bräutigam sei ein «langjähriger Bekannter» von ihm, sagt er. Er sei an dem Tag bloss an der Trauung und dem anschliessenden Apéro gewesen. Zum Nachtessen und zu weiteren Feierlichkeiten war er laut eigenen Angaben nicht eingeladen.

Huber beteuert gegenüber Blick, weder Teil der Hammerskins noch anderer ähnlicher Gruppierungen zu sein. Das war nicht immer so: Als junger Erwachsener engagierte er sich mehrere Jahre lang bei der Pnos.

«Ich sehe mich als politisch vielseitig interessierten Menschen in der Lage, Bekanntschaften mit Personen zu pflegen, ohne deren Positionen zwangsläufig zu übernehmen», sagt Huber. Solche Bekanntschaften pflege er auch «bis weit ins linke Lager hinein».

Nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen

Dass Huber aktuell nicht aktives Mitglied einer rechtsextremen Gruppe ist, dürfte der Wahrheit entsprechen. Seine Nähe zur Szene ist jedoch frappant und bringt ihn medial nicht zum ersten Mal in die Schlagzeilen.

Bereits in früheren Jahren geriet der heutige SVP-Ortschef in die Kritik, weil er online Beiträge der Neonazi-Gruppe «Kameradschaft Heimattreu» mit «Gefällt mir» markierte. 2022 kamen Rücktrittsforderungen auf, nachdem er in den sozialen Medien ein Bild von sich veröffentlicht hatte, auf dem er ein T-Shirt des Kleidungsherstellers Sva Stone trug. Die ukrainische Marke stammt aus dem Umfeld des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks Blood and Honour. Auf dem Ärmel von Hubers T-Shirt prangte ein abgewandeltes Hakenkreuz.

*Namen bekannt

Recherche-Hinweise

Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch

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