Wegen US-Sanktionen gegen Russland
Liechtensteinische Treuhänder springen ab

Auf dem Finanzplatz Liechtenstein herrscht Unruhe; Hunderte Stiftungen mit Russland-Bezug sind handlungsunfähig. Treuhänder haben aufgrund von US-Sanktionen massenweise Mandate niedergelegt.
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Hunderte Stiftungen mit Russland-Bezug in Liechtenstein sind ohne Treuhänder handlungsunfähig.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Stiftungen mit Russland-Bezug durch US-Sanktionen massiv betroffen
  • Treuhänder fürchten Reputationsschäden und verweigern Mandate
  • 475 Stiftungen gelten aktuell als «verwaist» ohne handlungsfähige Organe
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Anna Clara KohlerRedaktorin Politik

Der Finanzplatz Liechtenstein steht vor einer massiven Herausforderung: Hunderte Stiftungen mit Russland-Bezug sind von Sanktionen des Office of Foreign Assets Control des US-Finanzministeriums betroffen. Diese Stiftungen werden von liechtensteinischen Treuhändern verwaltet. Weil sich aber immer mehr Treuhänder aus Angst vor den Risiken der Sanktionen zurückziehen, wurden viele der Stiftungen handelsunfähig, wie die «NZZ» berichtet. Die Regierung beabsichtigt, dem mit schärferen Gesetzen entgegenzuwirken.

Die Treuhänder verwalten im Auftrag ihrer Kunden Vermögen und Stiftungen. Aufgrund der Russland-Sanktionen befürchten sie jedoch Reputationsschäden oder selbst auf der Sanktionsliste zu landen, falls sie Mandate sanktionierter Personen weiterführen. Ohne Verantwortliche gelten diese Stiftungen als «verwaist». Laut der Liechtensteiner Regierung sind aktuell etwa 475 Stiftungen betroffen. Da die Stiftungen keine handlungsfähigen Organe mehr haben, können sie weder regulär weitergeführt noch aufgelöst werden.

Druck durch internationale Sanktionen

Obwohl die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht (FMA) betont, dass ausländische Sanktionen nicht direkt im Land anwendbar seien, ist der Druck gross. Die FMA und die Treuhandkammer warnten vor den Risiken. Wer Sanktionen missachtet, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern Liechtensteins Ruf. In vielen Fällen wehren sich Treuhänder gegen die amtliche Bestellung als Liquidator.

Die Regierung sieht Handlungsbedarf bei der Aufsicht der Treuhandbranche. Die FMA soll künftig deutlich weitreichendere Kompetenzen erhalten. Die Aufsicht soll die Beendigung von Geschäftsbeziehungen verfügen können. Es sollen auch Verbote für die Neuaufnahme von Geschäftsbeziehungen ausgesprochen werden können. Bei Gefahr für den Ruf des Landes soll die FMA etwa Sonderbeauftragte einsetzen können, die die Aufgaben der Treuhänder übernehmen.

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