Vor Ernennung durch Papst
Gegner wollen Churer Weihbischof verhindern

Als rechte Hand von Bischof Bonnemain soll Andri Tuor helfen, das zerrüttete Bistum Chur zu stabilisieren. Doch gegen den designierten Weihbischof stehen Mobbing-Vorwürfe im Raum. Er will sich nicht äussern.
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Pater Andri Tuor soll als Weihbischof die rechte Hand des Churer Oberhirten Joseph Maria Bonnemain werden. Die Ernennung durch den Vatikan steht aus.
Foto: zVg
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Annalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlick

Andri Tuor (51) soll laut Blick-Informationen der neue Weihbischof des Bistums Chur werden. Als rechte Hand für Joseph Maria Bonnemain (77) soll Tuor helfen, das tief gespaltene Bistum zu stabilisieren. Aber er kommt mit einem Skandal im Schlepptau, den die Bistumsführung gerne ignoriert hätte. In einem Brief an die Schweizer Bischofskonferenz fordert der Luzerner Jurist Loris Mainardi die sofortige Sistierung des Berufungsverfahrens.

Auf dem Papier ist die Wahl Tuors ein genialer Schachzug. Der Mönch aus dem Kloster Engelberg gehört nicht zu Bonnemains Kaderleuten. Diese sind vielfach in Grabenkämpfen verkeilt. Der alternde Bischof braucht dringend intelligente Gefolgsleute, wenn er hofft, einen radikal-konservativen Nachfolger à la Vitus Huonder zu verhindern. Der promovierte Theologe Tuor erfüllt die Anforderungen und gilt zudem in konservativen Kreisen als gut vernetzt.

Aber er ist auch in eine Geschichte verwickelt, die die Schweizer Justiz seit einigen Jahren beschäftigt. Samuel Camenzind, ein ehemaliger Mönch des Klosters Engelberg, wirft Tuor und einem anderen Mitbruder jahrelanges Mobbing vor. Dieses habe ihn krank gemacht und letztlich zum Austritt aus dem Kloster genötigt. Camenzind erstattete Anzeige gegen die beiden Mönche und verklagte das Kloster wegen fehlender Altersvorsorge auf Schadenersatz. Der Fall sorgte vor zwei Jahren für Schlagzeilen.

Zwar zog Camenzind die Anzeige gegen Tuor wieder zurück. Dies sei aber mutmasslich auf Druck durch den Abt geschehen. Das bestätigt sein Rechtsvertreter Loris Mainardi, der deswegen gegen den Abt bis vor das Bundesgericht zog. Letzteres entschied im Mai dieses Jahres, dass die Staatsanwaltschaft das Verhalten des Abts in dieser Angelegenheit prüfen müsse. Die Sache läuft also noch.

Zwietracht statt Brüderlichkeit

Und der Weihbischof in spe? Der will sich damals wie heute nicht äussern. Sicher ist, im Kloster gab es massive Probleme. Ein interner Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2021 spricht von «Zerwürfnissen, Streitereien, Feindseligkeiten und Unversöhnlichkeit unter mehreren Mitbrüdern, was sich zum Teil auch gesundheitlich auswirkt». Die Auswirkungen seien «verheerend» und «vergiften die Gemeinschaft nachhaltig», zum Beispiel, wenn «Intimfeindschaften über Jahre nicht aufgearbeitet werden». Andri Tuor ging 2023 in ein Kloster nach Deutschland, und Samuel Camenzind verliess die Gemeinschaft dauerhaft.

Vor diesem Hintergrund kann Mainardi die Ernennung von Tuor zum Weihbischof nicht nachvollziehen. «Wem vorgeworfen wird, jahrelang einen Mitbruder gemobbt zu haben, der kann nicht einfach zum Bischof ernannt werden, solange die Vorwürfe nicht untersucht sind.» Mainardi hat an die Schweizer Bischofskonferenz geschrieben und fordert, «diesen Berufungsprozess sofort zu sistieren». Gegenüber Blick sagt Mainardi: «Strafrechtlich sind die Vorwürfe meines Mandanten gegenüber Pater Andri Tuor verjährt, aber kirchenrechtlich sieht die Sache anders aus.»

Das Kirchenrecht verpflichtet einen Bischof, den Anwärter einer moralischen Eignungsprüfung zu unterziehen. Der Jurist meint: In Anbetracht der Vorwürfe könne das nur unvollständig geschehen sein. Auf Anfrage bestätigt die Sprecherin des Churer Bischofs: Man habe die Vorwürfe nicht aktiv untersucht. Aber es seien «bei der Ernennung eines allfälligen Weihbischofs selbstverständlich alle kirchenrechtlichen Bestimmungen eingehalten worden».

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