Darum gehts
- Internationale Medien interessieren sich für Schweizer Abstimmungsresultat
- Russia Today macht weiter Vorwürfe an die Kampagnenführung der Neutralitätsinitiative
- Westliche Medien werten Entscheidung als Annäherung an Europa
Die Schweiz stimmt ab und Russland schaut genau hin. Schon während des Abstimmungskampfs zeigten sich die Medien in der Grossmacht besonders interessiert. Nun ist das Ergebnis da – und die Ernüchterung spürbar.
Zurückhaltend enttäuscht vermeldet das russische Nachrichtenportal «Russia Today» die Ablehnung. Die Ursache für die Schlappe sieht es in der Kampagnenstrategie der Befürworter: «Statt neue Wählerschichten zu erreichen, setzte sie stark auf klassische Medien und traditionelle PR.» Das Kreml-Portal hatte im Vorfeld Ratschläge für den Abstimmungskampf gegeben.
Doch nicht nur in Russland interessieren die Schweizer Ergebnisse. «Neutral, aber nicht zu sehr» belächelt das französische Newsoutlet «20 minutes» das Schweizer Resultat. Der britische «Guardian» wiederum spricht von einer Erleichterung für Europa. Europa habe aktuell selbst Schwierigkeiten, die Sanktionen gegen Russland geschlossen zu tragen.
Die englische «Financial Times» geht darauf ein, wie wichtig das Resultat für die Schweizer Wirtschaft sei. Für die grossen Schweizer Unternehmen, die stark von den internationalen Märkten abhängig sind, sei es ein pragmatischer Weg gewesen, die Sanktionen gegen Russland mitzutragen.
Auch Christoph Blocher (85), der die Initiative massgeblich geprägt hatte, wurde in der internationalen Berichterstattung aufgenommen. Die spanische Zeitung «El Pais» spricht vom «SVP-Patriarchen», die Agentur «Bloomberg» interessiert sich für die Millionen, die Blocher in den Abstimmungskampf investierte.
Das Nein zur Initiative als Ja zu Europa
Die italienische «Repubblica» schreibt derweil von einem Schlag für die Rechte. Das Ergebnis bestätige die fortschreitende Annäherung Berns an Europa. Ob sich das auch bei der EU-Debatte zeigt, die am Montag beginnt, darf bezweifelt werden.
Mit einer Eilmeldung verkündete der deutsche «Spiegel» das Nein zur Neutralitätsinitiative. Kurz darauf folgte ein Kommentar mit dem Titel «Eigentor von rechts». Darin warnt der Autor, dass das Nein zur Initiative als Nein zur Neutralität gelesen werden könnte. Westliche Staaten könnten von der Schweiz nun eine klare Positionierung erwarten.
Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» veröffentlichte am Vorabend des Abstimmungssonntags ein Interview mit dem Schweizer Historiker Sacha Zala (57). Dieser meinte: «Die Schweiz hat ein Asterix-Syndrom. Wir sehen uns als kleines gallisches Dorf und die Neutralität als Zaubertrank, der uns Schutz und Kraft verleiht.» Auch der «Südkurier» aus Konstanz berichtete über die Neutralitätsinitiative und übernahm in der Schlagzeile direkt das Narrativ der Initiativgegner. Er verkündete das Nein zur «Putin-Initiative».
Die internationale Nachrichtenagentur Reuters teilte der Welt mit, was die Schweiz entschieden hat. Um das Ergebnis genauer zu deuten, zitiert sie den Politikwissenschaftler Fabio Wasserfallen von der Universität Bern: «Die Schweizer Stimmbürger befürworten grundsätzlich die Sanktionen gegen Russland wegen des Krieges in der Ukraine und möchten nicht, dass sich daran etwas ändert.» Die Mitteilung von Reuters war dann auch in diversen weiteren Medien zu lesen.