Verwechslungen verursachen Patientenschäden
Fatale Fehler mit Medikamenten

Medizinisches Personal kann unter Zeitdruck Medikamente verwechseln oder falsch dosieren. Ein nationales Programm soll die Patientensicherheit verbessern.
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Verwechslungen gehören zu den häufigsten Fehlern bei der Anwendung von Medikamenten.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Andreas SchmidInlandredaktor

Verwechslungen von Medikamenten, falsche Dosierungen und fehlerhafte Beschriftungen verursachen immer wieder Patientenschäden. International gehen Fachleute davon aus, dass fünf Prozent aller Patientinnen und Patienten wegen der falschen Anwendung von Medikamenten gesundheitliche Beeinträchtigungen erleiden, ein Viertel von ihnen mit schwerem oder sogar lebensbedrohlichem Verlauf.

Auch in der Schweiz ortete die im Innendepartement von Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) angesiedelte Eidgenössische Qualitätskommission grossen Handlungsbedarf bei der Medikationssicherheit. Ein nationales Programm, das einheitliche Standards und Massnahmen für den Umgang mit Medikamenten definiert, soll die Patientensicherheit erhöhen.

Zeitdruck und Personalmangel

Im Auftrag der Kommission erarbeitet die Stiftung Patientensicherheit Schweiz das Programm. Als Grundlage dient eine Erhebung zu Fehlern in der Anwendung von Medikamenten, an der sich über 1000 medizinische Fachpersonen beteiligten. Die Meldungen aus Apotheken, der Pflege, der Rettungssanität sowie Arztpraxen zeigen, dass Fehler vor allem unter Zeitdruck, wegen Personalmangels oder mangelhafter Kommunikation passieren. Häufig sind Verwechslungen.

Diese seien meist nicht auf individuelles Fehlverhalten, sondern auf Mängel im System oder in den Abläufen zurückzuführen, sagt Bettina Scheidegger, Sprecherin der Stiftung Patientensicherheit. «Dazu gehören ähnlich aussehende Verpackungen, gleichartige Namen, unzureichend getrennte Lagerungen oder uneinheitliche Kennzeichnungen.» Immer wieder zu Problemen führen laut Scheidegger auch uneinheitliche Dosierungen und unklare Beschriftungen.

Lieferengpässe als Problem

Scheidegger spricht als weitere Fehlerquelle die regelmässig auftretenden Liefer- und Versorgungsengpässe an: «Wenn gewohnte Medikamente nicht verfügbar sind und durch andere Präparate ersetzt werden müssen, steigt das Risiko für Verwechslungen und Missverständnisse.» Umstellungen auf andere Produkte könnten dazu führen, dass sich Verpackung, Dosierung und Anwendung änderten. Dies erschwere sowohl für Fachpersonen als auch für Patientinnen und Patienten die Behandlung.

Mit dem nationalen Programm soll auch eine Liste von sogenannten Hochrisikomedikamenten definiert werden. Bisher besteht in der Schweiz kein einheitliches Verständnis über diese Gruppe von Präparaten. Darunter fallen Medikamente mit starken Nebenwirkungen, Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial sowie möglichen allergischen Reaktionen. Der Umgang mit Hochrisikomedikamenten ist speziell sensibel, weil bei Verwechslungen und falschen Dosierungen besonders gravierende Patientenschäden drohen.

Mehr Schnittstellen

Neue Therapien und Medikamente sowie technologische Entwicklungen bringen in der Medizin kontinuierlich Fortschritte. Die zunehmende Spezialisierung sorgt aber auch dafür, dass stets mehr Fachpersonen und Disziplinen in die Behandlung involviert sind, womit neue Schnittstellen entstehen.

Das Programm zur Medikationssicherheit strebe praxisnahe Lösungen an, die Fachpersonen und Institutionen gemeinsam entwickelten, sagt Bettina Scheidegger. Die Stiftung Patientensicherheit verfolge das Ziel, Konzepte zu entwickeln, die alltagstauglich seien und sich in die bestehenden Abläufe integrieren liessen.

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