Überraschende Wende nach Diskriminierungs-Vorwurf
FCZ zieht plötzlich Klage gegen SVP-Matter zurück

SVP-Nationalrat Thomas Matter hatte massive Vorwürfe gegen den FC Zürich erhoben: Clubintern würden Schweizer Junioren systematisch gemobbt. Der Verein reagierte mit einer Strafanzeige – und krebst nun wieder zurück.
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SVP-Nationalrat teilte kräftig gegen den FC Zürich aus.
Foto: TIL BUERGY

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FC Zürich zieht Strafanzeige gegen SVP-Nationalrat Thomas Matter zurück
  • Matter warf FCZ Diskriminierung von Schweizer Nachwuchsspielern vor
  • Drohende Strafe: Bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Empörung war gross. Wegen übler Nachrede und Verleumdung hatte der FC Zürich den SVP-Nationalrat Thomas Matter (59) angezeigt. Es drohten eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine saftige Geldstrafe.

Matter hatte dem FCZ zuvor Diskriminierung von Schweizer Nachwuchsspielern vorgeworfen. «Bei den Spielen sowie beim Training und bei der Betreuung sagen die Ausländer, wo es langgeht», monierte er im vergangenen August auf seinem Tiktok-Kanal. Schweizerisch klingende Nachnamen seien schwer zu finden, bei Spielern wie bei Trainern.

Mobbing-Vorwürfe von SVP-Matter an FCZ
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«Scheiss Schweizer»:Mobbing-Vorwürfe von SVP-Matter an FCZ

«Mittlerweile ist bei der Einsatzplanung nicht mehr so entscheidend, was ein Nachwuchsspieler auf dem Feld leistet, sondern woher er kommt», so Matter weiter. Die Schweizer seien «fremd im eigenen Land, im eigenen Sportverein».

Warum macht FC Zürich den Rückzieher?

Happige Vorwürfe. Matter nannte den Fall eines Schweizer Jugendspielers, der für die U16 des FCZ gespielt habe, von Teamkollegen als «Scheiss-Schweizer» bezeichnet, «systematisch gemobbt» und schliesslich aussortiert worden sei – Matters eigener Neffe, wie Blick herausfand.

Der FCZ wollte sich das nicht bieten lassen – und reagierte mit einer Strafanzeige. Nun aber ist plötzlich alles anders. Der FC Zürich habe den Strafantrag zurückgezogen, erklärt die Staatsanwaltschaft Zürich auf Anfrage. Daher habe sie eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen.

Doch warum macht der FC Zürich nun plötzlich einen Rückzieher, nachdem er sich zuerst vehement gewehrt hatte? Der Verein erklärt auf Anfrage: «Es ging uns darum, in dieser Sache ein Zeichen zu setzen. Jetzt geht es uns als Klub darum, uns auf das sportlich Wesentliche zu fokussieren und sich nicht mit Nebenschauplätzen zu beschäftigen.»

Im vergangenen August hatte der FCZ Matters Kritik von sich gewiesen. Nicht nur werde in der Kabine immer Deutsch gesprochen. Man habe auch keinerlei Kenntnis von Beleidigungen und systematischem Mobbing.

Dass Matters Verwandter nicht mehr beim FCZ spielt, sei ein ganz normaler Vorgang. Die Academy-Spieler würden ausschliesslich nach fussballerischen Leistungskriterien beurteilt, völlig unabhängig von ihrer Nationalität. «Es ist stossend, dass Thomas Matter seine politischen Botschaften auf dem Rücken des FC Zürich austrägt.»

«FCZ hat wohl gemerkt, dass Anzeige chancenlos wäre»

SVP-Nationalrat Matter zeigt sich vom Rückzug der Strafanzeige nicht überrascht. «Ich habe nur Fakten genannt», sagt er. Und weiter: Er wäre auch bereit gewesen, für eine Strafuntersuchung seine parlamentarische Immunität aufheben zu lassen. «Ich habe nichts Falsches gesagt.»

«Der FCZ hat wohl gemerkt, dass seine Anzeige chancenlos wäre», mutmasst Matter. Er habe auf seinen Tiktok-Beitrag viele Reaktionen erhalten – von Eltern und von Jugendspielern, die Ähnliches erlebt hätten. Präsident Ancillo Canepa (72) hätte ja die Vorwürfe öffentlich zurückweisen können, findet Matter. «Intern aber hätte er sie überprüfen müssen.»

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