Tempoirrsinn auf der Autobahn
Verkehrspsychologe warnt vor Tempowildwuchs

Mit der sogenannten Geschwindigkeitsharmonisierung will der Bund die Autobahnen besser auslasten und Stau verhindern. Das System gilt als wissenschaftlich belegt. Dennoch äussert nun der Verkehrspsychologe Gianclaudio Casutt Kritik und warnt vor einer Überforderung.
Kommentieren
1/5
Der Bund will mit tieferen Tempolimits Autobahnen besser auslasten und Staus verhindern.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ab 2026 führt der Bund vermehrt Geschwindigkeitsharmonisierung auf stark befahrenen Autobahnen ein
  • Verkehrspsychologe Gianclaudio Casutt warnt vor Stress und Unsicherheit durch häufige Tempowechsel
  • Laut ASTRA erhöhen Tempolimits wie 80 km/h die Autobahnkapazität und verringern Staus
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Patrick_Gerber_Journalist Politik_Blick_3-Bearbeitet.jpg
Patrick GerberRedaktor Politik

120, 100, dann 80: je nach Autobahnabschnitt braucht es Konzentration – und Nerven. Und die Wechsel sollen noch zunehmen: Denn der Bund will auf überlasteten Strecken zu Stosszeiten noch häufiger Tempo 80 einführen. Das Senken der Höchstgeschwindigkeit soll den Verkehr gleichmässiger fliessen lassen. Auf der Hälfte der Autobahnstrecken soll dies bald der Fall sein

Doch für manche Verkehrsteilnehmer bedeuten die häufigen Tempowechsel vor allem Stress und Überforderung. Der Verkehrspsychologe Gianclaudio Casutt warnt. Er äussert sich auf dem Portal «Street Life» kritisch. «Mehrfache Tempowechsel auf kurzer Strecke können durchaus Stress, Unsicherheit und ein Gefühl eingeschränkter Kontrolle auslösen, vor allem dann, wenn sie als nicht nachvollziehbar erlebt werden oder nicht zum Strassenbild passen».

Jeder Tempowechsel bedeute eine zusätzliche mentale Belastung, was sich nachteilig auf die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit — und damit auf die Sicherheit — auswirken könne. Risokofreudigere Verkehrsteilnehmende empfänden tiefere Limits oft als störend und reagierten mit Ungeduld oder Regelüberschreitungen. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Doch gleichzeitig räumt er auch ein, dass Tempowechsel nicht per se schlecht seien. Sie können die Aufmerksamkeit erhöhen «und monotone Müdigkeit reduzieren. Kurzfristig kann das sogar wachhalten». 

Bund: Schneller am Ziel mit Tempo 80

Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) dagegen belegen Untersuchungen, dass diese Idee funktioniert. So könnten Temporeduktionen bei viel Verkehr die Anzahl der Staus vermindern. Dank tieferer Geschwindigkeitsobergrenze gelangten Verkehrsteilnehmer mitunter sogar schneller ans Ziel.

Die Leistungsfähigkeit einer Autobahn steige, wenn das Tempolimit bei starkem Verkehrsaufkommen auf 100 oder 80 reduziert werde. So könne die Autobahn bei dichtem Verkehr besser ausgelastet werden, erklärt das Astra gegenüber «Street Life».

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen