Darum gehts
- Guy Parmelin testet in den USA ein Waymo-Robotaxi ohne Fahrer
- Waymo prüft Expansion in die Schweiz, Gespräche mit Behörden laufen
- Waymo-Taxis verursachen 76 % weniger Schäden, 4000 Fahrzeuge zurückgerufen
Guy Parmelin (66, SVP) durfte sich bereits begeistern lassen: Der Bundespräsident liess sich während seiner Nordamerika-Reise in einem selbstfahrenden Taxi des US-Unternehmens Waymo chauffieren – ganz ohne Fahrer hinter dem Steuer. Er sehe viel Potenzial für die Schweiz, gab Parmelin nach seiner Spritztour kund.
Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, wurde Parmelins Probefahrt von seinem Parteikollegen und Nationalrat Franz Grüter (62) eingefädelt. Der SVP-Mann weibelt unentwegt für die Waymo-Expansion in die Schweiz. Und er sagt: Das Unternehmen überlege sich tatsächlich ernsthaft, in die Schweiz zu kommen. Auch beim Bund scheint man mehr als offen zu sein für die Robotaxi-Invasion.
Waymo prüft die globale Expansion
Technologieriese Waymo, eine Tochterfirma von Googles Mutterkonzern Alphabet, ist weltweit führend im Bereich der autonomen Fahrdienste. In elf US-Städten sind die Fahrzeuge bereits unterwegs – mit über 500'000 Fahrten pro Woche. Bald sollen London und Tokio folgen.
Ob und wann die Schweiz auf den Radar des Unternehmens kommt, bleibt offen. Das Unternehmen stehe jedoch «im Austausch mit Behördenvertretern auf der ganzen Welt», wie ein Waymo-Sprecher gegenüber der «SonntagsZeitung» mitteilt.
Nationalrat Grüter griff dabei bereits vor: Nach eigener Erzählung sei er vergangenen November in San Francisco privat in einem Waymo mitgefahren – und hin und weg gewesen. «Das müssen wir auch in der Schweiz haben», so der Parlamentarier. Etwa auf dem Land, wo der ÖV oft nicht rentabel sei – oder ganz einfach zur Erhöhung der Verkehrssicherheit.
Röstis Bundesamt begrüsst die Robotaxis
Auch das Bundesamt für Strassen (Astra) von Verkehrsminister Albert Rösti (58, SVP) unterstützt die Lobby-Offensive des SVP-Nationalrats. «Grundsätzlich begrüsst das Astra das Interesse von Unternehmen, automatisierte Fahrzeuge in der Schweiz einzusetzen», schreibt das Astra der «SonntagsZeitung».
Dennoch ist Vorsicht geboten: Zwar verursachen die Waymo-Taxis 76 Prozent weniger Schäden als herkömmliche Autos, wie eine Studie des Rückversicherers Swiss Re zeigt. Doch das Unternehmen musste in den USA kürzlich fast 4000 Fahrzeuge zurückrufen, da die Software Probleme mit der Erkennung von Baustellen und Fahrbahnsperrungen hatte.
Das führte bereits zu kleineren Unfällen, darunter einer mit einem Kind, das leicht verletzt wurde. «Sicherheit hat oberste Priorität», betont das Astra. «Automatisierte Fahrzeuge und ihre Systeme müssen mindestens so sicher sein wie menschliche Fahrerinnen und Fahrer.»