«Wenn man einen Kaffee will, muss man auf die andere Seite»
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Neue Passerelle in Basel:«Wer einen Kaffee will, muss auf die andere Seite»

Sie kostete 60 Millionen – und keiner nutzt sie
Das ist die absurdeste Passerelle der Schweiz

Am Bahnhof Basel wurde für 60 Millionen Franken eine neue Passerelle gebaut. Doch sie bleibt auch nach zwei Monaten fast leer. Blick hat sich vor Ort umgesehen.
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Die neue, 60 Millionen Franken teure Passerelle am Bahnhof Basel wird kaum genutzt. Das Bild wurde wochentags zu Stosszeiten – um 16.50 Uhr – aufgenommen.
Foto: Patrick Gerber

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die provisorische Passerelle am Bahnhof Basel wird kaum benutzt
  • Hauptkritik: Keine Geschäfte, umständlicher Zugang und bessere Alternativrouten
  • Kosten: 60 Millionen Franken, Nutzungspotenzial nach SBB noch nicht erreicht
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Patrick GerberRedaktor Politik

Sie sollte für Entlastung sorgen – doch stattdessen herrscht gähnende Leere! Auch zwei Monate nach der Eröffnung wird die neue Passerelle am Bahnhof Basel auffallend wenig genutzt. Das immerhin 60 Millionen Franken teure Bauwerk, das als Provisorium bis mindestens 2045 halten soll, wird nur spärlich frequentiert. Ursprünglich wollten die SBB rund ein Viertel der Passagiere über den neuen Übergang führen.

Inzwischen sprechen viele in der Stadt von einer Fehlplanung. Denn die Konstruktion sorgt nicht für die erwünschte Entlastung der bisherigen Passerelle.

Dafür gibt es mehrere Gründe: So fehlen Läden oder Gastroangebote gänzlich, obwohl das Bauwerk rund zwei Jahrzehnte lang genutzt werden dürfte. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zugang zur Passerelle teils umständlich ist. Auf der Nordseite gibt es keinen direkten Ausgang Richtung Markthalle, da ein Bau – das Elsässertor-Gebäude – den Weg versperrt. Wer dorthin will, muss einen Umweg über den Westflügel des Bahnhofs nehmen. 

Auch auf der anderen Seite präsentiert sich die Situation wenig attraktiv: Die Tramhaltestellen liegen nicht besonders nahe beim Ausgang.

«Man muss ständig Umwege nehmen»

Blick hat sich vor Ort umgehört. Während einige glauben, dass die Passerelle «keinen Nutzen» habe und «unattraktiv» sei, finden sie andere «sehr nützlich» und ziehen sie der alten Passerelle vor – ironischerweise gerade, weil es so wenig Leute hat.

Auch die Optik der Passerelle stösst auf Kritik. «Sie sieht aus wie eine Halle», sagt ein Passant zu Blick. Zudem «gibt es keine Rolltreppe, und man muss zu Fuss gehen, das hindert viele Leute daran, die Passerelle zu benutzen». Ein anderer ist der Meinung, «dass die Passerelle grundsätzlich nicht an die richtigen Orte führt. Vor allem der Zugang Richtung Stadt ist das Problem. Man muss ständig Umwege nehmen». Und positive Stimmen? Sie sind rar. «Ich benutze die neue Passerelle oft», sagt ein Pendler. «Sie entlastet die bestehende, das finde ich sehr gut.»

Für die SBB steht die Notwendigkeit der zusätzlichen Passerelle trotz aller Kritik nach wie vor ausser Frage. Die bestehende Infrastruktur stosse an ihre Kapazitätsgrenzen, zudem sei der Neubau aus Sicherheitsgründen erforderlich gewesen, halten die Bundesbahnen auf Anfrage von Blick fest. Künftig soll der provisorische Übergang auch den geplanten Markthallenplatz erschliessen und so den Centralbahnplatz entlasten. 

Hoffnung auf mehr Frequenz

Die SBB geben sich optimistisch. Derzeit liefen noch Abschluss- und Umgebungsarbeiten. Bis zum Sommer sollen auf der einen Seite zusätzliche Veloabstellplätze entstehen, bis April werde zudem die Signaletik in verschiedenen Bereichen fertiggestellt. «Wir sind zuversichtlich, dass nach Abschluss dieser Arbeiten die Passerelle von mehr Personen genutzt wird», sagt ein SBB-Sprecher.

Die Nutzung nehme langsam zu, das volle Potenzial sei jedoch noch nicht erreicht. «Erfahrungsgemäss dauert es ein wenig, bis man neue Wege und Gewohnheiten annimmt.» 

Und warum gibt es keine Gastroangebote? Auf Blick-Anfrage erklären die SBB, sogenannt «temporäre Bauten» verfügten häufig nur über befristete Bewilligungen, was die Ansiedlung von Läden und Gastrobetrieben erschwere. Hinzu kämen zusätzliche Kosten für Versorgung, Brandschutz und Belüftung.

Das Warten auf den neuen Bahnhof

Inzwischen ist die Passerelle auch ein Fall für die Politik geworden. SP-Grossrätin Lisa Mathys (48) verlangt von der Basler Regierung Massnahmen: Jetzt sollen die Behörden mithelfen, die provisorische Passerelle bekannter zu machen. Der Kanton wird zudem auch Gespräche mit den Eigentümern des Elsässertor-Gebäudes führen, um einen zusätzlichen Zugang durch das Gebäude zu prüfen.

Spätestens wenn die Unterführung des geplanten neuen Basler Tiefbahnhofs gebaut ist, soll die Passerelle als Übergangslösung ausgedient haben. Noch aber ist der Tiefbahnhof in Bundesbern keine beschlossene Sache. 

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