Sicherheit gefährdet?
Es gibt zu wenig Polizisten – so spüren das die Kantone

In der ganzen Schweiz hat die Polizei Mühe, genügend Personal zu finden. Als Gründe nennen Verantwortliche etwa den Wunsch nach Teilzeit und einer besseren Work-Life-Balance. Ein Blick in mehrere Kantone zeigt, wo der Personalmangel besonders spürbar ist.
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Die Polizei hat im gesamten Land Probleme, genügend Personal zu finden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Polizei kämpft in gesamter Schweiz mit Personalmangel
  • Nur 210 Polizisten pro 100'000 Einwohner, Uno empfiehlt 300
  • Gründe: höhere Belastung, Anforderungen der Arbeitnehmer und mehr Auswahl bei der Stellenwahl
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Patrick GerberRedaktor Politik

Nachtschichten, Wochenenddienste, heikle Einsätze – und dafür vergleichsweise tiefe Löhne: In der ganzen Schweiz hat die Polizei Mühe, genügend Personal zu finden. Die Folgen zeigen sich auch in den Zahlen. 

So hat die Kantonspolizei Basel-Stadt innerhalb von fünf Jahren zweieinhalb Millionen Franken weniger Bussgelder eingenommen. Der Grund sind nicht etwa diszipliniertere Verkehrsteilnehmer, sondern Zeit- und Personalmangel. Zu reden gibt dieser Tage auch ein SRF-Film über die Polizei in Obwalden: Beamte berichten darin von der Front – und davon, wie Ermittlungen im kriminellen Milieu teilweise auf der Strecke bleiben.

Auch der internationale Vergleich zeigt den Druck auf die Korps: Die Uno empfiehlt 300 Polizistinnen und Polizisten pro 100’000 Einwohner. In der Schweiz liegt dieser Wert laut aktuellen Daten der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten bei rund 210 – zumindest bei jenen Angestellten, die polizeiliche Gewalt anwenden dürfen.

Als Gründe für den Personalmangel nennt Renato Pizolli von der Kommandanten-Konferenz unter anderem «die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie das wachsende Interesse an Teilzeitmodellen». Das Rekrutierungspotenzial habe sich zwar nicht wesentlich verändert, doch junge Menschen hätten heute «viel mehr unterschiedliche Berufe» zur Auswahl. Blick hat sich die Situation in einigen Kantonen angesehen.

Umstrittene Streichungen in Baselland

Schlagzeilen macht derzeit etwa die Polizei Basel-Landschaft. Dort steht sogar eine langjährige Tradition auf der Kippe: Die Verkehrsinstruktion in Kindergärten durch Polizistinnen und Polizisten könnte aus Kapazitätsgründen eingestellt werden. Als zusätzlicher Faktor kommt hinzu, dass die Zahl der Schulklassen steigt. Der Vorschlag löste Empörung aus. 

Politisch ging die Diskussion zuletzt noch weiter: Die SP wollte den Polizeiberuf auch für Personen mit C-Bewilligung – also mit unbefristetem Aufenthaltsstatus – öffnen, um dem Personalmangel zu begegnen und den bevorstehenden Abgang vieler Babyboomer abzufedern. Im Kantonsparlament scheiterte der Vorstoss jedoch knapp an den bürgerlichen Parteien. Für die SVP war klar: Das Gewaltmonopol der Polizei müsse in Schweizer Hand bleiben.

Höhere Löhne in Basel-Stadt

Auch in Basel-Stadt versucht die Regierung, gegenzusteuern – mit besseren Löhnen. Mitte Februar beschloss sie, dass Polizistinnen und Polizisten die seit drei Jahren bestehende «Arbeitsmarktzulage» weiterhin erhalten sollen – bis maximal Ende 2026. Noch in diesem Jahr soll diese Übergangslösung allerdings durch ein kantonales Lohnmassnahmenpaket ersetzt werden.

Mehr Belastung durch Demos in Bern

Der Personalmangel bei der Polizei hängt auch mit steigenden Anforderungen zusammen – etwa in Bern. Die Bundesstadt ist seit jeher für ihre Demonstrationen bekannt. Die Zahl der Kundgebungen hat in den vergangenen Monaten noch mal zugenommen.

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Polizeivertreter schlagen Alarm: Gerade unbewilligte Demonstrationen seien eine grosse Herausforderung, weil sie andere Einsätze schwer planbar machten. Der kantonalbernische Polizeiverband fordert deshalb erneut mehr Stellen. «Man merkt, es ist eine Stressgrenze erreicht», sagte Adrian Wüthrich (45), Präsident des kantonalen Polizeiverbands, gegenüber dem «Bund». Er forderte: «Ein einfaches Merci reicht nicht mehr. Es braucht ein Zeichen der Politik.»

Zürich testet neue Dienstmodelle

Die Stadtpolizei Zürich, die ebenfalls mit Personalmangel kämpft, versucht, mit neuen Dienstmodellen gegenzusteuern. Mehr Ablösungen und Rotationen sollen Entlastung bringen. Mitarbeitende sollen unter der Woche zwei freie Tage am Stück erhalten – und dafür an Wochenenden einspringen können, wenn besonders viele Ereignisse anstehen, etwa Hochrisiko-Fussballspiele.

Mehrere Kantone – darunter Nidwalden – setzen zudem verstärkt auf Imagefilme, um gezielt junge Leute aus der Generation Z für den Polizeiberuf zu gewinnen.

Welche Reformen helfen?

Auch die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten sieht Reformbedarf. Als mögliche Massnahmen nennt sie gegenüber Blick ein ganzes Paket – «die Stärkung der Attraktivität des Polizeiberufs, flexiblere Arbeitsmodelle, gezielte Rekrutierungskampagnen sowie eine nachhaltige Ressourcenplanung unter Berücksichtigung der finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen».

Immerhin: An der Sicherheit der Bevölkerung ändere das nichts, betont Renato Pizolli von der Kommandanten-Konferenz. «Trotz personeller Herausforderungen erfüllen die Polizeikorps weiterhin ihre gesetzlichen Aufgaben», erklärt er, «und die Sicherheit der Bevölkerung bleibt oberste Priorität.»

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