Schluss mit «Warte, luege, lose, laufe»!
Baselbiet streicht Kindergartenbesuche der Polizei

Im Kanton Basel-Landschaft könnten die Kindergartenbesuche der Polizei bald Geschichte sein. Die entsprechende Abteilung der Verkehrsinstruktion kommt der Nachfrage nicht mehr nach. Was nun? Die Politik schaltet sich ein.
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Kapazitätsengpässe bei der Polizei im Baselbiet führen dazu, dass Besuche in einigen Kindergärten ersatzlos gestrichen werden.
Foto: Polizei Schweiz

Darum gehts

  • Die Polizei im Baselbiet sagt Kindergartenbesuche wegen Kapazitätsengpässen ab
  • Landräte fordern flächendeckende Verkehrserziehung für Kinder
  • Seit 2014 ist die Schulklassenanzahl um 13 Prozent gestiegen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Anna Clara KohlerRedaktorin Politik

Im Kanton Basel-Landschaft könnten die Kindergartenbesuche der Polizei bald wegfallen. Die Abteilung für Verkehrsinstruktion kommt mit der Nachfrage nicht mehr nach. Für mehrere Baselbieter Politiker ist der drohende Ausfall der Verkehrserziehung jedoch ein absolutes No-Go!

Solche Visiten haben schweizweit Tradition: «Der Kindergartenbesuch der Schulinstruktorin oder des Schulinstruktors ist meistens der erste Kontakt zwischen Kind und Polizei», heisst es stellvertretend etwa bei der Kantonspolizei Luzern. Die Verkehrserziehung der Jüngsten ist kantonal geregelt, im Zentrum steht die Fussgängerausbildung. Kinder lernen, wie sie ihren Schulweg sicher und selbständig bewältigen können.

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Dazu gehört auch der Kult-Spruch «Warte, luege, lose, laufe». Ebenso vermittelt wird das Prinzip «Rad steht, Kind geht»: Kinder sollen die Strasse erst überqueren, wenn ein Fahrzeug vollständig stillsteht. Denn in diesem Alter können sie Geschwindigkeiten noch nicht zuverlässig einschätzen.

Fokus auf Veloprüfung

Die Baselbieter Polizei kann diesen Bedarf derzeit aber nicht mehr decken. Das zeigt ein Schreiben, über das zuerst die Zeitung «bz» berichtete. «In der aktuellen Konstellation wären wir faktisch kaum mehr in der Lage, sämtliche Kindergärten im Kanton wie gewohnt zu besuchen», schreibt Michael Rudin, Leiter der Verkehrsinstruktion.

In mehreren Gemeinden werden die Besuche deshalb ersatzlos gestrichen. Die Verkehrsinstruktion sieht sich mit massiven Kapazitätsengpässen konfrontiert. Seit 2014 ist die Zahl der zu betreuenden Schulklassen um 13 Prozent gestiegen, während die Zahl der Verkehrsinstruktoren konstant bei sieben Personen geblieben ist, so Rudin. Priorität habe deshalb die praktische Verkehrsschulung in den 4. Primarklassen – inklusive Veloprüfung.

Nun reagiert die Politik

Die Absagen rufen die Baselbieter Politik auf den Plan. Gleich aus drei politischen Lagern kommen Vorstösse. Mitte-Landrätin Béatrix von Sury d’Aspremont (64) verlangt, dass die Regierung prüft, wie das Angebot wieder flächendeckend eingeführt werden kann. «Eine zentrale Präventionsmassnahme zur Reduktion von Verkehrsunfällen ist für Kindergartenkinder unverzichtbar und stärkt langfristig die Verkehrssicherheit junger Menschen», findet sie. Fehle diese Erziehung, würde dies den frühkindlichen Schutz im Verkehr und sichere Mobilitätskompetenzen gefährden.

Auch FDP-Landrat Balz Stückelberger (53) will die Verkehrserziehung sichern. Er fordert vom Regierungsrat einen Bericht zu den Gründen für den Ausfall. «Frühzeitige, wiederkehrende Verkehrserziehung im Kindergarten unterstützt Kinder dabei, grundlegende Verhaltensregeln wie das sichere Gehen auf dem Trottoir, das korrekte Überqueren der Strasse und das Erkennen von Gefahren zu verinnerlichen und den Schulweg möglichst selbständig, sicher und angstfrei zu bewältigen», so Stückelberger.

Auch Jugendliche betroffen

Doch nicht nur die Kleinsten sind von den Personalengpässen bei der Polizei betroffen. Auch Präventionsangebote für Jugendliche können nicht mehr vollumfänglich durchgeführt werden, wie aus einem Vorstoss der SP-Fraktion im Landrat weiter hervorgeht. Dabei handelt es sich ausgerechnet um jene Altersgruppe, in der viele erstmals E-Scooter, E-Trottinette und andere Trendfahrzeuge legal nutzen.

«Dieses bis anhin durchgeführte Präventionsangebot ist von zentraler Bedeutung, da die Unfallzahlen mit Trendfahrzeugen zunehmen, während die entsprechende Altersgruppe über vergleichsweise geringe Kenntnisse zu Verkehrsregeln und Gefahren verfügt», warnt die SP. Die Verkehrssicherheit sei keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Kernaufgabe des Staates.

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