Darum gehts
- Unteroffizier belästigte Soldatin 2024 in Langnau, zu 1000 Franken Busse verurteilt
- 86 Prozent der Frauen in der Armee erlebten Diskriminierung oder Belästigung
- Über 20'000 Armeeangehörige absolvierten Lernmodul zu sexualisierter Gewalt
Er kündigte seine Tat an. Schon bevor sich der 26-jährige Wachtmeister ungefragt zur Soldatin ins Bett legte, tippte er ein SMS und schrieb: Am Abend werde er in ihr Zimmer kommen. Das Nein der Frau folgte prompt. Er solle in sein eigenes Bett gehen, beschied sie ihm deutlich. Sie wolle nur dienstlich mit ihm zu tun haben.
Doch das Nein akzeptierte der Unteroffizier der Schweizer Armee nicht. Abends lag die Frau alkoholisiert in ihrem Schlafsack, da kam er in ihr Zimmer, nahm sie in die Arme und versuchte, mit ihr zu reden. Als die schlaftrunkene Soldatin nicht reagierte, legte er sich neben sie, hielt die Arme um sie, getrennt durch den Schlafsack. Die ganze Nacht über blieb er in dieser Löffelposition.
Für die Soldatin gab es ein böses Erwachen an jenem Frühlingstag 2024 in der Truppenunterkunft Langnau im Emmental BE. Und jetzt auch für den geständigen Unteroffizier: Knapp zwei Jahre nach der Tat ist der Westschweizer von der Militärjustiz zu einer Busse von 1000 Franken unbedingt verurteilt worden. Er war geständig. Der rechtskräftige Strafbefehl liegt Blick vor.
Frauen in der Armee berichten oft über Vorfälle
Sexuelle Belästigung und Diskriminierung sind ein Problem für Frauen in der Armee. Eine Studie der Armee zeigte im Herbst 2024, dass 86 Prozent der Befragten Diskriminierung in der einen oder anderen Form erlebt hatten oder Zeuge davon geworden waren: von blöden Witzen bis hin zu Belästigung. Mehr als die Hälfte der Frauen hatte sexualisierte verbale Gewalt erlebt, 13 Prozent gar sexualisierte körperliche Gewalt.
Seit dem Bericht sei die Sensibilität für das Thema erhöht worden, sagt Armeesprecher Stefan Hofer. Auf allen Stufen fänden Ausbildungen statt, Kader würden zusätzlich geschult, es gilt Nulltoleranz. Gleich zu Beginn der Ausbildungen werde die Diskriminierung angesprochen. «Das digitale Lernmodul ‹Diskriminierung und sexualisierte Gewalt› wurde bereits von über 20'000 Angehörigen der Armee absolviert.»
Die Melde- und Beratungsstelle wird laut Armeesprecher Hofer seit der grossen Studie öfters kontaktiert. «Erhöht hat sich auch die Vielfalt und die Gründe derer, die Kontakt aufnehmen. Mehr Männer als vorher, breitere Diversitätsthemen, auch Sprache, Herkunft, Alter, Religion, Weltanschauung», so Hofer. Meldungen von Vorfällen mit militärstrafrechtlicher Relevanz seien die Minderheit. Die Armee will die Befragung wiederholen. Ursprünglich war dies für 2027 vorgesehen. Nun wird es 2028/29, da das Bundesamt für Statistik 2027 eine nationale Erhebung machen wird.
Der Wachtmeister musste zwar 1000 Franken Busse und 700 Franken Verfahrenskosten zahlen. Eine frühere bedingt ausgesprochene Busse wegen Verkehrsdelikten wird aber nicht fällig. Und auch der Missbrauch seiner Stellung wurde ihm nicht nachgewiesen. Am Tag nach dem Delikt bat er die Frau, seine SMS-Nachrichten zu löschen. Er war aber nicht ihr direkter Vorgesetzter und habe weder seinen Grad erwähnt noch dem Opfer mit Konsequenzen gedroht, heisst es im Strafbefehl der Militärjustiz.