Darum gehts
- Ständerat beschliesst strengere Eigenkapitalregeln für UBS, Sieg für Keller-Sutter
- Ermotti kritisiert Parlament, Keller-Sutter kontert mit Spitze gegen UBS-CEO
- Fouls, Fehltritte und freche Sprüche prägten die Debatte
UBS-Chef Sergio Ermotti (66) sieht rot – zumindest wenn er die Ständeratsdebatte zur Bankenregulierung mitverfolgt hat. Ganz in Rot gekleidet sass eine Kontrahinten, Karin Keller-Sutter (62), im Ratssaal. Und sie setzte sich gegen Ermotti durch: Der Ständerat hat harte Eigenkapitalregeln für die UBS beschlossen. Ganz im Sinne der Finanzministerin.
Noch fehlt in diesem Powerplay zwischen der Finanzministerin und dem UBS-Boss zwar die zweite Halbzeit. Denn der Nationalrat hat auch ein Wort mitzureden. Doch nach dem Schlusspfiff im Ständerat ist klar: Es steht definitiv 1:0 für KKS. Sie setzte sich grossmehrheitlich durch.
Es endet ein Kräftemessen zweier Alphatiere, das man nicht alle Tage sieht. Selten gaben sich eine Schweizer Bundesrätin und ein Wirtschaftsführer in aller Öffentlichkeit so sehr Saures wie jetzt Karin Keller-Sutter und Sergio Ermotti. Das Protokoll einer Eskalation.
Ermotti: Der Retter oder der Boni-Banker?
Das Duell begann schon früh. Im April 2023, kurz nach der CS-Übernahme, kam Sergio Ermotti ins Amt als UBS-CEO. Fast schon im Pensionsalter kehrte er zurück an die Front. Man hätte ihn als Retter feiern können, der sich für das Wohl des Bankenplatzes und der Schweiz einsetzt. Doch es kam anders. Zu reden gab sein Lohn. 14 Millionen Franken erhielt er alleine für die ersten Monate bis Ende 2023. Die öffentliche Debatte stiess Keller-Sutter, die die taumelnde CS unter das Dach der UBS gerettet hatte, sauer auf.
Als Bundesrätin müsse sie bis 2054 arbeiten, um so viel zu verdienen, kommentierte sie. «Hier werden Vergütungen bezahlt, die die Vorstellungskraft jedes normalen Bürgers, jeder normalen Bürgerin übersteigen.» Ihre Botschaft war klar: Nach der CS-Rettung zeigt hier jemand zu wenig Fingerspitzengefühl für die Stimmung im Volk. Fortan setzte sich Keller-Sutter mit wohlkalkulierten, gezielten Sticheleien dafür ein, die Grossbank härter an die Kandare zu nehmen. Im Wissen darum, dass sie in der Bevölkerung mit ihrem UBS-Bashing nur Sympathiepunkte gewinnen kann. Das Kalkül: Hier die bodenständige Finanzministerin, dort der elitäre Bankmanager.
Die Wegzugsdrohungen
Das harte Duell begann, als sich die neuen Bankenregeln abzeichneten. Keller-Sutter liess immer durchblicken: Sie handelt nur im Interesse der Schweiz. Sie war die eiserne Lady, die hart blieb im Kampf gegen den Paradeplatz. Die UBS aber warnte vor Massnahmen, die die Bank «im internationalen Vergleich deutlich benachteiligen und die Schweizer Wirtschaft und den Finanzplatz schwächen» würden. Sie bezeichnete die Eigenmittelvorschriften als «extrem».
Bald machten Wegzugsgerüchte die Runde, auch wenn es keine offiziellen Statements in diese Richtung gab. Keller-Sutter reagierte betont gelassen. Gehässiger zeigte sie sich über das Lobbying im Parlament. Die UBS verhalte sich «unschweizerisch», sagte sie zu SRF.
Als die Fronten verhärtet waren, fragte Blick Ermotti im Herbst 2025, ob er für ein Gespräch zu haben wäre. «Ja, ich wäre bereit, Frau Keller-Sutter zu treffen», sagte der UBS-CEO und schränkte ein: «Wir können uns nicht selbst einladen.» Tatsächlich sah Keller-Sutter keinen Bedarf. Die Botschaft: Es sei auch bei anderen Gesetzesvorhaben nicht üblich, im Verfahren Einzelne anzuhören.
Als Keller-Sutter nach dem angespannten Verhältnis zu Ermotti gefragt wurde, antwortete sie mehrfach: Ihre Ansprechperson bei der UBS sei Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher (69). Eine böse Spitze gegen den selbstbewussten Tessiner Top-Manager Ermotti. KKS degradiert ihn, stufengerecht ist für die Bundesrätin nur Ermottis Boss.
Die Eskalation
Zwei Interviews bilden den Höhepunkt der Eskalation. Sie erschienen, als die Beratungen im Parlament Form annahmen. Beide zogen die Integrität des Parlaments in Zweifel! Ein seltener Vorgang in der Schweiz. Im Interview mit Blick sagte Karin Keller-Sutter, die UBS lobbyiere, wie sie es noch nie gesehen habe. Die Parlamentarier könnten aus Angst vor wegbrechenden Spenden auf der UBS-Linie bleiben. Das Interview warf Wellen.
In einem «NZZ»-Interview attackierte Sergio Ermotti kurz vor dem Schlusspfiff diese Woche Parlament und Bund. Auch dieses Interview gab zu reden. Er warf Parlamentariern vor, von den Details zu wenig zu verstehen. Sie erhielten vom Bund, der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht schlicht nicht die korrekten Informationen. Der Angriff stiess Parlamentariern sauer auf.
Grüsst man sich noch?
Wie angespannt das Verhältnis ist, zeigt eine Anekdote, die «Schweiz heute» kolportierte. Als sich die beiden Alphatiere eben erst in der Wirtschaftskommission des Ständerates trafen, soll sich Keller-Sutter abgedreht haben, um Ermotti nicht die Hand geben zu müssen. Beide traten zudem diese Woche am «Finance Forum» im Zürcher Kongresshaus auf, nacheinander standen sie auf der Bühne. Aber laut «Schweiz heute» war der Auftritt so arrangiert, dass sie nicht gemeinsam oben standen.
Die – vorerst letzte – Stichelei von KKS
Letzte Stichelei: die Debatte jetzt im Ständerat. Keller-Sutter erinnert süffisant daran, dass die UBS «während etwa sieben Jahren keine Gewinnsteuern mehr bezahlt hat, nachdem sie 2008 mit Milliarden vom Staat gerettet werden musste». Die Steuerzahlenden seien damals mit 109 Milliarden Franken ins Risiko gegangen.
Noch muss der Nationalrat entscheiden. Klar ist schon jetzt: Das Duell dürfte noch nicht zu Ende sein.