Darum gehts
- Mehrfahrtenkarten-Rabatte fallen ab Dezember 2026 schweizweit weg, Preise steigen 3,9 Prozent
- Betroffene Fahrten könnten je nach Verbund um 8 bis 20 Prozent teurer werden
- Tarifverbünde begründen Abschaffung mit Vorgaben des Bundesamts für Verkehr
Die beliebten Rabatt-Mehrfahrtenkarten stehen vor dem Aus. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 werden Billette und Abos schweizweit um durchschnittlich 3,9 Prozent teurer. Gleichzeitig streichen mehrere grosse Tarifverbünde die bisherigen Vergünstigungen auf Mehrfahrtenkarten.
Bei Bastian Bommer (52) von Pro Bahn Schweiz läuten deshalb die Alarmglocken. «Je nach Tarifverbund würden sich die betroffenen Fahrten zusätzlich um rund 8 bis 20 Prozent verteuern», sagt er zu Blick.
Mehrfahrtenkarten seien vor allem bei Reisenden beliebt, die den öffentlichen Verkehr nur gelegentlich nutzen. Dazu gehörten etwa Kinder und Seniorinnen. Für sie lohne sich ein Abonnement oder ein Halbtax PLUS nicht. Ohne Mehrfahrtenkarten gebe es für sie keine attraktiven Angebote mehr.
Mehrfahrtenkarten vielerorts abgeschafft
Am Dienstag teilte der Zentralschweizer Tarifverbund Passepartout mit, dass der Rabatt auf Mehrfahrtenkarten ab Dezember wegfalle. Anfang Jahr hatten bereits der Zürcher Verkehrsverbund sowie der Berner Tarifverbund Libero angekündigt, ihre Rabatte abzuschaffen.
Die Verbünde begründen den Schritt damit, dass es einen solchen Rabatt im nationalen Direktverkehr bereits heute nicht mehr gebe. Regionale Vergünstigungen sollen gemäss einer Vorgabe des Bundesamts für Verkehr künftig nur noch angeboten werden, wenn sie auch im nationalen Verkehr bestehen.
Die Entwicklung bereitet Bommer Sorgen. «Wir befürchten, dass bis Dezember noch weitere Tarifverbünde nachziehen werden», sagt er. Im schlimmsten Fall werde es das Angebot im ganzen Land nicht mehr geben.
Dieses Szenario will er mit allen Mitteln verhindern. Er fordert von den betroffenen Tarifverbünden und dem Branchenverband Alliance SwissPass, auf die Abschaffung der Vergünstigungen zu verzichten. Andernfalls würde der öffentliche Verkehr an Attraktivität verlieren.
Der Tarifverbund A-Welle in den Kantonen Aargau und Solothurn sowie Frimobil im Kanton Freiburg hatten die Rabatte bereits zuvor abgeschafft. Im nationalen Verkehr gibt es schon seit mehreren Jahren keine Vergünstigung auf Mehrfahrtenkarten mehr.
Die Mehrfahrtenkarten haben schon früher für politische Diskussionen gesorgt. Die SBB und Alliance SwissPass hoben auf Ende 2025 hin die Pflicht fürs Aufstellen der orangen Entwertungsmaschinen auf. SVP-Ständerätin Esther Friedli (49, SG) kritisierte dies, insbesondere auch weil digital nicht beschlagene Personen die Karten nutzen.