Darum gehts
- Magdalena Martullo-Blocher wird im Porsche 911 chauffiert
- Sie mag die Power; vor dem Bundeshaus sei sie nur abgeholt worden
- Andere Politiker lassen sich in VW-Büssli und BMW i7 chauffieren
Während andere wohlhabende Führungskräfte auf geräumige Limousinen setzen, geht SVP-Nationalrätin und EMS-Chefin Magdalena Martullo-Blocher (57) einen anderen Weg: Sie lässt sich in einem Porsche 911 chauffieren.
«Ich habe gerne Power, mir gefällt die Beschleunigung», verrät sie im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». «Ich finde meinen Porsche 911 super.» Leider könne sie ihn jedoch nicht immer selber fahren, da sie die Zeit im Auto für Arbeiten nutzen müsse. «Das geht auch im 911er. Eher aussergewöhnlich, ich weiss», schmunzelt sie. Den Mut dazu habe sie, und vor allem Jüngere fänden das ziemlich cool. Es ist aber nicht das einzige Auto, das sie nutzt. «Unser Unternehmen liefert an die Autoindustrie, ich reise viel mit verschiedenen Autos in verschiedenen Regionen», sagt sie dem «Tages-Anzeiger».
«Der Wagen war nicht parkiert»
Angesprochen darauf, dass das Auto vor dem Bundeshaus stand, dort, wo sonst niemand parkiert, stellt die Spitzenmanagerin klar: «Der Wagen war nicht parkiert. Er hat mich abgeholt.» Sie musste zu einem EU-Auftritt in die Westschweiz, und es kam zu Verzögerungen. «Ich reise mit viel Gepäck, weil ich im Bundeshaus arbeite», erklärt Martullo-Blocher. Selbst die riesigen Ordner des 2200-seitigen EU-Vertrags hätten problemlos im vorderen Kofferraum des Porsches Platz gefunden.
Dass ihr ungewöhnliches Auto für Gesprächsstoff sorgt, nimmt sie gelassen: «Ich halte mich an die Regeln. Ich stehe immer unter Beobachtung.» Wenn die sachlichen Gegenargumente ausgehen, werde oft zu persönlichen Angriffen auf ihre Firma oder Familie gegriffen: «Das ist natürlich nicht okay.»
Vom VW-Büssli bis zur Luxuslimousine
Martullo-Blochers Porsche 911 ist nicht der erste ungewöhnliche Dienstwagen von Politikern. In Appenzell Innerrhoden mietet der Regierungsrat bei der Zivilschutzorganisation oder beim örtlichen Gymnasium ein VW-Büssli, wenn alle Mitglieder gemeinsam unterwegs sind.
Der Kanton Zürich gönnt dagegen jedem seiner sieben Regierungsmitglieder einen eigenen Wagen – darunter vier grosse 7er-BMW, drei Audi und ein Hyundai-Wasserstofffahrzeug. Als einziger verweigert Zürich aus «Sicherheitsgründen» die genauen Angaben zu seinem Fuhrpark. Trotzdem dürfte Zürich die teuerste Flotte besitzen. Dem Vernehmen nach sind BMW i7 im Einsatz, die bis zu 180'000 Franken pro Stück kosten.
Wie unterschiedlich die Kultur ist, zeigte ein EU-Empfang in Bern: Der Aargauer Landammann reiste im Bus an, die Zürcher Regierungsrätin gewohnt standesgemäss in der Chauffeur-Karosse.