Opfer von Liebesbetrug?
Ex-Ständeratspräsident sass in U-Haft

Der frühere Ständeratspräsident Fritz Schiesser sass in der Waadt zwei Monate lang in Untersuchungshaft. Er soll als Mittäter in einen Erpressungsversuch involviert sein. Schiesser bestreitet die Vorwürfe. Möglicherweise wurde er Opfer eines Liebesbetrugs.
Publiziert: 11:15 Uhr
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Aktualisiert: 11:20 Uhr
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Der frühere Ständerat Fritz Schiesser sass fast zwei Monate in Untersuchungshaft.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Der frühere Spitzenpolitiker Fritz Schiesser sass in der Waadt in U-Haft
  • Verdacht der versuchten Erpressung
  • Womöglich wurde Schiesser Opfer eines Liebesbetrugs
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Während die Schwinger im Kanton Glarus im Sägemehl um den Königstitel kämpfen, ficht der frühere Glarner FDP-Ständerat Fritz Schiesser (71) einen ganz anderen Kampf aus: Im Kanton Waadt läuft ein Strafverfahren wegen Wirtschaftsdelikten gegen den einstigen Ständeratspräsidenten. Deswegen sass er während fast zwei Monaten in Untersuchungshaft, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Ende Juli sei Schiesser unter Auflagen entlassen worden, bestätigt die Waadtländer Staatsanwaltschaft gegenüber der Zeitung. Und: «Zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen werden keine weiteren Informationen bekannt gegeben.»

Doch was steckt dahinter? Der Fall ist offenbar kompliziert. Laut «NZZ am Sonntag» steht der Verdacht der versuchten Erpressung im Raum. Womöglich wurde Schiesser dabei auch Opfer eines Liebesbetrugs, wie es aus seinem Umfeld heisse. Demnach sei der frühere Spitzenpolitiker mit einer Bekanntschaft aus dem Internet eine Beziehung eingegangen. Dieser habe er immer wieder grosse Geldbeträge überwiesen und so fast sein ganzes Vermögen verloren.

Erpressungsversuch bei Stiftung

Seine Bekanntschaft soll viel Geld erschwindelt sowie bei ihm vertrauliche Informationen und Dokumente gesammelt haben. Das Material soll die Basis für eine versuchte Erpressung gebildet haben. Zwischen Frühling und Herbst 2024 sollen bei der milliardenschweren Familienstiftung Sandoz mehrere mit «Mr. X» unterzeichnete Erpresserschreiben eingegangene sein, mit der Drohung, vertrauliche Dokumente der Stiftung zu veröffentlichen, wenn diese nicht eine bestimmte Summe bezahle.

Die Staatsanwaltschaft habe den Verdacht, dass Schiesser bei der Erpressung mutmasslich Mittäter gewesen sein soll, so die Zeitung. Der Glarner war einst Präsident der Stiftung und verliess diese vor drei Jahren aufgrund «strategischer Differenzen». 

Schiesser bestreitet Vorwürfe

Schiesser selbst erklärte gegenüber der «NZZ am Sonntag» schriftlich, er sei wegen der laufenden Ermittlungen nicht befugt, irgendwelche Informationen preiszugeben. Er bestreite aber alle ihm vorgeworfenen Taten.

Ihm nahestehende Personen trauen ihm denn auch nicht zu, wissentlich in den Erpressungsversuch involviert gewesen zu sein. Für Fritz Schiesser gilt die Unschuldsvermutung. 

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