Darum gehts
- Stefan Büsser interviewt Jacqueline Badran in Late Night Switzerland
- Badran vergleicht Politiker mit Primaten und deren Verhalten
- Alphamännchen bei Pavianen kontrollieren Weibchen mit 70-Meter-Toleranzbereich
In der ersten Ausgabe von Late Night Switzerland im neuen Jahr begrüsste Moderator Stefan Büsser (40) SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (64) als Gast. «Sie gilt nicht nur als eine der lautesten Stimmen in Bern, sondern auch als eine der populärsten. Sie ist die meistgewählte Nationalrätin der Schweiz», stimmt Büsser ein. Als Grundlage für ihr Gespräch wählte Büsser Badrans Werdegang als promovierte Neurobiologin und Verhaltensforscherin.
Büsser fragte nach Parallelen zwischen Politikern und Primaten. «Wenn man bei Donald Trump ist, dann sind wir ja ziemlich schnell bei den Primaten. Oder tue ich den Primaten hier Unrecht?», fragt er. Es sei schon tendenziell eine Beleidigung, entgegnet die Nationalrätin.
Strichli-Liste zum Verhalten von Politikern
In ihrer Zeit als Forscherin habe sie mit Affen gearbeitet und ihr Verhalten studiert, erklärte Badran. In der Politik mache sie im Kopf noch immer «Strichli» für bestimmte Verhaltensweisen. Als Beispiel erzählt sie von einem Zürcher Stadtrat, der ein «richtiges Alphamännchen» gewesen sei. Sobald dieser den Raum betrat, hätte ein Kommissionsmitglied sofort eine breite Körperhaltung eingenommen und sich zurückgelehnt, demonstriert Badran – ein klassisches Zeichen für Imponiergehabe.
Dabei betonte sie, dass man lernen müsse, wie man auf bestimmtes Verhalten reagiert. Auf eine Drohung mit einer «Retro-Drohung» zu reagieren, sei eigentlich «unter dem Niveau von Primaten.»
Kein Clinch mit «Hardcore-Feministinnen»
Zum Thema der Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung zum Zusammenleben von Mann und Frau warnte Badran, dass sie aufpassen müsse, nicht mit den «Hardcore-Feministinnen» im Clinch zu geraten. Denn sie sagt, dass es klare biologische Grundlagen für das Zusammenleben gebe.
Während Weibchen sicher wüssten, dass die Nachkommen ihre Gene hätten, sei dies beim Männchen unsicher. Dies führe zu Kontrollmechanismen. Badran illustrierte dies am Beispiel von Pavianen: Ein Alphamännchen gewährt seinen Weibchen einen Toleranzbereich von etwa 70 Metern. Entfernt sich ein Weibchen weiter, werde es «am Nacken gepackt und zurückgeschleppt».
Wissen, wie das Leben funktioniert
Doch die Weibchen wissen sich laut Badran zu helfen. Da sie in der Natur stets «partout und immer» aussuchen, paaren sie sich heimlich hinter Felsen mit jüngeren «Mitläufer-Männchen». Um das Alphamännchen nicht zu erzürnen, schauen sie zwischendurch kurz hervor, sagen quasi «Huhu» und verschwinden wieder.
Badran zog daraus ein ernüchterndes Fazit für die gesellschaftliche Struktur: «Man kann es auch so sagen, das Patriarchat ist hardcoded.» Sie habe das Studium der Verhaltensforschung nicht als Vorbereitung auf die Politik gewählt, sondern aus einem simplen Grund: Sie wollte verstehen, «wie das Leben funktioniert».