Millionen-Business am Ende
Liechtensteiner Casinos dürfen Schweizer Spielsüchtige nicht mehr abzocken

Der Austausch der Sperrlisten seit 2025 stoppt Spieler aus der Schweiz abrupt. Umsätze brechen massiv ein, mehrere Häuser schliessen, der Boom ist vorbei.
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Die Liechtensteiner Casinos leiden unter dem Sperrlistenaustausch mit der Schweiz. Seither können in der Schweiz gesperrte Spieler nicht mehr im Ländle zocken.

Darum gehts

  • Liechtenstein-Casinos kämpfen seit 2025 wegen Schweizer Spielsperren um Existenz
  • Umsätze brachen bis zu 85 Prozent ein, viele Casinos schlossen
  • 2024 erzielten sie 140,8 Millionen CHF Bruttospielertrag, jetzt massive Verluste
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Ein Casino pro 5000 Einwohner! Das kleine Liechtenstein galt zeitweise als «Las Vegas der Alpen». Seit vergangenem Jahr ist damit Schluss: Weil Schweizer Spielsüchtige nicht mehr ins Ländle ausweichen dürfen, bricht die Casinobranche wie ein Kartenhaus zusammen.

Der Grund? Seit Januar 2025 gelten hiesige Spielsperren auch im Nachbarland. Wie die Zeitungen von CH Media berichten, sind 100’000 Schweizerinnen und Schweizer vom Sperrlistenabkommen betroffen. Das Resultat: Umsatzeinbussen von bis zu 85 Prozent – und zahlreiche Schliessungen.

Kurzer Boom, grosser Einbruch

In der Schweiz sorgen laut der Eidgenössischen Spielbankenkommission besonders die seit 2019 eingeführten Online-Konzessionen für einen massiven Anstieg der Spielsperren. Während zuvor pro Jahr rund 3500 Sperren ausgesprochen wurden, steigen sie bis 2024 auf über 18'000 an. Die hierzulande mit einem Casino-Verbot belegten Spielerinnen und Spieler konnten vor letztem Jahr ohne Einschränkungen im Ländle weiterzocken.

Liechtenstein hat eine kurze, aber intensive Geschichte im Geldspielsektor. Mit der Einführung des Geldspielgesetzes 2010 wurde das seit 1949 bestehende Glücksspielverbot aufgehoben. 2017 nahm mit dem Casino Admiral in Ruggel die erste Spielbank den Betrieb auf, in den Jahren danach folgten neun weitere Versuche.

Zwar überlebten auch in dieser Zeit nicht alle – die Zahlen sind jedoch eindeutig: Im Jahr 2024 erwirtschafteten die Liechtensteiner Casinos noch einen Rekordwert von 140,8 Millionen Franken an Bruttospielerträgen. In die Staatskasse flossen damals alleine durch die Geldspielabgabe 52,8 Millionen Franken.

Spielbanken bereits länger unter Druck

Doch bereits im ersten Quartal 2025 – nach dem Inkrafttreten der Sperrlisten – brachen die Bruttospielerträge um 59 Prozent ein, wie das Liechtensteiner Ministerium für Inneres, Wirtschaft und Sport gegenüber CH Media bestätigt.

Von den Ende 2024 verbliebenen sechs Casinos verschwanden weitere zwei. Auch das Admiral musste letzten September seine Türen für immer schliessen – nach einem Rückgang des Bruttospielertrags von 63 Prozent. Selbst der Casinoverband Liechtenstein löste sich in der Zwischenzeit auf.

Bereits zuvor brachten politische Vorstösse wie etwa eine Verfassungsinitiative für ein Casino-Verbot die Branche unter Druck. Die Liechtensteiner Regierung erhöhte im Zuge dessen etwa die Geldspielabgabe, überarbeitete das Verhältnis von Spieltischen zu Automaten und sprach ein Bewilligungsmoratorium bis Ende 2025 aus.

Staatliche Unterstützung ist nicht vorgesehen

Der Casinoverband Liechtenstein ging im Gegenzug gerichtlich gegen den Sperrlistenaustausch vor. Die Liechtensteiner Regierung kam den Spielbanken anschliessend zumindest ein wenig entgegen: Sie kündigte etwa angepasste Tischöffnungszeiten und Gratisspielabgaben an.

Zufriedengestellt ist die Branche damit nicht. «Die Politik hat entgegen ihren Ankündigungen und Versprechen, den Markt spielen zu lassen, laufend in den Markt eingegriffen und die Rahmenbedingungen massiv verschlechtert», sagt Martin Frommelt, Sprecher des Casino Schaanwald zu CH Media. Ohne Änderungen sei es unmöglich, weiterhin im Markt zu bestehen.

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