Darum gehts
- Am 8. März wird über die Senkung der Mediengebühren abgestimmt
- Lukas Wegmüller verkauft Fahnen ab 26 Franken für Lieblingssendungen
- 2018 wurden über 3000 Fahnen gegen die «No-Billag-Initiative» verteilt
Gibt es in der Schweiz schon bald wieder ein Fahnenmeer? Im November 2020 wurde die Konzernverantwortungs-Initiative hauchdünn abgelehnt. In den Wochen zuvor flatterten unzählige Flaggen an Balkonen, Dächern oder Fassaden. Oftmals sind sie noch Jahre später zu sehen. Nun sollen wiederum Fahnen für den Abstimmungskampf eingesetzt werden. Dieses Mal, bei der Abstimmung über die Radio- und Fernsehgebühren, die auf 200 Franken gesenkt werden. Das verlangt eine Initiative. Am 8. März kommt es zum Showdown an der Urne.
Ein Verein um SP-Politiker Lukas Wegmüller (39) will jetzt mit Fahnen «die Lieblingssendungen retten» – im wahrsten Sinne des Wortes. So kann man online seine Lieblings-SRG-Sendung eintippen und eine Fahne für rund 26 Franken bestellen. «Wenn die Initiative durchkommt, kollabiert die Medienvielfalt in der Schweiz, viele Sendungen werden gestrichen und der Zusammenhalt des Landes ist gefährdet», warnt Wegmüller.
Übernehmen Private?
Die Befürworter der Initiative wollen die Bevölkerung entlasten. Die SRG-Angebote würden sich immer weiter vom Kernauftrag entfernen «und in den Bereichen Sportrechte und Unterhaltung ausdehnen, insbesondere aber im Online-Bereich», sagte SVP-Nationalrat Benjamin Fischer in der Ratsdebatte. «Kann es sein, dass die SRG mit Gebührengeldern horrende Summen für Sportlizenzen bezahlt und somit Private verdrängt?»
Dass private Sender die Lieblingssendungen der Schweizerinnen und Schweizer übernehmen, glaubt Wegmüller dagegen nicht. «Das wären nur ganz wenige, die sich für private Anbieter auch rechnen würden. Das bedeutet aber auch, dass sie für die Konsumentinnen und Konsumenten teurer werden.» Er nennt die Champions-League-Übertragungen beim Fussball als Beispiel. «Wenn ich alle Spiele sehen will, kostet das 35 Franken zusätzlich, pro Monat.» Auch die Lauberhorn-Abfahrt sei gefährdet.
Gestrichenen Sendungen nachtrauern
Schon 2018 setzte Wegmüller und sein Verein bei der «No-Billag-Initiative» auf ähnliche Fahnen. Über 3000 Fahnen setzten er und sein Team ab. Das Ziel sei im Vorfeld der Abstimmung, ähnlich viele zu verkaufen. Auf der Fahne kann nicht nur für bestehende Sendungen geworben werden. «Der Abbau hat mit dem Gegenprojekt von Albert Rösti bereits begonnen. Erste Sendungen wie Gesichter und Geschichten wurden schon gestrichen.» Auch diesen kann man auf der Fahne «nachtrauern».
Auf Wegmüllers Fahne wirbt er für seine Lieblingssendung, das «Echo der Zeit». «Das höre ich jeden Tag.» Bei der «No-Billag-Initiative» sei die Radiosendung auch das beliebteste Motiv gewesen, so Wegmüller. «Aber auch die Tagesschau und das Sportpanorama sind von vielen Leuten die Lieblingssendungen.»