Darum gehts
- Zug plant «weisse Zonen» für einfacheres Bauen gegen Wohnungsnot
- Kritik: Gefahr für Baukultur durch weniger Regeln in den Zonen
- Zuger Bevölkerung wuchs 1981 bis 2024 um 75 Prozent
Im Zuger Amt für Raumplanung laufen derzeit die Drähte heiss. Ein gewagtes Projekt soll bei der Bekämpfung der Wohnungsnot helfen. Die Politik des Kantons beschäftigt sich schon länger damit. Derzeit befindet es sich noch in der Planungsphase – kommt es schon bald zum Fliegen?
Es geht um sogenannte «weisse Zonen», in denen man einfacher bauen kann. Das Konzept ist radikal: Es sollen praktisch alle Bauregeln aufgehoben werden – so wären in den Zonen Hochhäuser möglich, Mindestabstände müssten nicht eingehalten werden und es könnte dichter gebaut werden. Lediglich die gängigen Normen, wie die Höhe von Geländern oder zur Materialwahl, müssten eingehalten werden.
Laut dem «Tages-Anzeiger» hiesse das nichts weniger als: Wer Land hat, darf zügellos bauen. Und zwar so lange, bis die vom Kanton gewünschte Anzahl Wohnungen in einer Zone erreicht ist.
Rezept gegen die Wohnungsnot?
Einer der Haupttreiber der Idee ist der SVP-Finanzdirektor Heinz Tännler (65). Er schlug dazu eine Studie vor, abgeschlossen wurde sie im September 2024. Später nahm der Zuger Regierungsrat die weissen Zonen in den Massnahmenplan gegen Wohnungsnot auf. Zwischen 1981 und 2024 wuchs die Zuger Bevölkerung um 75 Prozent, das Bauland ist knapp und die Mieten steigen.
Derzeit seien Tausende Wohnungen in der Pipeline, würden aber durch Einsprachen und lange Verfahren gebremst, sagt René Hutter (62). Er leitet das Amt für Verkehr und Raum im Kanton Zug. «Die weissen Zonen sind ein Lösungsansatz dagegen. Einer von mehreren.»
Heute müsse man einen langen Prozess durchlaufen, wenn man grösser oder höher als vorgesehen bauen wolle. Viele Investoren würden diesen meiden, weil er viel Zeit und Geld kosten und das Projekt letztlich auch scheitern könne. Darum würden viele auf Nummer sicher gehen und zum Beispiel nur vier Etagen bauen.
Parlament muss zustimmen
Hutter arbeitet derzeit an der rechtlichen Umsetzung des Projekts. Und die ist hochpolitisch: Der kantonale Richtplan müsste angepasst werden, zudem braucht es eine Änderung des kantonalen Planungs- und Baugesetzes, welches Ziel und Zweck der Zonen bestimmt. Die Anpassungen müssten vom Zuger Kantonsrat gutgeheissen werden. Auch die betroffenen Gemeinden müssten einer Anpassung des Zonenplans zustimmen.
Klare Opposition gibt es bislang nicht – die Grünen zeigen sich aber zumindest skeptisch. Harsche Kritik kommt hingegen aus der Architektenbranche. Laut «Tages-Anzeiger» ist die Rede von einem «Wilden Westen» und vom Untergang der Baukultur. Ein Zuger Architekt warnt gar davor, dass die architektonische Qualität in weissen Zonen geschmälert wird.
«Wir schaffen sicher nicht die Baukultur im Kanton Zug ab», entgegnet Hutter. Die Behörden würden weniger mitreden, aber das könne auch positiv sein: In der Verwaltung habe man eher die Tendenz, dass man zu viel mitreden und jedes Detail kennen wolle.