Darum gehts
- VBS setzt bei Kampf gegen PFAS auf Innovation
- CellX untersucht Umweltproben für mögliche bakterielle Sanierung belasteter Böden
- Auftragsvolumen: 432’400 Fr., Aktionsplan-Kosten bis 2032: 50–100 Millionen Franken
Beim VBS gibts viele Altlasten – auch im wörtlichen Sinn. Dass zahlreiche von der Armee genutzte Böden durch Munitionsrückstände verseucht sind, ist ein altbekanntes Problem. Unlängst ist man sich jedoch einer weiteren Problematik bewusst geworden: Bei 180 Standorten des VBS besteht der Verdacht, dass sie mit PFAS belastet sind – Industriechemikalien, die in der Natur nicht abgebaut werden. Bereits unter der Vorgängerin von Verteidigungsminister Martin Pfister (62, Mitte), Viola Amherd (64, Mitte), erstellte das VBS im Jahr 2024 den «Aktionsplan Boden und Altlasten», der die Beseitigung der Ewigkeitschemikalien zum Schwerpunkt erklärte.
Wie sich jetzt zeigt, ist die Armee im Kampf gegen PFAS auch offen für äusserst innovative Methoden: Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse hat dem Zürcher Start-up CellX Biosolutions AG den Auftrag erteilt, nach Mikroorganismen zu suchen, die PFAS erkennen und möglicherweise abbauen können. Dazu soll CellX Umweltproben aus verschiedenen kontaminierten Standorten des VBS im Labor untersuchen.
«Kostengünstige Lösung»
Die freihändige Vergabe an CellX mit einem Auftragsvolumen von 432’400 Franken wurde diese Woche auf der Beschaffungsplattform Simap publiziert. Wenn man kontaminierte Böden nicht abtragen müsse, sondern sie durch den Einsatz geeigneter Bakterien vor Ort biologisch sanieren könne, sei dies eine «kostengünstige Lösung», schreibt Armasuisse.
Die PFAS-Verdachtsstandorte sind im Kataster der belasteten Standorte des VBS erfasst. Betroffen sind vor allem Böden, die als Brandübungsplätze der Feuerwehren der Armee dienten – dort wurden Löschschäume eingesetzt, die PFAS enthielten. Und zwar bis vor kurzem: Die Verwendung von PFAS-haltigem Löschschaum sei im Herbst 2025 eingestellt worden, sagt Armasuisse-Sprecherin Daniela Renzo (49) zu Blick. Warum die Verwendung nicht schon 2024 per sofort gestoppt wurde, als die Problematik erkannt worden war, erklärt Armasuisse mit «betrieblichen Gründen». Renzo: «Die Einführung von PFAS-freien Alternativen erforderte technische und organisatorische Anpassungen sowie eine schrittweise Umsetzung.»
Vielversprechende erste Ergebnisse
Laut Renzo liegen derzeit keine Hinweise vor, dass auch auf militärischen Schiessplätzen PFAS-bedingte Belastungen vorliegen. Dennoch soll nun zudem geklärt werden, ob auch während des Schiessbetriebs oder der Schiessausbildung PFAS-haltige Stoffe eingesetzt wurden.
Beim Auftrag an CellX Biosolutions geht es laut Armasuisse noch nicht um konkrete Sanierungen, sondern darum, «alternative Sanierungsansätze zu prüfen». Das Verfahren, PFAS mit Bakterien abzubauen, befindet sich erst in der Entwicklung. Das ETH-Spin-off mit Sitz in Schlieren ZH, geleitet von der Westschweizer Mikrobiologin Estelle Clerc (34), vermeldet jedoch vielversprechende erste Ergebnisse – und wurde dafür bereits von mehreren Stiftungen mit Fördergeldern belohnt.
Wie viel das VBS einsparen könnte, wenn Sanierungen durch den gezielten Einsatz von Bakterien erledigt werden könnten statt durch das Abtragen von Böden, lässt sich laut Renzo noch nicht beziffern. Zuerst müssten Untersuchungen zeigen, wo Sanierungen erforderlich seien und wann diese durchgeführt werden müssten. Der VBS-Aktionsplan rechnet bis ins Jahr 2032 mit Kosten von 50 bis 100 Millionen Franken – wovon die Ausgaben im Zusammenhang mit dem ehemaligen Munitionslager Mitholz ausgenommen sind.