IT-Panne bei Arbeitslosenversicherung
Überstunden, Wochenendarbeit und Ferienstopp

Bei der Auszahlung von Arbeitslosengeldern gibt es nach wie vor Probleme. Mit grossem Aufwand versuchen das Staatssekretariat für Wirtschaft und die Kantone, die Rückstände aufzuholen. Trotzdem warten Tausende Betroffene auf ihr Geld.
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Das neue IT-System kommt bei allen Arbeitslosenkassen und Arbeitsvermittlungszentren zur Anwendung.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neues IT-System für Arbeitslosenkassen verursacht weiter Verzögerungen
  • Mehrere Tausend Betroffene erhalten ihr Geld verspätet
  • Staatssekretariat für Wirtschaft hat 100-köpfiges Team mit 60 Externen für Systembetreuung
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Andreas SchmidInlandredaktor

Effizienz, Tempo und Stabilität des Systems hätten «noch nicht das gewünschte Niveau», sagt ein Sprecher des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Luzern zur neuen IT für die Arbeitslosenversicherung. Die Leistung habe sich zwar verbessert, doch es gebe weiter Rückstände. «Für die Betroffenen ist es eine sehr belastende und herausfordernde Situation.» Sie erhalten die Arbeitslosengelder verspätet ausbezahlt.

Um den Problemen zu begegnen, zog die Luzerner Arbeitslosenkasse über ein Dutzend Angestellte aus anderen Abteilungen zu, verhängte im Dezember und Januar einen Ferienstopp, verordnete Wochenendarbeit und liess unzählige Überstunden leisten. Trotzdem sind rund 800 Neuanmeldungen von Arbeitslosen offen, und 300 Bezugsberechtigte warten auf ihr Geld.

Noch zu langsam

Vor knapp zwei Monaten führte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) für die kantonalen Arbeitslosenkassen ein neues elektronisches Auszahlungssystem ein. Doch weil die IT noch nicht die erforderliche Leistung erbrachte, kam es zu Verzögerungen bei der Auszahlung von Arbeitslosenentschädigungen. Tausende erhielten diese nicht rechtzeitig.

Seco-Sprecher Fabian Maienfisch sagt, die technischen Störungen seien inzwischen behoben, doch die Systemgeschwindigkeit genüge «noch nicht überall». Dass die Einführung der Applikation mit den vielen Schnittstellen in den ersten Monaten zusätzlichen Aufwand erfordert, kalkulierte das Seco ein. Für die Startphase bis im Juni bildete das Staatssekretariat ein Team mit 100 Leuten für die Betreuung des Systems. 60 von diesen heuerte es von externen Firmen an, wie Maienfisch auf Anfrage bekannt gibt. Wie gross der gesamte Arbeitsrückstand derzeit sei, könne das Seco nicht ermessen, hält Maienfisch fest.

Stabilisierung avisiert

Die kantonalen Arbeitslosenkassen Bern und Aargau geben an, bei den Rückständen der Zahlungen aufzuholen. Derzeit sei die Stabilisierung des Betriebs das Hauptziel. «Soweit es das neue System zulässt», werde alles für die schnellstmögliche Erstattung der Taggelder unternommen, sagt ein Sprecher des zuständigen Aargauer Departements.

Im Kanton Zürich hat die Arbeitslosenkasse eine Taskforce eingesetzt, um den Problemen beizukommen. Diese übernehme komplexe und aussergewöhnliche Fälle, sagt ein Sprecher des Amts für Arbeit. «Der grosse Teil» der Auszahlungen könne termingerecht erfolgen. Bei den Arbeitslosenkassen der Gewerkschaft Unia ist von «einer verbesserten Leistungsfähigkeit» des IT-Systems die Rede. Doch eine Sprecherin hält auch fest: «Die Situation ist weiterhin nicht optimal.»

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