Nach schwerer Krankheit
Jean Ziegler (†92) ist tot

Der Soziologe und ehemalige Nationalrat Jean Ziegler ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren in Genf an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben.
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Jean Ziegler ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren verstorben.

Darum gehts

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  • Jean Ziegler, Soziologe und Ex-Nationalrat, stirbt mit 92 Jahren in der Schweiz
  • Er war Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung von 2000–2008
  • Ziegler litt laut RTS an Parkinson
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Jean Ziegler ist tot. Der Soziologe und ehemalige Nationalrat wurde 92 Jahre alt. Er starb an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben. Das berichtete zuerst Radio Télévision Suisse RTS.

Ziegler war eine der führenden intellektuellen Figuren der Schweizer Linken und war 2000 bis 2008 Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

«Hans, das ist doch kein Name»

Ziegler war nicht immer Jean, sondern wurde 1934 als Hans Ziegler in Thun geboren, wo er auch aufwuchs. Das Jean kam erst viel später – und nicht durch das Rechtsstudium Genf oder später Soziologie in Paris.

Simone de Beauvoir (1908–1986) war es, die ihn zum Jean brachte: «Hans, das ist doch kein Name», soll die berühmte französische Feministin gesagt haben, als sie einen seiner ersten Artikel redigierte. Sie war nicht die einzige Ikone des letzten Jahrhunderts, mit der Ziegler verbunden war: Auch mit Jean-Paul Sartre pflegte er eine Freundschaft, ebenso mit Che Guevara (1928–1967).

Vorkämpfer gegen Globalisierung und Kapitalismus

Den Helden der kubanischen Revolution begleitete Ziegler 1964 an eine UN-Konferenz in Genf. Eigentlich habe er Guevara nach Kuba folgen wollen, erzählte Ziegler später selbst. Dieser habe aber aus dem Fenster auf die Leuchtreklamen der Banker und Juweliere in Genf gezeigt und gesagt: «Da musst du kämpfen, da ist das Gehirn des Monsters.»

Ziegler lehrte Soziologie an der Uni Genf und ging in die Politik: Von 1967 bis zu seiner Abwahl 1983 und von 1987 bis 1999 sass er für die SP im Nationalrat.

1990 veröffentlichte Jean Ziegler das Sachbuch «Die Schweiz wäscht weisser», in dem er die Schweiz als Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens anprangerte. Es schlug ein wie eine Bombe. Und Ziegler wurde zu einem der Vorkämpfer gegen Globalisierung und Kapitalismus.

Mit seinen Büchern wurde Ziegler weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Während er im Ausland als scharfsinniger Kritiker von Hunger, Ausbeutung und den Machtstrukturen der globalisierten Wirtschaft gefeiert wurde, polarisierte er in der Schweiz häufiger. Seine Gegner warfen ihm Einseitigkeit vor, seine Anhänger sahen in ihm eine unbequeme Stimme gegen die Mächtigen.

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