Darum gehts
- Schweizer Armee führt 2027 neue Ruhn-Stellung mit Händen vor dem Körper ein
- Alte Haltung wegen neuer Ausrüstung als anatomisch ungeeignet bewertet
- Neue Position fördert Konzentration und professionelles Auftreten laut Militär
Die neuen Kampfjets werden massiv teurer. Der Ersatz veralteter Radarsysteme verzögert sich um Jahre. Schützenpanzer stehen still, die neuen Aufklärungsdrohnen fliegen nicht wie gewünscht. Der neue Armeechef Benedikt Roos (60) hat viele Baustellen angetroffen. Es harzt.
Nun aber schlägt Roos einen ersten Pflock ein. Während Soldaten seit Generationen beim Befehl «Ruhn!» die Hände hinter dem Rücken verschränken, soll ab 2027 mit dem geplanten neuen Reglement «Grundschulung der Armee» alles anders werden. Das Militär will den Stellungswechsel einführen. Was dem Laien als Petitesse erscheint, soll massive Auswirkungen haben.
Bisherige Ruhn-Stellung sei «anatomisch ungeeignet»
Es wirkt revolutionär: Neu werden die Hände nicht mehr hinter dem Rücken gehalten, sondern vor dem Körper. Das Magazin «Schweizer Soldat» hat als Erster darüber berichtet. Klar geht das nicht irgendwie, sondern ist – wie alles beim Militär – genaustens reglementiert: 1. schulterbreit aufrecht stehen; 2. Augenkontakt herstellen; 3. Hände vor dem Körper auf der Höhe des Gurts halten; 4. mit der Hand das Handgelenk umfassen.
Auslöser ist die neue Grundtrageeinheit sowie die neue Tragart mit aufgeklapptem Sturmgewehr. Zusammen mit der Vollausrüstung habe sich die bisherige Ruhn-Stellung als «anatomisch ungeeignet» erwiesen. Sie führte zu einer verkrampften und angespannten Körperhaltung. Auf gut Deutsch: Man muss sich fast die Schultern auskugeln, um mit all dem Gepäck die Arme hinter dem Rücken verschränken zu können.
Offen, professionell, deeskalierend
Die neue Stellung ist für die Armee jedoch keine Notlösung. Mitnichten! Das Militär verkauft sie als echten Volltreffer. Sie ermögliche eine natürliche und entspannte Körperposition und entspreche dem Gedanken der Ruhn-Stellung als Position der Ruhe. Das reduziere die körperliche Belastung und fördere die Konzentration. Wir merken: Generationen von Soldaten haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Da wundert gar nichts mehr.
Und es wird noch besser: Die Haltung wirke offener, ruhiger und deeskalierender. Sie unterstütze ein professionelles Auftreten – etwa bei der Ausbildung, bei öffentlichen Auftritten oder im Kontakt mit der Bevölkerung, wirbt die Armee. «Die Anpassung trägt insgesamt zu einem zeitgemässen, glaubwürdigen und professionellen Erscheinungsbild der Schweizer Armee bei.» Also eine echte Wunderwaffe. Getreu dem Sprichwort: Im Ruhn liegt die Kraft ...