Darum gehts
- Zürcher Gemeinden kritisieren private Spitex-Firmen wegen gravierender Mängel bei Rechnungen
- Über 60% der Spitex-Geschäftsleitungen verdienten 2023 mehr als 150'000 Franken
- Gesundheitskonferenz: 80 % der Firmen halten sich nicht an Finanzrichtlinien
Die Zürcher Gemeinden gehen gegen die privaten Spitex-Dienste in die Offensive. Die Gesundheitskonferenz des Kantons (Geko) wirft privaten Spitex-Firmen ohne Leistungsaufträge von Gemeinden gravierende Mängel bei ihren Rechnungen vor.
Mit dem Geld plustern die Pflegefirmen etwa ihren Haushalt auf. Oder sie zahlen ihren Chefs satte Löhne: Wie die Geko in einer Analyse aufzeigt, verdienten 2023 über 60 Prozent der Geschäftsleitungen jährlich mehr als 150'000 Franken brutto. Bei 20 Prozent waren es gar mehr als 300'000 Franken. Und das höchstbezahlte Geschäftsleitungsmitglied sackte happige 644'000 Franken Lohn ein.
Gesellschaftlicher Wandel führt zu Profit
Die Unternehmen profitieren dabei auch vom gesellschaftlichen Wandel: Immer mehr ältere Menschen wollen in den eigenen vier Wänden bleiben – vor allem, weil ein Pflegeheim deutlich teurer wäre.
Das hat auch die Politik erkannt: Der Bundesrat entschied bereits 2024, dass er Rentnerinnen und Rentnern beim Wohnen im eigenen Zuhause unter die Arme greifen will. Zugleich hielt er letztes Jahr in einem Bericht fest, dass durch Spitex-Firmen angestellte pflegende Angehörige weiterhin durch die obligatorische Krankenversicherung unterstützt werden sollen – zumindest sofern die Wirtschaftlichkeit und Qualität gegeben seien.
Eigentlich gibt es in Zürich verbindliche Regeln
Dennoch merkt die Landesregierung an: Gewisse Firmen würden mittlerweile ausschliesslich auf Angehörige setzen – und würden «wegen der potenziell hohen Gewinne» das Schweizer Gesundheitssystem enorm belasten.
Dabei gäbe es ausgerechnet in Zürich verbindliche Regeln. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich schreibt in einem Finanzmanual vor, wie der Pflegeservice abgerechnet werden soll. Nur: Daran würden sich rund 80 Prozent der untersuchten Firmen nicht halten, kritisiert die Gesundheitskonferenz.
Parlament will privaten Spitex-Firmen den Riegel schieben
Den Befund aus Zürich will die Branche jedoch nicht akzeptieren. Gegenüber «Schweiz aktuell» sagt Katharina Hadorn, Vizepräsidentin des Schweizer Verbands der privaten Spitex-Firmen, dass die Analyse auf einer unzureichenden Auswahl von Betrieben basiere – und sie sich nicht mit den Zahlen der öffentlichen Spitex vergleichen lasse. Das Finanzmanual bezeichnet Hadorn – entgegen der Zürcher Regierung – als «Handlungsanweisung mit Interpretationsspielraum».
Während der Bundesrat mit den privaten Anbietern dennoch Milde walten lassen will, griffen National- und Ständerat letztes Jahr aufgrund der fragwürdigen Rechnungsauslegungen und steigenden Kosten für die Allgemeinheit durch: Die beiden Kammern segneten einen Vorstoss von Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner (54, AI) ab, der vom Bundesrat fordert, die bezahlte Pflege durch Angehörige einheitlich und verbindlich für die ganze Schweiz zu regeln. Die Kosten sollen dabei «nur in Ausnahmefällen» noch der obligatorischen Krankenversicherung angerechnet werden.