Darum gehts
- Liestaler Politiker kritisieren SBB-Bahnhof als wenig kundenfreundlich und einladend
- Resolution fordert Verbesserungen bei Anzeigetafeln, Sitzgelegenheiten und Warteraum
- SBB plant Umsetzung einiger Wünsche bis zum Bahnhofsfest 2026
Das kommt nicht aller Tage vor: In Liestal ziehen Politikerinnen und Politiker aller Parteien – von SP über Mitte bis SVP, von Grünen über GLP bis FDP – an einem Strang. Eine Resolution im Einwohnerrat der Baselbieter Kantonshauptstadt findet parteiübergreifend Unterstützung, auch vom Stadtrat.
Auslöser ist der neue SBB-Bahnhof, den die SP-Parlamentarier Bernhard Bonjour (73) und Anja Weyeneth (50) als zu wenig «kundenfreundlich und einladend» kritisieren. Sie haben die Resolution an die Adresse der SBB initiiert – und eine ganze Reihe von Mängeln aufgeführt.
«Verbesserung diverser Missstände»
Zwar unterstreichen die Politiker: «Liestal hat Freude am neuen Bahnhof!» So loben sie etwa die breiten, lichterfüllten Unterführungen, die neuen Velostationen und das kulinarische Angebot. Doch sonst haben sie viel zu bemängeln. Es gebe «klare Forderungen zur Verbesserung diverser Missstände», fasste die «bz Basel» die Stimmung der Ratsdebatte zusammen.
Kritisiert werden etwa fehlende oder schlecht sichtbare Anzeigetafeln, besonders in den Unterführungen. Reisende müssten teils Umwege machen, um Informationen zu finden. Auch Sitzgelegenheiten seien zu wenige vorhanden oder falsch platziert.
Und weiter: Der Warteraum sei unzureichend angeschrieben, biete kaum Informationen zu Bus und Bahn und habe nicht einmal eine Uhr. Zudem gebe es zu wenige getrennte Abfallkübel. Die steilen Rampen stossen ebenfalls auf breite Kritik – im Parlament wurde auf entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung verwiesen.
Vertreter aller Fraktionen bestätigen die Kritikpunkte. Wer sich nicht auskenne, laufe sich die Beine wund, um an Informationen zu gelangen, wurde SVP-Mann Markus Rudin (65) in der «bz Basel» zitiert.
Die Liestaler Resolution verlangt, dass die SBB die Situation bis zum «Bahnhofsfest», das 2026 stattfinden soll, deutlich verbessert. Der Stadtrat unterstützt das Anliegen: Man habe die Defizite bereits deponiert.
Was lässt sich überhaupt ändern?
Die SBB nahmen in der «Basler Zeitung» Stellung. Sie betonten, dass manche Wünsche des Einwohnerrats bereits in Planung seien und in nächster Zeit umgesetzt würden. Man sei zu weiteren Punkten wie zusätzlichen Abfalleimern, Sitzplätzen, Anzeigetafeln und besserer Beschriftung bereits mit der Stadt im Austausch.
In der Schweiz kommt es immer wieder vor, dass Gemeinden die Ausstattung ihrer Bahnhöfe kritisieren. Zuständig dafür sind jedoch die SBB. Das Unternehmen verweist auf klare Vorgaben, wie ein Bahnhof eingerichtet sein darf. Man sei bezüglich Möblierung nicht frei – «dies im Sinne der Gleichbehandlung der Bahnhöfe und im Sinne des wirtschaftlichen Umgangs mit den öffentlichen Geldern, die uns der Bund für Möblierung zur Verfügung stellt», liessen sich die SBB auch in diesem Fall zitieren.