Ekel-Alarm in der Kanalisation – Politik will handeln
Feuchttücher verursachen teure Verstopfungen

Was viele achtlos ins WC werfen, verursacht unter der Erde teure Probleme: Feuchttücher verstopfen Kanalisationen oder Kläranlagen. Jetzt beschäftigt das Alltagsprodukt sogar in Bern. SP-Nationalrätin Gabriela Suter fordert: Der Bundesrat muss handeln!
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Feuchttüchlein gehören nicht in die Toilette.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hitzewelle in der Schweiz, Temperaturen bis 38 Grad, Wasserknappheit droht
  • Feuchttüchlein verstopfen Kanalisation, verursachen Mikroplastik in Gewässern, hohe Kosten
  • 15 Tonnen Mikroplastik jährlich, Suter fordert klare Kennzeichnung und Sensibilisierung
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

In ganz Europa herrscht eine Hitzewelle. In Teilen der Schweiz steigt das Thermometer auf 36, 37 oder gar 38 Grad. Regen? Fehlanzeige. Das Wasser wird knapp. Erste Gemeinden ziehen bereits die Notbremse und verbieten etwa das Bewässern von Gärten. Ausgerechnet jetzt warnt SP-Nationalrätin Gabriela Suter (53) vor einem unscheinbaren Problem, das unsere Gewässer immer stärker belastet.

Feuchttüchlein und andere Hygieneartikel gehören nicht ins WC. Das wissen wir eigentlich alle. Es steht auf den Schildern in öffentlichen Toiletten, und schon als Kinder lernen wir: Nur Toilettenpapier darf hinuntergespült werden. Trotzdem machen es viele.

Bevölkerung bezahlt die Rechnung

«Ein Grund ist, dass viele Feuchttüchlein als ‹spülbar› vermarktet werden», sagt die Nationalrätin zu Blick. «Das vermittelt den Eindruck, sie könnten problemlos über die Toilette entsorgt werden. Das ist aber ein Irrtum – sie zersetzen sich zu langsam und bleiben im Abwassersystem hängen.»

Die Folgen sind teuer. Weil Feuchttüchlein besonders reissfest sind, lösen sie sich in der Kanalisation und in der Kläranlage nicht auf. «Dort verknoten sie sich zu langen Zöpfen, die die Pumpen verstopfen», sagt Suter. Diese müssten aufwendig entfernt werden. «Das kostet viel Geld. Am Ende zahlt es die Bevölkerung über die Abwassergebühren.»

Blick hat bei einigen Kläranlagen nachgefragt. Die Stadt Bern relativiert das Problem: «Feuchttüchlein in der Kanalisation stellen bei uns kein Problem dar», sagt eine Sprecherin. Zusätzliche Kosten würden dadurch nicht entstehen.

Anders sieht es jedoch in Stäfa ZH aus. Die Gemeinde startete 2024 sogar eine Aufklärungskampagne bezüglich Feuchttüchlein im WC. Mit Erfolg: Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Tüchlein zuvor Mehrkosten von mehreren Tausend Franken verursacht hatten. Seit der Kampagne sind diese deutlich gesunken.

«Mikroplastik lässt sich nicht aus Gewässern entfernen»

Verstopfte Pumpen sind allerdings nicht das einzige Problem. «Feuchttüchlein verschmutzen auch unsere Flüsse und Seen – und zwar dauerhaft», sagt Suter. Der Grund: Sie enthalten Kunststofffasern, die als Mikroplastik im Wasser zurückbleiben.

Jedes Jahr gelangen laut einer im Auftrag des Bundesamts für Umwelt entwickelten Berechnung rund 15 Tonnen Mikroplastik in Schweizer Flüsse und Seen. Etwa die Hälfte davon bleibt in der Schweiz und setzt sich in Seen oder Flüssen ab. «Dieses Mikroplastik lässt sich kaum wieder aus der Umwelt entfernen. Über die Nahrung kann es schliesslich auch in unseren Körper gelangen.»

Welche gesundheitlichen Folgen das langfristig hat, ist noch nicht abschliessend geklärt. Forschende untersuchen jedoch unter anderem mögliche Zusammenhänge mit Entzündungen, hormonellen Veränderungen und Zellschäden.

Die Nationalrätin will nun den Bundesrat zum Handeln bewegen. Mit einem Vorstoss fordert sie Massnahmen: So sollen die Produkte schweizweit einheitlich und gut sichtbar gekennzeichnet werden, damit klar ist: Sie gehören nicht ins WC. Ausserdem sollen sich die Hersteller stärker an den Kosten beteiligen, die durch Reinigung und Unterhalt der Abwasserinfrastruktur entstehen. Ergänzend fordert Suter eine nationale Sensibilisierungskampagne, um die Bevölkerung über die richtige Entsorgung aufzuklären.

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