Peinlich-Schwärmerei über Güterverkehr
Deutsche Bahn lobt Schweiz – und verschweigt eigene Fehler

Die Deutsche Bahn schwärmt vom Schweizer Schienengüterverkehr. Doch das Lob hat einen Haken: Ausgerechnet Deutschland bremst die Schweizer Verlagerungspolitik aus. Und immer mehr Güter landen wieder auf der Strasse.
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Die Deutsche Bahn schwärmt vom Schweizer Schienengüterverkehr – obwohl Deutschland für Probleme in der Schweiz mitverantwortlich ist.
Foto: IMAGO/greatif

Darum gehts

  • Die Deutsche Bahn lobt die Schweizer Verlagerungspolitik und die Milliardeninvestitionen in die Neat
  • Deutschland bremst mit Baustellen, Streckensperrungen und fehlendem Ausbau den Schweizer Güterverkehr
  • Immer mehr Güter landen auf der Strasse, der Bundesrat will mit zusätzlichen Geldern gegensteuern
Sven Altermatt, Ringier
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Die Deutsche Bahn ist voll des Lobes für die Schweiz. In einem Artikel schwärmt ihre Güterverkehrstochter DB Cargo vom Schweizer Schienengüterverkehr. Titel des auf Linkedin veröffentlichten Artikels: «Wie die Schweiz Güter auf die Schiene bringt».

Rund sieben von zehn Gütern würden auf der Schiene durch die Alpen transportiert. Dahinter stünden «jahrzehntelange politische Entscheidungen» und «massive Infrastrukturinvestitionen». Ausführlich würdigt der Beitrag die Milliardeninvestitionen in die Neat, die Schweizer Verlagerungspolitik und den Ausbau der Gotthard-Achse.

Das Lob schmeichelt der Schweizer Seele, zweifellos. Es hat allerdings einen Haken: Ausgerechnet Deutschland trägt wesentlich dazu bei, dass die Schweizer Verlagerungspolitik ins Stocken gerät!

Deutschland bleibt das Nadelöhr

Zwar schreibt DB Cargo, dass es auch für Deutschland einiges zu lernen gebe. Etwa bei der langfristigen Infrastrukturplanung. Gleichzeitig wird festgehalten, dass der Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel noch nicht abgeschlossen sei. Selbst modernste Infrastruktur entfalte ihre Wirkung nur, «wenn auch die angrenzenden Netze ausreichend leistungsfähig sind», heisst es dazu.

Schon 1996 verständigten sich Deutschland und die Schweiz darauf, die Zulaufstrecken zur Neat auszubauen. Dazu gehört auf deutscher Seite der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn. Während die Schweiz ihre Neat-Basistunnel längst eröffnet hat, lässt der vollständige Ausbau der deutschen Zulaufstrecke weiter auf sich warten.

Wie gravierend die deutschen Versäumnisse effektiv sind, bleibt aber unerwähnt: Denn mindestens ebenso schwer wiegen die zahlreichen Baustellen, Streckensperrungen und Störungen auf deutscher Seite. «Deutschland bremst die Schweiz aus», schrieb Blick bereits im vergangenen Jahr. Und seither hat sich die Lage kaum verbessert.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Departement von SVP-Bundesrat Albert Rösti (59) fand dafür in einem Bericht deutliche Worte: Probleme «insbesondere auf den deutschen Zulaufstrecken zur Schweiz» führten dazu, dass Güter wieder auf die Strasse verlagert würden. Es bestehe die Gefahr, dass diese Transporte dauerhaft für die Bahn verloren gingen.

Mehr Güter landen wieder auf der Strasse

Die Zahlen sind ernüchternd: 2025 sank der Bahnanteil am alpenquerenden Güterverkehr von 70,3 auf 68,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 waren es nur noch 68 Prozent. Die Zahl der Lastwagenfahrten stieg im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um rund sieben Prozent auf 511'000. Das BAV warnte noch im September ausdrücklich: Vor allem Baustellen in Deutschland beeinträchtigten den Güterverkehr. Eine Entspannung zeichne sich erst ab etwa 2030 ab.

Nicht alle Probleme gehen auf Deutschland zurück. Auch die Wirtschaftslage, hohe Transportkosten und Baustellen in anderen Ländern belasten die Schiene. Für die deutsche Bahninfrastruktur ist zudem nicht DB Cargo direkt, sondern eine ebenfalls zum DB-Konzern gehörende Tochter zuständig.

In der Schweiz will der Bundesrat derweil auch mit mehr Geld gegensteuern. Er plant, den Güterverkehr durch die Alpen mit zusätzlichen Beiträgen zu unterstützen, damit mehr Waren auf der Schiene bleiben.

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