Der Hayek-Effekt
Diese Gemeinden sind von Superreichen abhängig

Wegen des Wegzugs der Swatch-Dynastie muss Meisterschwanden AG die Steuern erhöhen. Es gibt weitere Schweizer Gemeinden, die stark von Superreichen abhängig sind. Blick zeigt die Liste.
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Ex-Nestlé-Chef Paul Bulcke beschert der kleinen Freiburger Gemeinde Crésuz einen Steuersegen.
Foto: Archiv

Darum gehts

  • Meisterschwanden will Steuerfuss von 60 auf 70 Prozent erhöhen
  • Auch andere Gemeinden profitieren von reichen Steuerzahlern
  • Hergiswil zählte 2021 insgesamt 59 Multimillionäre bei 6000 Einwohnern
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Dem Aargauer Tiefsteuerparadies Meisterschwanden droht ein Loch in der Kasse. Grund ist unter anderem der Wegzug der Swatch-Dynastie Hayek vor einigen Jahren. Swatch-CEO Nick Hayek (71) wohnt heute in Zug, seine Schwester Nayla Hayek (74) in Hergiswil NW.

Nun will die Gemeinde reagieren und den Steuerfuss von 60 auf 70 Prozent erhöhen. Doch es gibt Widerstand: Ein Komitee aus SVP-Kreisen hat erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 8. März entscheidet die Stimmbevölkerung, ob der historisch tiefe Steuerfuss tatsächlich angehoben wird.

Meisterschwanden ist kein Einzelfall. In der Schweiz gibt es mehrere Gemeinden, deren Finanzen stark von einzelnen sehr vermögenden Personen oder Familien abhängen. Zieht ein Grosssteuerzahler weiter, geraten Budgets schon einmal ins Wanken.

Crésuz FR

Knapp 500 Einwohner zählt die Gemeinde Crésuz im Kanton Freiburg. Darunter ist auch der frühere Nestlé-Chef Paul Bulcke (71). Gemäss der «Bilanz» stellte er sich vor einigen Jahren zuerst bei den Einwohnern vor und baute dann ein Haus. 

Wie die «Freiburger Nachrichten» berichteten, war Bulcke ein Mitgrund für den Sprung in der Steuerstatistik 2017. Damals zahlte im Durchschnitt jeder Bewohner 18'638 Franken Steuern an Freiburg – gut 10'000 Franken mehr als noch im Jahr zuvor. Weiter wurden in diesen Jahren mehrere Zweitresidenzen zu Erstresidenzen umgewandelt, was den Durchschnitt ebenfalls nach oben zog. 

Lüterkofen-Ichertswil SO

An der Gemeindeversammlung im Dezember 2004 herrschte in der Solothurner Gemeinde Lüterkofen-Ichertswil gute Laune. Die Bürger beschlossen, den Steuerfuss von 115 auf 85 Prozent zu senken. Der unverhoffte Geldsegen kam in Form des schwerreichen Unternehmers Hugo Mathys ins Dorf.

Der damalige Patron der gleichnamigen Medizinaltechnikfirma hatte sich in Lüterkofen eine Villa gekauft. Einige Jahre später musste das Steuerparadies die Steuern allerdings wieder erhöhen. Eine neue Pflegefinanzierung zwang die Gemeinde dazu.

Warth-Weiningen TG

Abgesehen von zwei Dingen sei die Gemeinde Warth-Weiningen kaum für Schlagzeilen gut, schrieb die «Thurgauer Zeitung» kürzlich. Erstens für ein Hotel und zweitens für den Stadler-Patron Peter Spuhler (67) – er beschere seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den tiefsten Gemeindesteuerfuss im ganzen Kanton. 

Rüschlikon ZH

Die Zürcher Gemeinde Rüschlikon war zwar schon zuvor nicht schlecht aufgestellt – 2024 katapultierte sie sich aber an die Spitze. Neu ist Rüschlikon offiziell die steuerkräftigste Gemeinde im Kanton Zürich – und das offenbar wegen einer einzigen Person. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sprang die durchschnittliche Steuerkraft der Seegemeinde 2024 um fast 40 Prozent auf 19’724 Franken pro Kopf.

Welche Person hinter dem Geldregen steckt, bleibt geheim. Gerüchte deuteten auf Ex-Glencore-Chef Ivan Glasenberg (68) hin, der in Rüschlikon wohnt. Er soll 2023 rund 500 Millionen Franken Dividende kassiert haben.

Der in Südafrika geborene Schweizer ist eine schillernde Figur. Er hat als CEO den Rohstoffkonzern Glencore gross gemacht. Als der Rohstoffgigant im Mai 2011 an die Börse ging, wurde Glasenberg über Nacht zum mehrfachen Milliardär. Prompt erhielt er eine Steuerrechnung von 360 Millionen Franken.

Hergiswil NW

Neben Gemeinden, die von einzelnen Steuerzahlern profitieren, gibt es auch Ortschaften wie Hergiswil im Kanton Nidwalden. Nicht weniger als 59 Multimillionäre lebten 2021 in der Gemeinde am Vierwaldstättersee, die insgesamt rund 6000 Einwohner zählt. Zum Vergleich: Im ganzen Kanton Nidwalden waren es 2021 insgesamt 100 Personen mit einem Vermögen von über 50 Millionen.

Zu den bekannten Einwohnern der Gemeinde zählen etwa der Unternehmer und Milliardär Michael Pieper (79), die Liftkonzern-Familien Schindler und Bonnard oder Lalique-CEO Silvio Denz (69). Auch Gemeinden wie Freienbach SZ, Schindellegi SZ, Meggen LU oder Wollerau SZ sind zum Beispiel bekannt für ihre vielen gutbetuchten Einwohner.

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