Die Nachricht kam um 12.30: Bundesrat Alain Berset hört per Ende Jahr auf. Der Gesundheitsminister beendet die Legislaturperiode und tritt nach 12 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl an.
An der Medienkonferenz gab sich Berset staatsmännisch: Betonte immer wieder, dass er 29 Abstimmungen vor dem Volk vertreten hatte. Sagte, wie wichtig es sei, die Legislatur zu erfüllen. Nannte als grössten Stolz die direkte Demokratie, den Dialog mit den Institutionen. Ruhig und gefasst informierte Berset.
Der Rücktritt kommt überraschend – und doch nicht. Berset ist der amtsälteste Minister und der Rücktritt das perfekte Zugpferd für die Wahlen. Jetzt bekommt die SP viel Medienpräsenz, wenn die Nachfolger gesucht werden.
Viel Kritik
Berset sprach aber nur wenig über die Kritik, die in den vergangenen Monaten immer wieder über ihn hineingeprasselt war. Im März sagte er in einem Zeitungsinterview zur Debatte über den Export von Schweizer Kriegsmaterial, dass er bei «gewissen Kreisen» einen «Kriegsrausch» wahrnehme. Für die Aussage hagelte es Tadel. Zuvor waren im Januar dieses Jahres vertrauliche Informationen zu den Corona-Massnahmen aus Bersets Departement an die Öffentlichkeit gelangt.
Die Indiskretionen wurden als «Corona-Leaks» bekannt. Im Parlament wurde deswegen Kritik gegen den Bundesrat laut. Diese hätte jedoch keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt, nicht wieder anzutreten. Er begrüsse die Untersuchung zu den Corona-Leaks und sei gespannt auf die Ergebnisse. «Damit ist alles gesagt», sagt er lachend.
Auch ein Erpressungsversuch und ein missglückter Privatjet-Flug brachten ihn in die Schlagzeilen.
Der Corona-Minister
Politisch wird Berset aber als Gesundheitsminister während der Corona-Pandemie in Erinnerung bleiben. Mit der gewonnenen Abstimmung am vergangenen Sonntag hätte sich ein Kreis geschlossen. Die Pandemie bezeichnet er als die schwierigste Zeit seiner Karriere. Er sei an seine Grenze gekommen.
«Es gab schon Momente, wo ich mich gefragt habe, ob ich diesen Job noch gut machen kann», so Berset. Er habe das dann angesprochen, und dann sei ihm geholfen worden.
Noch keine Pläne für die Zeit danach
Und jetzt? Berset witzelt, vielleicht beginne er mit Yoga, nur um dann zu betonen, er habe noch keine Strategie für die Zeit danach. «Ich werde bis Ende Jahr alles geben. Dann sehen wir weiter.» Für seinen Nachfolger nannte Berset erwartungsgemäss keine Namen. Es brauche einen breiten Rücken und die Person müsse alles geben für das Land und die Gesellschaft. «Das einzige was ich sage, es soll ein Mensch sein», antwortet Berset auf eine Journalistenfrage. Ein Seitenhieb gegen alt Bundesrat Ueli Maurer, der bei seinem Rücktritt sagte, es sei ihm wichtig, dass ihm kein «es» nachfolge.
Deutschschweizer im Fokus
Bei der Suche nach Nachfolgern stehen Deutschschweizer im Fokus. Etwa Daniel Jositsch, Matthias Aebischer, Jon Pult oder Beat Jans. Doch das Feld dürfte auch für Frauen und Westschweizer offen bleiben. Zur Übersicht. (bro/sf)