Darum gehts
- Bund verkauft Zollhäuschen im Tessiner Centovalli, Baujahr 1904
- Richtpreis: 480’000 Franken, Grundstück 1840 Quadratmeter gross
- Seit 2020 hat der Bund 101 Immobilien verkauft, darunter immer wieder Trouvaillen
Näher an der Grenze kann man fast nicht wohnen: Nach dem Zollhaus, zuhinterst im Centovalli-Tal ob Locarno TI, steht eine Brücke über einem Bach – und auf der anderen Seite ist man bereits in Italien. Wer Lust und Geld hat, kann das hübsche Gebäude nun erwerben. Der Bund will das Zollhäuschen verkaufen.
Die Schweizer Fahne weht an der in die Jahre gekommenen Immobilie. Knapp eine halbe Stunde dauert die Fahrt von der Gemeinde Camedo TI aus nach Locarno, ein paar Minuten länger sind es ins italienische Domodossola. Das Haus habe «keine betriebliche Funktion mehr», hält der Bund auf Anfrage fest. «Es wurde bis 2023 genutzt und wird im aktuellen Ist-Zustand veräussert.» Bestehen bleibt die eigentliche Zollstation mit der Fahrbahnüberdachung. Sie werde weiterhin für Kontrollaufgaben genutzt, so der Bund.
480’000 Franken lautet der Richtpreis, der Zuschlag erfolgt auf das Höchstgebot im Bieterwettbewerb. Das Haus zählt drei Büroräume im Erdgeschoss, zwei 3,5-Zimmer-Wohnungen sowie drei Mansardenzimmer. 1904 wurde das Haus gebaut, die letzte Renovation datiert aus dem Jahr 1950, und ganz taufrisch wirkt das Interieur nicht mehr. Immerhin: Die Grundstücksfläche ist mit 1840 Quadratmetern relativ gross.
Immer wieder Trouvaillen in Bundesbesitz
Der Bund besass einst an (fast) allen Ecken und Enden des Landes seine Zollhäuschen. Doch seit dem Beitritt zum Schengen-System sind diese nicht mehr nötig. Zudem ist das Personal heute viel mobiler. Wohnungen bei den Zollstationen brauchen die Zollangestellten nicht mehr.
Unter den ehemaligen Zollhäuschen, die der Bund verkauft, finden sich immer wieder Trouvaillen, auch wegen der Lage: Im Sommer 2025 war das ehemalige Zollhäuschen in Mammern TG zum Verkauf ausgeschrieben. Es liegt direkt am Bodensee.
Ende 2024 veräusserte der Bund ein Zollhäuschen auf 3480 Meter über Meer in Zermatt. Es hatte drei Schlafzimmer, liegt mitten im Skigebiet und bietet beste Sicht in die Berge. Und derzeit ist ein bereits von Privaten topsaniertes Ex-Zollhäuschen nahe dem jurassischen St-Ursanne ausgeschrieben. Ganz abgelegen, aber in schönster Landschaft.
Der Haken an vielen Bundesobjekten: Oft haben die Gebäude jeweils einen grösseren Investitionsbedarf.
Wie viele Zollhäuschen der Bund besitzt, weiss man in Bern nicht exakt. Das Bundesamt für Zoll und Grenzschutz besitzt insgesamt über tausend Objekte in seinem Immobilienportfolio. «Immobilien, die einen hohen Sanierungsbedarf aufweisen und für die keine Nachfrage mehr besteht, werden dem Bundesamt für Bauten und Logistik zur weiteren Verwendung respektive Veräusserung übergeben», teilt die zuständige Stelle mit. Seit 2020 hat der Bund 101 Immobilien verkauft.
Die Verkäufe sind politisch auch schon hinterfragt worden: Im März 2025 hatte SVP-Nationalrat Yvan Pahud (46, VD) ein «sofortiges Moratorium» bei den Verkäufen gefordert – für alle Gebäude, die «operativ unmittelbar zur Aufgabenerfüllung im Rahmen der Grenzkontrolle, der Überwachung und der öffentlichen Sicherheit» benötigt würden. Im Fokus hatte der Waadtländer auch die Zollhäuschen, wenn sie mehr als nur Wohnungen enthalten.
Pahud ging es nicht zuletzt um den Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität. Der Vorstoss blieb ohne Konsequenzen: Er ist bis heute im Parlament nicht behandelt worden.