Darum gehts
- Seco-IT-Debakel sorgt seit Wochen für Verzögerungen bei Arbeitslosengeldzahlungen
- Kantone kritisieren ungenügende Systemleistung und massiven Dossier-Rückstau
- EFK warnte Seco 2024 vor Problemen, aber Debakel trotzdem eingetreten
Seit Wochen schlägt ein IT-Debakel von Seco-Staatssekretärin Helene Budliger Artieda (60) für Negativ-Schlagzeilen. Arbeitslose müssen auf ihr Geld warten, Kantone leisten Überstunden und Wochenendeinsätze, um Akten zu bearbeiten. Vor allem Menschen, die neu arbeitslos werden, sind von Verzögerungen betroffen.
Zwar läuft das IT-System inzwischen – doch die Kantone sind noch immer unzufrieden. «Die Performance des Systems ist nach wie vor nicht genügend», kritisiert der Kanton Thurgau gegenüber Blick. «In den vergangenen Wochen hat sich ein riesiger Rückstau an Dossiers angesammelt, dessen Abarbeitung weiter andauert.» Das führe zu längeren Arbeitszeiten und Wochenendeinsätzen.
«Systemstabilität gewährleistet», aber ...
Verzögerte Entscheide bedeuten im Zweifel auch verzögerte Taggeldzahlungen für arbeitslose Personen, insbesondere, wenn Unterlagen geprüft oder komplexere Fälle beurteilt werden müssen.
Das Seco weist darauf hin, dass sich die Lage stabilisiert habe: «Die Systemstabilität ist in der Zwischenzeit weitgehend gewährleistet. Die Verbesserung der Performance (Systemgeschwindigkeit) steht nun im Vordergrund.» Man arbeite an einer «kontinuierlichen Optimierung der einzelnen Infrastruktur- und Systemkonfigurationen». Wöchentlich würden «weitere Verbesserungen im Bereich der Performance realisiert».
Warum Rückstände entstehen
Gleichzeitig räumt das Seco ein, dass die Bearbeitung nicht in allen Fällen rasch erfolge: «Bei komplexeren Fällen dauert die Dossierbearbeitung länger. Das war allerdings auch beim Vorgängersystem der Fall.» Besonders heikel ist die Situation bei Personen, die sich neu arbeitslos melden: «Bei den Auszahlungen der Arbeitslosenentschädigung an neu angemeldete arbeitslose Personen entstehen aktuell Rückstände, da erhebliche Ressourcen zur Sicherstellung der laufenden Auszahlungen eingesetzt wurden. Das kann die Wartezeit bis zur ersten Auszahlung für neu arbeitslos gewordene Personen verlängern, was das Seco sehr bedauert.»
Besonders peinlich für das Seco: Wie der «Tages-Anzeiger» enthüllt hatte, waren die IT-Probleme intern seit Jahren bekannt. 2024 hatte sogar die Eidgenössische Finanzkontrolle das Seco auf die Probleme hingewiesen – und trotzdem kam es nun zum IT-Debakel.