Darum gehts
- Schweiz verzeichnet Rückgang von Pauschalbesteuerten, 2012 waren es noch 5634 Personen
- Wallis führt mit 841 Pauschalbesteuerten, gefolgt von Tessin (725) und Waadt (706)
- Trotz Rückgang stiegen Steuereinnahmen, Tessin 2024: 189,5 Mio. CHF (+71 Mio. seit 2016)
Hat die Schweiz an Attraktivität verloren? Jedenfalls lockt sie deutlich weniger reiche Ausländer an, die sich pauschal besteuern lassen. Das zeigen Zahlen, die Blick bei den Kantonen erhoben hat. Seit 2012 ist die Zahl der Pauschalbesteuerten deutlich gesunken.
Dennoch läuft das Geschäft für die Kantone gut: Die Steuereinnahmen sind gleichzeitig nämlich deutlich gestiegen.
Wer lockt reiche Ausländer an? Wo leben sie besonders gerne? Und warum zieht das Modell nicht mehr wie früher? Blick liefert die Übersicht.
Das Wallis ist die Bastion der Pauschalbesteuerten
Die Waadt war einst Rückzugsort Vermögender aus aller Welt. Mit 706 Pauschalbesteuerten liegt der Westschweizer Kanton inzwischen nur noch auf Platz 3. Das Wallis hat die Waadt von der Spitze verdrängt: Dort leben 841 Pauschalbesteuerte.
Auf Rang 2 liegt das Tessin mit 725, auf Rang 4 Genf mit 520. Mit deutlichem Abstand folgen Graubünden (195), Zug (157), Bern (144) und Luzern (100).
Wie stark sinkt die Zahl der Pauschalbesteuerten?
2012 erreichten die Pauschalbesteuerten in den meisten Kantonen ihren Höchststand. Seither ist das Modell im Krebsgang: Schweizweit sank die Zahl von 5634 im Jahr 2012 auf 4557 im Jahr 2018 und 3478 im Jahr 2022, dem jüngsten Jahr mit eidgenössisch verfügbaren Daten. Die Waadt verlor seit 2012 690 Pauschalbesteuerte, das Wallis 459, Genf rund 190 und das Tessin 152. Im Thurgau sank die Zahl um 70 auf 34.
In einigen Kantonen wuchs die Pauschalbesteuerung dagegen. In Zug nahm sie um 47 auf 157 zu, in Obwalden um 42 auf 80.
Warum geht die Zahl zurück?
Ein Grund ist die stärkere Konkurrenz aus dem Ausland. Gerade Italien versucht, mit speziellen Steuermodellen Reiche anzulocken. Zudem beschloss die Schweiz 2014 Reformen, die zu höheren Abgaben für Pauschalbesteuerte führten.
Der Rückgang bedeutet allerdings nicht zwingend, dass die Betroffenen weggezogen sind. Mehrere Kantone berichten von Wechseln in die ordentliche Besteuerung. Weitere Gründe für sinkende Zahlen sind Todesfälle, Einbürgerungen und Heiraten mit Schweizerinnen oder Schweizern. Dies führt zum Verlust des Steuerprivilegs.
Wie viel nehmen die Kantone ein?
Trotz sinkender Zahl nehmen einzelne Kantone mit Pauschalbesteuerten mehr ein. Das Tessin verzeichnete 2024 189,5 Millionen Franken an Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern. Das sind 71 Millionen mehr als 2016.
Graubünden nahm 2025 38 Millionen Franken Kantonssteuern ein, 14 Millionen mehr als 2018. Im gleichen Zeitraum stiegen die Einnahmen in Zug um 14 auf 42,4 Millionen Franken, in Obwalden um 9 Millionen auf 16,5 Millionen Franken an Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern.
Ob dies nur an den 2014 erhöhten Bemessungsgrundlagen liegt oder auch deutlich vermögendere Personen mit aufwendigerem Lebensstil zugezogen sind, ist nicht bekannt.
Woher stammt das Modell und warum steht es in der Kritik?
Die Schweizer Pauschalbesteuerung entstand am Genfersee. Ab den 1910er-Jahren sollte sie reiche ausländische Touristen anlocken, die mehrere Monate in Hotels oder Kliniken verbrachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich das Modell im Tessin, Wallis und in Graubünden. Es ging nicht mehr um Touristen, sondern um wohlhabende Ausländer, die in die Schweiz zogen.
Musiker Phil Collins (75), Formel-1-Doyen Bernie Ecclestone (95), der österreichische Investor Peter Pühringer (84) oder Rennfahrer Michael Schumacher (57) wurden immer wieder als mögliche Pauschalbesteuerte genannt. Aufgrund des Steuergeheimnisses können die Vermutungen aber nicht erhärtet werden.
Seit es die Pauschalbesteuerung gibt, steht sie auch in der Kritik. In den 2010er-Jahren gipfelte die Kritik in mehreren kantonalen Volksabstimmungen und einer nationalen Initiative zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Diese wurde 2014 mit 59 Prozent abgelehnt. Seither ist die Diskussion abgeflacht. Zürich, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und die beiden Basel haben die Pauschalbesteuerung allerdings abgeschafft.
Wie funktioniert das Modell?
Besteuert wird nach Aufwand. Grundlage sind die weltweiten Lebenshaltungskosten, etwa für Wohnen, Personal, Autos oder Reisen. Beim Bund beträgt die Mindestgrundlage 435’000 Franken steuerbares Einkommen. Bei einem eigenen Haushalt gilt zudem mindestens das Siebenfache der jährlichen Miete beziehungsweise des Mietwerts der selbstbewohnten Schweizer Wohnung oder Liegenschaft.
Die Kantone kennen zudem eigene Mindestbeträge. Sie betonen, dass klare Kriterien bestehen und der Betrag nicht einfach ausgehandelt wird. Mehrere Kantone halten zudem fest: Bei einer ordentlichen Besteuerung wäre der Veranlagungsaufwand für die Behörden sehr gross, da die meisten Superreichen komplexe Vermögensstrukturen haben.
Woher stammen die reichen Ausländer?
Bei konkreten Fragen zur Herkunft verweisen die Kantone auf das Steuergeheimnis. Meist stammen die Pauschalbesteuerten aber aus Europa. Das Wallis nennt Frankreich, England, Belgien, die Niederlande und Italien als wichtigste Herkunftsländer. In Zug stammt ein Viertel der Pauschalbesteuerten aus Deutschland.
Wer profitiert, wer verliert?
Die Kantone sehen Pauschalbesteuerte praktisch einhellig als positiven Faktor für das lokale Gewerbe: Sie investieren und konsumieren. Das Modell helfe, «vermögende Personen mit internationaler Mobilität als Steuerpflichtige zu gewinnen oder im Kanton zu halten». Das Wallis rechnet, dass sie für rund 4000 Arbeitsplätze sorgen. «Die Steuereinnahmen aus diesem Steuersystem sind für die öffentlichen Körperschaften von entscheidender Bedeutung», schreibt das Walliser Steueramt auf Anfrage von Blick. 122,5 Millionen Franken Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern zahlten Pauschalbesteuerte 2023 im Alpenkanton.
Auch Genf verweist auf Steuerzahlungen, die trotz Sondersatz weit über dem kantonalen Durchschnitt lägen.
Kritiker halten das Modell dagegen für unfair. Sie bemängeln, dass Pauschalbesteuerte gemessen am Vermögen zu wenig Steuern zahlen, die Schweiz anderen Ländern Steuersubstrat entzieht und die Betroffenen Infrastruktur nutzen, ohne dafür viel zu bezahlen. Ein Walliser Pauschalbesteuerter zahlt im Schnitt etwa 150’000 Franken. Darunter sind auch sehr vermögende Personen. Allerdings können ausländische Einkünfte oder Vermögenswerte von Pauschalbesteuerten in den jeweiligen Ländern besteuert werden.
Zudem steigen an gewissen Orten die Immobilienpreise – mit Folgen für Einheimische.