Wohin kippt die Mitte-Partei?
Der Kampfjet-Kampf der GLP

Zum Ersatz der F/A-18-Maschinen haben Bundeshausfraktion und Jungpartei der Grünliberalen unterschiedliche Positionen. Nächste Woche müssen die Delegierten eine Parole fassen.
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Kommende Woche diskutiert die GLP über die Erneuerung der Luftwaffe.
Foto: Keystone
Simon Marti

Am Samstag trifft sich die GLP online. Bei der virtu­ellen Delegiertenversammlung sollen die Parolen zu den ­Abstimmungen vom 27. September gefasst werden.

Zur Diskussion steht nicht ­zuletzt die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge für die Schweizer Luftwaffe – eine Frage, bei der die GLP in der Vergangenheit eine ­gewichtige Rolle spielte: 2014 half sie mit, den Kauf des schwedischen Gripen-Jets zu verhindern. Auch heute ist die Debatte wieder extrem spannend: Die GLP-Bundeshausfraktion steht hinter einer Erneuerung der Luftwaffe, die Jungpartei empfahl das Geschäft Anfang Juni zur Ablehnung. Die urbane Wählerschaft der GLP könnte am Ende entscheiden, welches Lager den Sieg davonträgt.

Dialog statt Konfrontation

Nationalrat Beat Flach (55, AG) interpretiert die Gemengelage so: «Rüstungsausgaben unterstützt die GLP nicht leichtfertig, denn unsere DNA steht dafür, dass eine gute Zukunft für die Welt in der Dialog-, nicht in der Konfronta­tionspolitik besteht.» Anders als 2014 engagiert sich Flach nun im Ja-Komitee. Wenn die Schweiz in Zukunft noch eine Luftwaffe haben wolle, müsse man der Beschaffung im September ­zustimmen: «Ich bin zuversichtlich, dass sich diese pragmatische Haltung in der Partei und letztlich im Volk durchsetzen wird.»

Auch die Junge GLP will die Luftwaffe nicht abschaffen, betont Co-Präsident Tobias Vögeli (24, BE). «Doch scheint mir das Projekt überdimensioniert und intrans­parent. Den Luftpolizeidienst können auch günstigere und umweltschonendere Flugzeuge leisten.»

Beim Gripen habe das Volk den Bund davor bewahrt, Milliarden für einen nicht ausgereiften Jet zu verbrennen. Nun werde versucht, dieses Korrektiv auszuschalten, indem man der Bevölkerung keinen Typ zur Abstimmung präsentiere, kritisiert Vögeli.

Unterstützung aus der SP

Ob die Argumentation verfängt, ist offen. Immerhin dürfen die ­Befürworter auf Schützenhilfe ­einer prominenten Politikerin ­zählen, die den Kauf des Gripen einst vehement bekämpfte: Chantal Galladé (47, ZH), langjährige ­SP-Nationalrätin und seit 2019 Mitglied der GLP. Dass der Flugzeugtyp nicht an der Urne bestimmt wird, sieht die Ex-So­zialdemokratin nicht als Hindernis: «Ich könnte die Modelle nicht bewerten, auch wenn ich mich lange und intensiv mit ­Sicherheitspolitik beschäftigt habe.»

Vielmehr gehe es um die Zukunft der Sicherheitspolitik als Ganzes, um die der Aussen- und Friedenspolitik sowie einer glaubwürdigen Neutralität. Galladé wird sich im Abstimmungskampf einbringen. «Denn der GLP kommt dabei eine wichtige Rolle zu, da wir durchaus auch linke Wähler­innen und Wähler überzeugen ­können.»

Alle Abstimmungen auf einen Blick

Die Schweiz stimmt wieder ab: Erklärungen zu allen Initiativen, aktuelle News und prominente Stimmen zum Thema finden Sie hier.

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