Auf der Website des Berner Veranstaltungsorts, wo sie am 1. Mai auftreten werden, prangt für Unkundige ein Kurzbeschrieb: «Gefällt dir, wenn du Humor, Tiefgang und radikale Ehrlichkeit liebst.»
Es wird einer der letzten Auftritte des Zürcher Podcast-Trios Zivadiliring sein, eine Art letztes Geleit für eine der grössten Erfolgsstorys der jüngeren Schweizer Unterhaltungsgeschichte. Das Publikum allerdings wird – wie schon bei den Auftritten vergangene Woche in Basel und Zürich – nur noch zwei Drittel der Combo erleben. Gülsha Adilji (40) ist soeben Knall auf Fall abgesprungen, Yvonne Eisenring (38) und Maja Zivadinovic (46) ziehen die Sache noch durch.
Der Triumph des Normalen
Die drei haben sich mit ihrem tabufreien Austausch über allerlei Facetten der Alltagskultur – von Flirterlebnissen über Menstruationsprobleme bis Babywindeln – in die Herzen ihrer vor allem weiblichen Fans geplaudert. Zivadiliring war der Triumph des Normalen, der Mitte der Gesellschaft, in einer Zeit, in der Gruppen von allen Seiten auf die Agenda des Zeitgeists drängen. Bei den dreien gabs kein affektiertes Salongeschwafel, keine Abhandlungen im Kulturfuzzi-Duktus. Stattdessen die Lebenswelt dreier junger Frauen, so unmittelbar und intim serviert wie auf Instagram oder Tiktok. Zivadilirings Botschaft: Hallo, Mehrheit! Hallo, Mainstream! Hallo, du!
Ursprünglich startete die Runde 2021 als Podcast auf SRF – und erreichte 100’000 Hörerinnen. Vor einem Jahr geschah das Beste, was den Frauen passieren konnte: Sie wurden vom Medienhaus rausgeschmissen. Das hatte damit zu tun, dass die Protagonistinnen für kommerzielle und politische Werbung interessant wurden. Den Verantwortlichen im Leutschenbach wurde die Sache zu heiss, erst recht im Vorfeld der Halbierungs-Initiative der SVP. Federführend war Anita Richner (59) – die Managerin, die jetzt auf dem möglichen Sprung zur SRF-Kulturchefin ist. Die Schweiz ist gemütlich genug, dass sich immer wieder überraschende Kreise schliessen.
Hybris und Nemesis
Adilji, Eisenring und Zivadinovic standen plötzlich auf eigenen Beinen, mussten sich fortan selbst vermarkten – und feierten ihren Höhepunkt im Oktober 2025 mit einer Show im ausverkauften Zürcher Hallenstadion. Blick berichtete live. Warum aber kam es nach diesem Märchen zum Bruch? Was die Medien bereits angedeutet haben, scheint Tatsache: Es geht um Egos.
Die alten Griechen kannten zwei Göttinnen, die einander, fast wie Schwestern, in ihrem Gegensatz schicksalhaft verbunden waren: Hybris und Nemesis. Auf Erstere folgt Letztere. Hybris verkörpert die Selbstüberschätzung, die Anmassung; Nemesis den darauffolgenden gerechten Absturz, die zornige Rache. Wäre es verwegen, sich Hybris, die Unsterbliche, bildlich vorzustellen wie Yvonne Eisenring? Mit roten Locken und einer goldenen Fibel am weissen Umhang?
Die Schwester als Managerin geholt
Eisenring hatte auf ihrem Weg von der Journalistin zur Bestsellerautorin und Filmschauspielerin mit ihrem Selbstvertrauen eine Wasserverdrängung entwickelt, die die anderen irgendwann zu erdrücken drohte. Mit Grösse ist es so eine Sache im Kleinstaat. Eisenrings Wikipedia-Artikel ist zu entnehmen, dass sie «in Zürich, New York City und Paris» lebt. Eine Frau von Welt! Ist sie zu gross für die Schweiz – oder die Schweiz zu klein für sie?
Als die drei nach dem SRF-Aus ein professionelles Management nötig hatten, setzten sie Eisenrings Schwester Corinne ein. Zivadiliring schien sich für manche Beobachter auch zu einer Art Werbebühne für Eisenrings Projekte zu wandeln. Dass die Mailadresse für Medienanfragen zivadiliring@yvonneeisenring.ch lautet, ist vielsagend
Weniger auskunftsfreudig ist das Trio, wenn die Öffentlichkeit nach Antworten auf das Aus verlangt. Die ansonsten redseligen Entertainerinnen verschanzen sich hinter drögen Floskeln, wie man sie von Behörden oder Konzernspitzen kennt: «Wir kommentieren keine Gerüchte», lautet die Reaktion auf die Frage, worum es sich bei den «persönlichen Gründen» handle, die die Identifikationsfigur Gülsha Adilji als Grund für ihr Fernbleiben nennt. Schauspieler und Komiker Mike Müller (62) schnödete auf X: «Über Analfissuren zu reden, ist einfacher, als persönliche Gründe zu nennen.»
Vor der Tour kams zum Eklat
Die Managerin erwidert SonntagsBlick auf Anfrage per Whatsapp, man möge ihr bitte die Fragen schriftlich zusenden. Plötzlich tönt Zivadiliring wie ein Bundesamt. Zur Sicherheit in dieser Krisensituation wurde im Hintergrund eine Beraterin einer renommierten Zürcher Agentur engagiert.
Auf Google lässt sich nachsehen, was zu einem Thema oft gesucht wird. Weit oben steht: «Zivadiliring Streit». Falsch liegen die User wohl nicht. Angesichts der aktuellen Tour ist es laut Insidern zum Eklat gekommen, bei dem sich vor allem Adiljis aufgestauter Unmut über Eisenrings Strategie entladen hat. Für Adilji und Zivadinovic bestand das Projekt, wie SonntagsBlick in Erfahrung bringen konnte, aus zu viel Eisenring und zu wenig Zivadiliring.
Mit dem bitteren Befund, dass Adilji mit ihrer einstigen Freundin nicht mehr auf der gleichen Bühne stehen kann. Was die eloquente Eisenring kurz sprachlos liess. Dankenswerterweise hat sich Brückenbauerin Zivadinovic bereit erklärt, die verbliebenen Auftritte mit ihr noch zu absolvieren – Vertragsbrüchigkeit muss man sich leisten können.
Schliesslich gibt die Managerin gegenüber SonntagsBlick eine Stellungnahme ab: «Diese Gerüchte sind falsch. Die drei Hosts sind gemeinsam zur Entscheidung gekommen, das Projekt zu beenden aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Podcasts.»
Fakt ist, dass sich die Geschichte der drei Showtalente ihrem Ende nähert. Vielleicht ist das die Rache der Nemesis.