Darum gehts
- 1956 explodierte der Böögg-Kopf in Rekordzeit von unter vier Minuten
- Trotz schneller Explosion war der Sommer 1956 in der Schweiz miserabel
- 2006 wurde der 3,5 Meter grosse Böögg gestohlen und später ersetzt
Der Sommer vor siebzig Jahren muss herrlich gewesen sein. 1956 dauerte es nämlich keine vier Minuten, bis der Kopf des Bööggs mit einem lauten Knall in Stücke gerissen wurde.
Dieser Rekord hält bis heute. Und schliesslich besagt die Sechseläuten-Regel: Je schneller es kracht, desto schöner soll es werden. In Tat und Wahrheit war der Sommer 1956 richtig mies! Stöbert man in damaligen «Witterungsberichten» von Meteo Schweiz, ist von «unternormalen Temperaturen» im Juni die Rede und einem August, der «sowohl in Bezug auf Temperatur als auch Niederschlag und Sonnenscheindauer in den meisten Teilen des Landes ungewöhnlich war». Allerdings nicht im positiven Sinne.
Egal, denn die Wetterprognose ist ohnehin nur Beigemüse. Vielmehr ist das Sechseläuten das Fest der Zünfte, die ihre altehrwürdigen Bräuche und Rituale bis in die heutige Zeit bewahren und pflegen. Das mag (gerade für Nichtzürcher) zuweilen verstaubt wirken, versprüht in unserer schnelllebigen digitalen Welt aber auch einen gewissen anachronistischen Charme. Weit über Zürich hinaus. So bekommt es jeweils die ganze Schweiz mit, wenn trotz penibler Planung alle paar Jahre mal wieder etwas in die (Strumpf-)Hose geht.
Vor zwei Jahren etwa blieb der Böögg unangetastet, weil Windböen mit bis zu 80 Stundenkilometern über die Limmatstadt fegten und das Risiko von fliegenden Funken und einer Massenpanik zu gross war. «Eine Tragödie» nannten es die Verantwortlichen pathetisch. Gebrannt hat der Böögg ein paar Wochen später dann doch noch: in Heiden. Appenzell Ausserrhoden war 2024 nämlich Gastkanton.
Böögg wurde geklaut
Für noch mehr Wind sorgte jener Krimi, der sich vor 20 Jahren abspielte: 2006 wurde der Böögg geklaut! Noch am Morgen der Tat gab eine linke Aktivistengruppe bekannt, das 3,5 Meter grosse und knapp 100 Kilogramm schwere Diebesgut in ihrer Hand zu haben. Angezündet hat man dann zähneknirschend den Ersatz-Böögg des Kinderumzugs. Kurios: Der echte tauchte am 1. Mai wieder auf, kam in Polizeigewahrsam – und wurde kurz darauf nochmals gestohlen!
Unumstritten ist der Anlass auch sonst nicht. Die nach wie vor streng patriarchalen Strukturen und der Einsatz von Pferden trotz Sprengkörpern sind vielen ein Dorn im Auge. Nur einem ist das alles völlig egal: dem Sommer!
Am heutigen Montag, 20. April, ziehen die Zünfte anlässlich des Sechseläutens wieder durch die Strassen von Zürich. Das grosse Highlight ist wie immer das Anzünden des Bööggs. Die traditionelle Vertreibung des Winters und das Anläuten des Frühlings kannst du ab 17 Uhr live auf blick.ch verfolgen.
Am heutigen Montag, 20. April, ziehen die Zünfte anlässlich des Sechseläutens wieder durch die Strassen von Zürich. Das grosse Highlight ist wie immer das Anzünden des Bööggs. Die traditionelle Vertreibung des Winters und das Anläuten des Frühlings kannst du ab 17 Uhr live auf blick.ch verfolgen.