Darum gehts
- Benjamin Raue spielt einen wichtigen Part im neuen Zürcher «Tatort»
- Der Berliner absolviert mit Trisomie 21 eine reguläre Schauspielschule
- Die «Tatort»-Folge mit Benjamin Raue läuft am 8. November auf SRF 1
Roeland Wiesnekker (58) als Boss einer Motorradgang und Ronald Zehrfeld (49) als frisch aus dem Gefängnis entlassener Mann fürs Grobe sind furchteinflössend. Und Anna Pieri Zuercher (47) sowie Carol Schuler (39) harmonieren als Zürcher «Tatort»-Ermittlerinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott von Folge zu Folge besser.
Doch einer stiehlt am 8. November auf SRF 1 allen die Show: Benjamin Raue (24) als tatverdächtiger Jakob Göldi, der in der neusten Episode «Frei wie ein Adler» in einer speziellen WG lebt und bei der ermordeten Wäschereibesitzerin (dargestellt vom schaurig-schönen Bühnen-Bern-Publikumsliebling Jeanne Devos) gearbeitet hat.
«Ich möchte immer perfekt sein»
Raue ist der erste Schauspieler mit Downsyndrom, der aktuell eine reguläre deutsche Schauspielschule absolviert und dort kurz vor dem Abschluss steht. Sein Bildschirmdebüt gab er vor drei Jahren im ZDF-Zweiteiler «Herzstolpern» gleich in einer Hauptrolle. 2025 war er bei «SOKO Leipzig» und in der Serie «Marie fängt Feuer» zu sehen.
Zum Zürcher «Tatort» kam Raue über den klassischen Weg. «Mein Coach Maria Lazaridou hat mich vorgeschlagen, und ich wurde ans Casting eingeladen. Dass ich die Rolle bekommen habe, hat mich sehr gefreut», erzählt Raue im Gespräch mit Blick. Als «Tatort»-Fan kannte er das Zürcher Ermittlungsduo bereits. Der persönliche Kontakt mit den Darstellerinnen hat ihn nun noch mehr überzeugt. «Anna und Carol sind toll. Sie sind stark und mutig. Und vor allem echt cool, vor und hinter der Kamera.»
Der gebürtige Berliner schätzt an seinem Beruf, dass er dabei die unterschiedlichsten Gefühlslagen zeigen kann. «Und ich möchte immer perfekt vorbereitet sein.» Vor seinen Einsätzen zieht sich Raue jeweils konsequent zurück und geht alle Szenen noch einmal akribisch durch. «So habe ich auch kein Lampenfieber. Nur die langen Wartezeiten am Set sind etwas anstrengend», sagt er. «Aber das ist Gewöhnungssache.»
Mit Kritik kann er gemäss eigenen Angaben gut umgehen. «Ich versuche immer, etwas daraus zu lernen und besser zu werden», sagt Raue. Mit Vorurteilen bezüglich seiner Person sei er zum Glück noch nie konfrontiert worden. Wichtig sind ihm vor allem die Meinungen seiner Mutter Barbara Raue-Flaj, seines Stiefvaters Cyrus Rahbar (55), beide ebenfalls Schauspieler. «Und natürlich die Einschätzungen von meinem Coach Maria und der ganzen Schauspielschule.»
Körperlich anspruchsvoll für ihn waren beim «Tatort»-Dreh die Motorrad-Szenen. «Das war ganz neu für mich», sagt Raue. Ebenfalls eine Entdeckung für ihn war die Stadt Zürich. «Am liebsten hätte ich gar nicht mehr weggewollt. Zürich hat mir sehr gut gefallen. Am besten fand ich aber eindeutig das Käsefondue», erzählt er strahlend.
Am 5. November kehrt er für einen Kurzaufenthalt zurück. «Es gibt eine kleine Feier, und wir schauen die fertige Sendung mit dem ganzen Team an. Ich freue mich sehr darauf, alle wiederzusehen.»
Raue ist ein Mann der Pläne
Für seine Zukunft ist bereits einiges klar. Im Januar 2027 ist Raue in «Der Bergdoktor» auf ZDF und ORF in einer Episodenhauptrolle zu sehen. «Und über ein weiteres fixes Engagement darf ich noch nichts sagen.» Ein grosser Traum von ihm wäre, einmal in einem James-Bond-Film aufzutauchen.
Seine deutsche Lieblings-TV-Serie ist «In aller Freundschaft» auf ARD. «Darin könnte ich mir auch einen Auftritt vorstellen. Und zwar gerne mit Julian Weigend, der den Chirurgen Kai Hoffmann spielt.»
Für die Weihnachtstage gibt es ebenfalls einen Fixpunkt. «Der Film ‹Kevin – Allein in New York› gehört für mich zwingend dazu, seit Jahren. Meine Mama schaut immer tapfer mit, obschon sie wohl langsam genug hat davon.»
Auf die abschliessende Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, sagt Raue: «Ich möchte beruflich und privat glücklich sein, immer weiter auftreten und von meinem Beruf leben können. Und ich möchte verheiratet sein. Aber da fehlt noch die Richtige.»
Die deutsche Schauspielerin Juliane Siebecke (23) und Ensemblemitglieder des Theater Hora Zürich verkörpern die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner der WG, in der Benjamin Raue als Jakob Göldi lebt und die der Dreh- und Angelpunkt der neuen «Tatort»-Folge ist. Gabriella de Gara, Leiterin Fiktion & Pacte SRG SSR, sagt zur Auswahl dieser Besetzung: «Starke Geschichten erweitern unseren Blick auf die Welt. ‹Frei wie ein Adler› verbindet spannende Unterhaltung mit einer Perspektive, die im Fernsehen noch zu selten sichtbar ist. Dass Schauspielerinnen und Schauspieler mit Trisomie 21 zentrale Rollen übernehmen, ist für SRF Ausdruck eines zeitgemässen Verständnisses von Vielfalt und Teilhabe. So schaffen wir Geschichten, die berühren, überraschen und gesellschaftliche Realität abbilden.»
Die deutsche Schauspielerin Juliane Siebecke (23) und Ensemblemitglieder des Theater Hora Zürich verkörpern die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner der WG, in der Benjamin Raue als Jakob Göldi lebt und die der Dreh- und Angelpunkt der neuen «Tatort»-Folge ist. Gabriella de Gara, Leiterin Fiktion & Pacte SRG SSR, sagt zur Auswahl dieser Besetzung: «Starke Geschichten erweitern unseren Blick auf die Welt. ‹Frei wie ein Adler› verbindet spannende Unterhaltung mit einer Perspektive, die im Fernsehen noch zu selten sichtbar ist. Dass Schauspielerinnen und Schauspieler mit Trisomie 21 zentrale Rollen übernehmen, ist für SRF Ausdruck eines zeitgemässen Verständnisses von Vielfalt und Teilhabe. So schaffen wir Geschichten, die berühren, überraschen und gesellschaftliche Realität abbilden.»
«Frei wie ein Adler», SRF 1, Sonntag, 8. November, ab 20.05 Uhr.