Darum gehts
- Shayenne Hänggi eröffnet Wimpern-Studio in Zürich nach zehn Jahren Kalifornien.
- Sie warnt vor unsauberer Arbeit, die natürliche Wimpern dauerhaft schädigen kann.
- Ein Neuset kostet 150 Franken, Chemopatientinnen erhalten kostenlose Behandlungen.
Es geht um den Augenblick! Und um den besser zum Ausdruck zu bringen, dafür will die 31-jährige Zürcherin Shayenne Hänggi sorgen. Nach zehn Jahren in Kalifornien und ihrem eigenen Studio – im Epizentrum der globalen Beauty-Trends – ist sie zurück in ihrer Heimat und bringt ihre Präzision in ihr Studio im Zürcher Seefeld mit. Dass künstliche Wimpern meist als oberflächlich abgestempelt werden, lässt die Wimpern-Artistin nicht gelten.
«Wimpern-Extensions haben mit viel Selbstliebe zu tun», erklärt sie bestimmt gegenüber Blick. «Es geht darum, sich selbst diese zwei Stunden ‹Me Time› – also Zeit für sich – zu schenken, die Augen zu schliessen und sich etwas wert zu sein», denn die erste Sitzung dauert über zwei Stunden. In einer hektischen Welt sei ein solcher Termin eine bewusste Auszeit – Selbstfürsorge, die man jeden Morgen beim ersten Blick in den Spiegel wieder spürt.
Ehrlichkeit vor Profit
«Es ist eine unglaubliche Güngeli-Arbeit. Ich trenne jede einzelne Wimper von Hand», so Hänggi. Wer bei ihr 150 Franken für ein Neuset investiert, zahlt für Präzision und Nachhaltigkeit. Denn die Zürcherin warnt vor Pfusch: «Wenn man unsauber arbeitet, können die natürlichen Wimpern dauerhaft geschädigt werden – sie fallen aus und es kann so weit gehen, dass sie nicht mehr nachwachsen. Ich bin ehrlich zu meinen Kundinnen: Wenn ein Wunsch die eigenen Wimpern zerstört, sage ich Nein.»
In der Schweiz ist der Hype um die künstlichen Wimpern längst angekommen, doch die Mentalität unterscheidet sich. Während Zürich auf dezente Eleganz setzt, installiert Hänggi Techniken wie das «Wet Set». Dieser Look, der durch US-Star Kylie Jenner (28) weltberühmt geworden ist, wirkt fast nass und verleiht dem Auge einen besonders glamourösen, wachen Ausdruck. «Die Schwierigkeit einer Wimpern-Artistin ist es, die Arbeit bei jeder Kundin je nach Augenform, Länge, Dicke und Anzahl der natürlichen Wimpern individuell anzupassen.»
Nicht immer gelingt es jedem, gerecht zu werden. Die Schweizerin erinnert sich an eine Kundin, die sie mehrere Tage lang terrorisierte, weil das Ergebnis nicht so dramatisch ausgefallen ist, wie sie es sich vorgestellt hat. «Einige, vor allem in Amerika, leiden unter dem Phänomen ‹Lash-Blindness› – man gewöhnt sich an den eigenen Anblick und wird ‹blind›, man sieht nicht mehr, wenn es zu viel ist.»
Ein Stück Identität zurückgeben
Besonders am Herzen liegt ihr jedoch ein Projekt, das über den klassischen Beauty-Hype hinausgeht. Die Wimpern-Artistin bietet mit ihrem Studio Frauen, die nach einer Chemotherapie ihre Wimpern verloren haben, kostenlose Sets an. «Sobald die ersten Härchen nachwachsen, bin ich da. In diesem Moment gibt die Behandlung diesen Frauen ein Stück Normalität und ihre weibliche Identität zurück.»