Darum gehts
- Michael Weinmann beginnt am 4. Mai wieder mit seiner Moderationsarbeit für SRF
- Seinen kurzzeitigen Wechsel zur Fluggesellschaft Swiss sieht er nicht als Fehler
- Er kommt mit vielen neuen Ideen, die auch seinem Team nützen sollen
Schauplatz ist das Restaurant zum Goldenen Kopf in Bülach ZH. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war schon hier, 1852 der damalige schwedische König Oskar I. und auch Dichterfürst Gottfried Keller (1819–1890). Nun trifft Blick dort den TV-Moderator Michael Weinmann (44), der nach einem einjährigen Abstecher in die Kommunikation bei der Airline Swiss wieder zu SRF zurückkehrt, wo er schon vorher 16 Jahre arbeitete. Sein erster Arbeitstag bei «Schweiz aktuell» ist am 4. Mai, am 18. Mai steht er erstmals wieder vor der Kamera.
Blick: Freuen Sie sich auf Ihren Neustart?
Michael Weinmann: Mega, es ist, als käme ich wieder nach Hause.
Für Aussenstehende war Ihre Zeit bei der Swiss extrem kurz. Hat es Ihnen nicht gefallen?
Das war nicht der Grund, ich fühlte mich bei der Swiss wohl. Doch es war ähnlich wie auf einer tollen Ferienreise: Obschon es mir sehr gefiel, merkte ich auch, dass es zu Hause ebenfalls schön ist. Und dann entstand mit dem Ausstieg von Oceana Galmarini bei «Schweiz aktuell» unerwartet wieder ein freier Platz. Als sich diese Vakanz anbahnte, begann ich mir die Frage nach einem Comeback zu stellen. Ich ging in mich und überlegte, was ich wirklich will. Ich machte keine Pro-Contra-Liste, es war ein emotionaler Entscheid. Ich merkte einfach, wie wohl ich mich beim Fernsehen immer gefühlt hatte. Der Wechsel war kein Fehler. Und die Rückkehr ist kein Ausdruck des Scheiterns. Hätte ich es nicht versucht bei der Swiss, würde ich es noch lange bereuen. Und ich erlebte mit der Einführung des Airbus A350 und des neuen Kabinenkonzepts wohl eines der spannendsten Swiss-Jahre überhaupt.
Wie haben Sie SRF in dieser Zeit wahrgenommen?
Es war rückblickend extrem wertvoll, wegzugehen und von der Seitenlinie aus zu verfolgen, was mein früheres Team machte. Aus dieser neuen Optik schaute ich auch sehr selbstkritisch auf meine eigenen Leistungen beim Fernsehen. Vielleicht bin ich zuvor in all den Jahren irgendwann etwas in einen Trott gekommen. Den habe ich nun definitiv wieder abgelegt. Ich komme mit vielen Erkenntnissen und Ideen zurück und freue mich, diese einzubringen. Davon können hoffentlich auch andere profitieren. «Schweiz aktuell» ist ja nie eine Einzelleistung, sondern wir sind ein Ensemble.
Ganz ehrlich: Haben Sie nicht auch die Öffentlichkeit vermisst?
Ich bin nicht TV-Moderator geworden, weil ich bekannt sein will, sondern weil ich gern rausgehe und zusammen mit unseren Protagonistinnen und Protagonisten spannende Geschichten erzählen möchte. Was ich immer am meisten geschätzt habe bei meiner Arbeit, war der persönliche Austausch. Alle haben eine Meinung zu SRF. Wenn mich jemand anspricht und mit mir über eine Sendung reden will, nehme ich mir gern ein paar Minuten Zeit. Ich habe übrigens noch selten jemanden getroffen, der sagte, «das haben Sie richtig schlecht gemacht». Solche Leute schreiben eher. Und meinen Kindern ist es egal, dass ich erkannt werde. Sie möchten vor allem, dass ich viel Zeit zum Spielen habe. Wobei mein älterer Sohn schon realisiert, dass ich einen etwas speziellen Job habe.
Roger Elsener beginnt seine neue Arbeit als SRF-Direktor ebenfalls anfangs Mai. Kennen Sie ihn schon?
Nein, ich habe aus den Medien erfahren, dass er gewählt wurde. Ich wünsche ihm alles Gute, natürlich auch im eigenen Interesse, dass er einen Weg findet, SRF mit diesen anspruchsvollen Rahmenbedingungen vorwärtszubringen.
Wohin muss sich «Schweiz aktuell» entwickeln?
Unser Markenzeichen sind die Live-Einsätze. Die müssen wir ganz bewusst pflegen und nach Möglichkeit forcieren. Das ist ein essenzielles Element, das uns von anderen Informationssendungen abhebt. Wir sind draussen unterwegs, live und ungeschnitten. Vieles ist unberechenbar. Das kann auch schiefgehen. Diese Unmittelbarkeit schwingt immer mit. Ich kann mir keinen abwechslungsreicheren Moderationsjob im Newsroom vorstellen. Ich bin gern im Studio, gehe aber am liebsten raus. Das gibt es bei den anderen News-Formaten nicht. Und wer für «Schweiz aktuell» rausgeht, muss auch seine Eitelkeit ablegen. Wir müssen je nach Einsatz «unmögliche» Kleider anziehen, Bauhelme oder Hygienehauben. Was mir aber wichtig ist: Der Protagonist soll im besten Licht erscheinen. Zum Teil sind das Menschen, die vielleicht nur einmal in ihrem Leben im Fernsehen vorkommen.
Michael Weinmann kam 1981 in Zürich zur Welt. Nach einem Studium in Journalismus und Organisationskommunikation begann er seine Medienlaufbahn bei Radio Top und Teleclub. 2009 kam er zu SRF, war Inlandredaktor, Moderator von «Schweiz aktuell» und kommentierte auch Formel-1-Rennen. 2025 wechselte er als Head of Media Relations zur Swiss und steigt auf Anfang Mai 2026 wieder bei SRF ein. Er wohnt in Bülach ZH und ist seit 2021 mit Martina (39) verheiratet, Vater von Luca (4) und Jonas (2) und verfügt über eine Privatpilotenlizenz.
Michael Weinmann kam 1981 in Zürich zur Welt. Nach einem Studium in Journalismus und Organisationskommunikation begann er seine Medienlaufbahn bei Radio Top und Teleclub. 2009 kam er zu SRF, war Inlandredaktor, Moderator von «Schweiz aktuell» und kommentierte auch Formel-1-Rennen. 2025 wechselte er als Head of Media Relations zur Swiss und steigt auf Anfang Mai 2026 wieder bei SRF ein. Er wohnt in Bülach ZH und ist seit 2021 mit Martina (39) verheiratet, Vater von Luca (4) und Jonas (2) und verfügt über eine Privatpilotenlizenz.
Wieso gibt es «Schweiz aktuell» auch in zehn Jahren noch?
Weil die regionale Berichterstattung unglaublich wichtig ist für das Gemeinschaftsgefühl in unserem Land. Aber dafür braucht es Medien, die aus den Regionen berichten. Vom Krieg im Iran liefern verschiedenste Agenturen Bilder. Aber wenn in Brienz der Hang rutscht, sind es die Schweizer Medien, die als Erste vor Ort sind. Einzigartig ist, dass «Schweiz aktuell» aus den Regionen für alle Regionen berichtet. Eine Geschichte ereignet sich zwar zum Beispiel im Wallis, doch gibt es häufig verwandte Fälle auch in anderen Gegenden, mit denen sich alle Menschen identifizieren können. Das schafft ein Verständnis für die Bedürfnisse der Bevölkerung in anderen Teilen des Landes. Wir sind auch kein Zürcher Medium, sondern ein Medium für die ganze Schweiz, das die hintersten Winkel des Landes besucht. Da gehört es einfach dazu, dass die Reise zu einem Drehort manchmal länger dauert.
Noch kurz zum Elefanten im Raum: Pascal Schmitz hat Sie bei Ihrem Weggang zur Swiss bei «Schweiz aktuell» ersetzt. Nun ist er durch die Affäre um Patrick Fischer in ein ganz anderes Rampenlicht geraten. Hatten Sie seither Kontakt mit ihm?
Nur kurz per Whatsapp ganz zu Beginn. Aber ich habe den Fall auch nur als Medienkonsument verfolgt. Deshalb sehe ich mich auch nicht in der Rolle, eine Meinung zu seiner Personalie und der ganzen Causa abzugeben.
Trotzdem sei die Frage erlaubt: Wie hätten Sie an seiner Stelle gehandelt?
Ich bin nicht mit Patrick Fischer am Tisch gesessen und es müssen andere Leute klären, was dort genau passiert ist. Zum konkreten Fall kann ich mich deshalb nicht äussern. Was ich aber grundsätzlich sagen kann: Es ist die Aufgabe von Journalisten, kritisch hinzuschauen. Wenn uns relevante Missstände bekannt sind, ist es nicht nur legitim, sondern unsere Pflicht, diese zu thematisieren. Dass Journalisten angegangen und als Verräter beschimpft werden, wenn sie ihre Arbeit machen, finde ich bedenklich. Es sollte meiner Meinung nach im Interesse der ganzen Gesellschaft sein, dass wir keinen Gefälligkeitsjournalismus betreiben und nicht etwas vertuschen oder verheimlichen, weil es jemandem nützen oder auch schaden könnte.