Darum gehts
- Stress wurde im Mai nach jahrelangen Rückenschmerzen operiert
- In seinem neuen Buch schildert er Depression; Psychotherapie half
- Abstinenz, vegetarisches Leben und Partnerin geben Halt
Auf einmal musste alles schnell gehen: Notfallmässig wurde Rapper Stress (49) im Mai operiert. Schon seit vielen Jahren kämpft er mit schweren Rückenproblemen. Zuletzt waren die Schmerzen derart stark, dass er gar seine Ferien in Sumatra abbrechen und heimfliegen musste. Eine Behandlung in der Schweiz konnte die Beschwerden von Andres Andrekson, wie Stress bürgerlich heisst, nur kurzzeitig lindern. Die Schmerzen kamen nach und nach zurück – sein Bandscheibenvorfall musste zwingend operiert werden.
«Es war wirklich die Hölle», sagt der Westschweizer rückblickend, «es war die schmerzhafteste Zeit in meinem Leben.» Solange es irgendwie ging, kämpfte er sich von Termin zu Termin, trat Anfang dieses Jahres noch bei «Art on Ice» auf.
Schockiert vom eigenen Körper
Wie extrem die Situation vor dem Eingriff war, zeigt eine Begebenheit aus seinem Alltag: «Ich konnte nicht einmal mehr zum WC laufen. Meine Freundin hat mich auf eine Decke gelegt und mich zur Toilette gezogen, weil ich es selbst nicht dorthin geschafft hätte.» Ein einschneidendes Erlebnis für einen Mann, der es gewohnt ist, auf der Bühne volle Leistung zu bringen. «Es war schockierend zu sehen, wie stark du von deinem eigenen Körper limitiert werden kannst.» An diesen Punkt wolle er nie mehr in seinem Leben kommen.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Schliesslich wurde Stress am Rücken operiert. Der Eingriff verlief zwar erfolgreich, doch der Heilungsprozess fordert dem Musiker Geduld ab. Die Kraft und die Sensibilität in seinem Bein seien noch nicht vollständig zurück. Bis zur Genesung könne es bis zu einem Jahr dauern. «Du musst dir bewusst sein, dass du im Kopf viel schneller bereit bist als im Körper», erklärt er. «Da brauchst du viel Geduld. Geduld ist allerdings keine meiner Stärken, ich muss das gerade auf die harte Tour lernen.»
Der körperliche Schmerz war bei Stress eng mit psychischen Belastungen verknüpft. 2017 verfiel er in eine schwere Depression. Erst durch eine Psychotherapie fand er einen Ausweg. Ein Schritt, der ihm anfangs schwerfiel: «Der schwierigste Teil ist, zu akzeptieren, dass man Hilfe braucht. Wir Männer wollen immer stark sein und alles alleine schaffen. Aber es ist ein grosser Erfolg, wenn man sich eingesteht: Ich brauche Unterstützung.»
Offen spricht er in seinem kürzlich erschienenen Buch «Wie mit Stress umgehen» über die vergangenen Jahre. «Ich bin kein Arzt, aber ich will anderen zeigen, was mir geholfen hat, damit sie es hoffentlich ein bisschen einfacher haben», sagt der Musiker.
Starke Selbstreflexion
Im Buch kommen auch frühere Weggefährten zu Wort. So schreibt seine Ex-Frau Melanie Winiger (47) bereits im ersten Satz: «Er hatte ein Ego von beachtlichem Format.» Später schildert sie, wie mit Stress ab und an auch die Emotionen durchgingen.
Eindrücklich: Während sich andere von solchen Worten angegriffen oder irritiert fühlen würden, zeigt Stress Verständnis. «Das ist wahr», gibt er ehrlich zu. «Sie erzählt von jemandem, den sie in einer bestimmten Zeit gekannt hat. Ich war damals extrem impulsiv und hatte viel Wut in mir. Aber dank der Therapie kann ich mich heute klar im Spiegel anschauen und an mir arbeiten.»
Nicht nur mental, auch körperlich hat der Sänger eine grosse Entwicklung hinter sich: Seit drei Jahren trinkt er keinen Alkohol mehr, raucht kein Cannabis mehr und lebt vegetarisch. «Ich war nach einem Monat Abstinenz klarer, fokussierter und hatte ein viel besseres Leben. Für mich bin ich so die beste Version meiner selbst.»
Seit fünf Jahren in einer Beziehung
Einen grossen Anteil an seinem heutigen inneren Gleichgewicht hat auch die Frau an seiner Seite. Seit fünf Jahren ist Stress in einer Beziehung mit einer Partnerin, die bewusst nicht in der Öffentlichkeit steht. «Sie führt ein normales Leben. Diese Balance tut mir extrem gut», sagt er. Dass sie ihm in den dunkelsten Tagen beistand, rechnet er ihr hoch an: «Sie hat mich unterstützt, ohne mich zu verurteilen. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie in meinem Leben habe.»
Als Zeichen seiner Liebe widmete er ihr auf seinem kürzlich erschienenen neuen Album den Song «24/7» – auf Schweizerdeutsch. «Sie versteht kein Französisch. Ich wollte ihr damit zeigen, wie wichtig sie für mich ist.»
Im kommenden Jahr steht sein 50. Geburtstag an. Eine Zahl, die ihm keine Angst macht: «Ich fühle mich nicht wie 50 und habe grosse Freude am Leben.» Seine grösste Lektion sei es gewesen, die ständige Panik abzulegen, dass wieder alles «bachab» gehen könnte. «Man kann nicht alles vorhersehen. Das Wichtigste ist das Wissen, dass ich mich immer anpassen und einen Weg für mich finden werde. Das bringt mir echten Frieden.»